Fußballlegenden schließen UEFA-Masterstudium ab

Eine Reihe früherer Nationalspieler wie Youri Djorkaeff, Maxwell und Luis García haben erfolgreich den UEFA-Master-Studienkurs für Nationalspieler (MIP) abgeschlossen, der ehemaligen Fußballspielern die für den erfolgreichen Start einer zweiten Karriere nötigen beruflichen Fähigkeiten vermitteln soll.

Der UEFA-Master-Studienkurs.
Der UEFA-Master-Studienkurs. ©UEFA.com

Fast zwei Jahre harter Arbeit liegen hinter der Gruppe von insgesamt 21 früheren Elitespielerinnen und spielern, zu der auch Gilberto Silva, Dimitris Papadopoulos und Patrick M'Boma gehören, doch die Anstrengungen haben sich gelohnt: Alle haben den UEFA-Master-Studienkurs für Nationalspieler (MIP) erfolgreich absolviert.

Im UEFA-Master-Studienkurs für Nationalspieler (MIP) lernen ehemalige Fußballer alles, was sie für ihre zweite Karriere brauchen.
Im UEFA-Master-Studienkurs für Nationalspieler (MIP) lernen ehemalige Fußballer alles, was sie für ihre zweite Karriere brauchen.©UEFA.com

„Es war schwierig, weil wir nicht daran gewöhnt sind“, gesteht Stilijan Petrow, der früher für Celtic Glasgow, Aston Villa und sein Heimatland Bulgarien spielte, ein. „Als Kinder sind wir natürlich in die Schule gegangen, aber nach dem Fußball steht man an einem Scheideweg und fragt sich, was man danach macht und wie man im Fußball bleiben kann. Einige von uns haben beschlossen, diesen Weg zu gehen. Es war hart, es waren zwei lange Jahre, aber heute findet die Diplomverleihung statt und wir sind sehr zufrieden. Die ganze Gruppe hat intensiv gearbeitet, gemeinsam und individuell, und wir freuen uns darauf, künftig in verschiedenen Funktionen im Fußball zu arbeiten.“ 

„Der Kurs hat mich weitergebracht“

Dmitri Bulykin arbeitet derzeit als Präsidentenberater bei Lokomotive Moskau.
Dmitri Bulykin arbeitet derzeit als Präsidentenberater bei Lokomotive Moskau.©UEFA.com

In den zwei Studienjahren absolvierten die ehemaligen Profis mehrere je siebenwöchige Kursblöcke in verschiedenen Städten und Ländern. In jedem davon ging es um einen anderen Aspekt der Administration bzw. Führung einer Fußballorganisation, sodass die Teilnehmenden einen umfassenden Überblick über die Thematik erhielten. Zudem mussten Studierende, die nicht bereits in einer Sportorganisation arbeiteten, ein dreimonatiges Praktikum absolvieren, um zu gewährleisten, dass sie neben dem Studienabschluss auch praktische Arbeitserfahrung vorweisen können. 

Dmitri Bulykin, der ehemalige russische Nationalspieler, der auch in Deutschland und den Niederlanden aktiv war und mittlerweile als Berater des Vereinspräsidenten bei Lokomotive Moskau arbeitet, erklärt, dass ihm das Studium exzellente Einblicke in das Leben abseits des Spielfelds gewährt habe, was ihm bei seiner aktuellen Aufgabe sehr zugutekomme.

„Es ist eine große Hilfe“, bekennt Bulykin. „Ich habe angefangen, viele Aspekte des Vereinsmanagements, der Strukturen und Finanzen zu verstehen. Beispielsweise haben wir im Kurs die Budgets von Barcelona, Real [Madrid] und Arsenal verglichen. So versteht man dann, was es wirklich bedeutet, in einem Klub über ein bestimmtes Budget zu verfügen. Man kann es sich anschauen, beurteilen und vorläufig analysieren. Der Kurs hat mich weitergebracht. Man beginnt, die verschiedenen Aspekte des Fußballs zu verstehen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch, was das sportliche Management betrifft.“

„Erfahrung aus erster Hand ist sehr wichtig“

Annike Krahn glaubt, dass ehemalige Spieler stärker in Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden werden sollten.
Annike Krahn glaubt, dass ehemalige Spieler stärker in Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden werden sollten.©UEFA.com

Die Kursmodule sind so gestaltet, dass sich die ehemaligen Profis eine breite Palette an Kenntnissen aneignen können, die für eine erfolgreiche Zweitkarriere unerlässlich sind. So befassen sich die Studierenden mit den Aufgaben und Fähigkeiten, die für eine Managerposition, strategisches Marketing und Kommunikation oder Stadion- und Vor-Ort-Management im operativen Bereich erforderlich sind. Daneben erhielten sie aber auch Einblicke in das nordamerikanische Sportmodell mit der Funktionsweise der dortigen Klubs und Ligen. 

Die Deutsche Annike Krahn ist überzeugt, dass der UEFA-MIP für ehemalige Spielerinnen und Spieler eine hervorragende Ausbildung darstellt, in der sie über wichtige Facetten der Sportart lernen. Die frühere Nationalspielerin fordert, dass wesentliche Entscheidungen von ehemaligen Fußballern und Fußballerinnen getroffen werden müssten.

