Ganz "besonderer Preis" für Beckenbauer

Nachdem Franz Beckenbauer aus den Händen von Michel Platini den Preis des UEFA-Präsidenten erhalten hatte, nahm er sich Zeit, im Gespräch mit UEFA.com seine unvergleichliche Karriere Revue passieren zu lassen.

Die deutsche Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer hat seine Freude ausgedrückt, den Preis des UEFA-Präsidenten erhalten zu haben, den er als etwas "ganz Besonderes" bezeichnet.

Beckenbauer, der neben zahlreichen anderen Titeln auch die FIFA-WM als Spieler gewonnen hat, dazu noch dreimal den Pokal der europäischen Meistervereine und einmal den Pokal der Pokalsieger, triumphierte auch 1990 bei der WM als Trainer der DFB-Elf, 1996 führte er die Bayern als Coach zum Sieg im UEFA-Pokal. Den Preis des UEFA-Präsidenten erhielt er in München aus den Händen von UEFA-Präsident Michel Platini. Bei der Zeremonie waren auch zahlreiche Vertreter des DFB sowie des FC Bayern München anwesend.  

"Es ist nicht nur eine schöne Ehre, sondern auch eine sehr wertvolle. Denn aus den Händen des UEFA-Präsidenten Michel Platini eine solche Auszeichnung zu bekommen, das ist etwas Besonderes", sagte Beckenbauer gegenüber UEFA.com. "Und die Steigerung des Besonderen ist, dass Michel Platini einer der besten Fußballer ist, die es in der Geschichte des Fußballs gegeben hat. Und diese Auszeichnung aus seinen Händen zu bekommen, das macht es ganz besonders."

Beckenbauers Karriere spannt sich von Mitte der 1960er Jahre bis in die frühen 1980er. Vor ihm wurde der Preis des UEFA-Präsidenten den Legenden Sir Bobby Charlton, Eusébio, Gianni Rivera, Raymond Kopa und Alfrédo di Stefano überreicht. Haben die Errungenschaften solcher Legenden noch Einfluss auf künftige Generationen?

"Das ist schwierig zu sagen", erklärte Beckenbauer weiter. "Ich bin in eine Phase [des Fußballs] hineingeboren worden – das mag auch als Glück bezeichnet werden – denn ich habe die Phase mitgemacht, von Schüler-, Jugend- über die Amateurzeit, und dann kam der professionelle Fußball nach Deutschland. Und ich war ziemlich am Anfang mit dabei, 1964/65, von diesem Moment an ist der Fußball immer nach oben gestiegen, immer populärer geworden. Der Fußball ist professioneller geworden und damit auch das Umfeld."

"Wenn man heute sieht, welch eine Fernsehpräsenz so ein Spiel hat – früher hatte man eine Kamera, die dann 90 Minuten lang in Bewegung war. Heute werden die Spiele über 30 Kameras gezeigt und in die ganze Welt übertragen. Man sieht also, dass der Fußball eine viel größere Bedeutung hat, also noch vor 40, 50 Jahren. Und ich hatte das Glück, in dieser Phase dabei zu sein."

Wie hat sich der Fußball seit Franz Beckenbauers Zeit verändert? "Früher war es Fußball aus Freude. Natürlich spielen die Spieler auch heute noch aus Freude, aber es ist wesentlich professioneller geworden", sagte er. "Taktische Anweisungen gab es damals nicht. Man hat auch versucht, positionsbezogen zu spielen, gegen den Mann zu spielen, aber heute wird viel freier und viel ideenreicher gespielt."

"Die Spieler werden besser ausgebildet. Das Material ist viel leichter und angenehmer als früher. Wir haben früher mit Lederbällen gespielt. Wenn der Boden nass war, dann ist der Lederball natürlich immer schwerer geworden. Genauso mit den Lederschuhen. Es hat sich also sehr viel verändert – zum Guten und zum Professionellen."

Einer der größten Triumphe Beckenbauers in der Nationalmannschaft war der souveräne Sieg bei der UEFA EURO 72. "Am Anfang der Europameisterschaft [1972] waren wir nicht so die Favoriten, da waren uns die Engländer voraus", erinnert er sich. "Dann haben wir eines geschafft, was vorher noch nie eine deutsche Mannschaft geschafft hat, nämlich im Wembley-Stadion in London zu gewinnen. Damit war der Weg frei zur Europameisterschaft."

"Wir hatten noch kurz vor der Europameisterschaft einen Test gegen die damalige UdSSR und wir haben sie in München mit 4:1 geschlagen, damit war die Favoritenstellung für das Endspiel ein paar Wochen später in Brüssel klar. Wir waren klarer Favorit und haben auch klar mit 3:0 gewonnen. Ich glaube auch, dass wir verdient Europameister geworden sind."

"Das Geheimnis unseres damaligen Erfolges war vielleicht, dass die Mannschaft aus zwei Blöcken bestand. Das war der FC Bayern München mit sechs Spielern und Borussia Mönchengladbach mit drei Spielern. Das waren damals die besten Mannschaften in Deutschland. Es war eine eingespielte Mannschaft."

Dreimal durfte Franz Beckenbauer in seiner Laufbahn den Pokal der europäischen Meistervereine als Kapitän in die Höhe stemmen – 1974, 1975 und 1976. Für ihn unvergessliche Augenblicke. "Der Champions-League-Pokal, oder der Pokal der Landesmeister ist natürlich etwas Besonderes. Es ist die höchste Trophäe im Vereinsfußball, die man erreichen kann. Und wenn man dann die Trophäe in den Händen halten kann, ist es natürlich etwas besonders."

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