„Jede Fußballspielerin, die gerne im Sportbereich bleiben möchte, sollte auf jeden Fall schauen, dass sie vor allem im Bereich Frauenfußball in verantwortungsvolle Positionen kommt, weil ich glaube, keiner kennt das besser als die Spielerinnen, die selber in dem System waren“, erklärt Krahn. „Das würde auf jeden Fall helfen, den Frauenfußball nach vorne zu treiben, wenn ehemalige Spielerinnen in Führungspositionen sind.“

„Ich denke jetzt viel strategischer“

Die brasilianische Fußballlegende Kaká hat kürzlich das Masterstudium begonnen.
Die brasilianische Fußballlegende Kaká hat kürzlich das Masterstudium begonnen.©UEFA.com

Für Michael Johnson verliefen die Jahre seines MIP-Studiums sehr ereignisreich. 2018 wurde der ehemalige Abwehrrecke von Birmingham City Cheftrainer der Nationalelf von Guyana, die unter seiner Leitung die Endrunde des CONCACAF Gold Cups erreichte – eine Premiere für das 800 000-Einwohner-Land. In der Folge wurde er ins Trainerteam der englischen U21-Auswahl berufen; über den Master-Studienkurs sagt er, er habe dadurch das Selbstvertrauen bekommen, strategischer zu denken und sich so im Gespräch mit hohen Verbandsmitarbeitern besser durchsetzen zu können. 

„Ich denke jetzt viel strategischer, beispielsweise auch in der Frage, wie ich in den Entscheidungsgremien an Einfluss gewinnen kann“, erklärte er. „Vorher war ich nur ein Trainer auf dem Rasen; jetzt unterhalte ich mich mit Führungskräften wie dem Verbandspräsidenten oder dem CEO darüber, wie man eine Strategie aufstellen kann, was unsere Vision ist und wie ich daran arbeiten möchte.“

„Man muss in der Lage sein, Fehler zu korrigieren“

Im Rahmen des MIP erhalten ehemalige Nationalspieler das Rüstzeug, um ihre spielerischen Stärken in Managementfähigkeiten umzuwandeln, wodurch der Fußball als Ganzes profitieren kann.

Anlässlich der Abschlussfeier spielten die Absolventen der zweiten Ausgabe gegen ihre Nachfolger.
Anlässlich der Abschlussfeier spielten die Absolventen der zweiten Ausgabe gegen ihre Nachfolger.©UEFA.com

Absolventen des UEFA-MIP erhalten einen Master of Advanced Studies des Zentrums für Sportrecht und -ökonomie (CDES) der Universität Limoges in Frankreich, in Zusammenarbeit mit dem Birkbeck College der Universität London. Das Programm wird gemeinschaftlich mit der Europäischen Klubvereinigung (ECA) und der FIFPro organisiert. 

Dem früheren spanischen Nationalspieler Gaizka Mendieta ist der Umstieg nach der aktiven Fußballkarriere bereits gelungen: Er führt mit Erfolg ein Restaurant in London und betätigt sich in seiner Freizeit als DJ. Dennoch zeigt sich Mendieta sehr froh, an dem MIP-Programm teilgenommen zu haben, da er wertvolle neue Kenntnisse erworben habe, die ihm bei der persönlichen Weiterentwicklung helfen würden.

Didier Drogba, Júlio César und Andrei Arschawin haben sich für die dritte Ausgabe des MIP eingeschrieben.
Didier Drogba, Júlio César und Andrei Arschawin haben sich für die dritte Ausgabe des MIP eingeschrieben.©UEFA.com

„Der MIP hilft uns sehr dabei, Situationen zu erkennen, die wir in den 15 oder 20 Jahren unserer Karriere immer wieder erlebt haben und die wir aufs Berufsleben ummünzen können, sei es in der Fußballbranche oder anderswo“, findet Mendieta. „Das sind Dinge wie Führungsstärke, Teamgeist und Opferbereitschaft – Entschlossenheit und die Fähigkeit, Fehler zu korrigieren. Das ist etwas sehr Wichtiges und man braucht Jahre, um es zu erlernen. Wir aber haben es einfach durchs Fußballspielen gelernt. Dank dem MIP versteht man, dass man das alles in sich trägt und wie man es aus sich herausholen und nutzen kann.“ 

„Ich möchte ein Vorbild sein“

Derzeit beginnt die nächste Ausgabe des UEFA-Master-Studienkurses mit dreißig weiteren Ex-Fußballern, darunter Didier Drogba, Kaká und Gerardo Torrado. Der ehemalige brasilianische Nationaltorwart Júlio César, der 2010 mit Inter Mailand die Champions League gewann, hat sich auf Anraten von Maxwell, seinem früheren Mannschaftskameraden in Klub und Nationalelf, ebenfalls angemeldet. Er allerdings hat andere Gründe, noch einmal die Schulbank zu drücken.

„Ich habe einen 17-jährigen Sohn und meine Tochter ist 13 – da möchte ich gerne ein Vorbild sein“, erklärt er. „Sie wissen, dass ihr Vater auf eine ganz nette Spielerkarriere zurückblicken kann, aber dann nach dem Fußball hat man so viele Zweifel im Kopf; es ist beängstigend, wenn man eines Tages daheim sitzt und nur noch fernsieht. Das möchte ich nicht, ich will meinen Kindern mit gutem Beispiel vorangehen, und das ist auch der Grund, weshalb ich beschlossen habe, diesen Kurs zu machen.“

Oben