Michel Platini: "Zurück zu den Wurzeln"

UEFA-Präsident Michel Platini hat auf dem XXXVIII. Ordentlichen UEFA-Kongress in Astana betont, dass die UEFA ihre soziale Rolle untermauern und noch härter an der Entwicklung des europäischen Fußballs arbeiten will.

UEFA-Präsident Michel Platini hat versprochen, die UEFA "zurück zu den Wurzeln" zu führen, sich neu auf die sozialen Zwecke zu fokussieren und Entwicklung des europäischen Fußballs weiter voranzutreiben. Der europäische Fußballdachverband blickt einer spannenden Zukunft entgegen.

In seiner Rede auf dem XXXVIII. Ordentlichen UEFA-Kongress in Astana/Kasachstan präsentierte Michel Platini zahlreiche Maßnahmen, darunter auch ein neues Programm zum Auf- und Ausbau von Fußballakademien für vielversprechende Nachwuchstalente und die Gründung einer UEFA-Stiftung für Kinder. Weiterhin unterstrich der UEFA-Präsident die ablehnende Haltung der UEFA hinsichtlich von Dritteigentümerschaft an Spielern.

Michel Platini erinnerte auch an das anstehende 60. Jubiläum der UEFA noch in diesem Jahr: "Was ging in den Köpfen der Pioniere vor, die diesen unseren Dachverband ins Leben gerufen haben?", fragte der UEFA-Präsident. "Sie hatten zwei vorrangige Ziele. Sie wollten den Fußball auf unserem Kontinent weiterentwickeln und über die gesellschaftliche Rolle des Fußballs möglichst viele Menschen erreichen."

"Ich glaube, dass heute der Moment gekommen ist, sich erneut auf diese beiden Schwerpunkte zu konzentrieren: Wir müssen zurück zu den Wurzeln. Zurück zum Wesentlichen. Uns wieder auf unser 'Kerngeschäft' konzentrieren, auf den eigentlichen 'Zweck' unserer Organisation, auf den Grund für ihre Existenz."

Michel Platini ging auf die zahlreichen Projekte ein, welche von der UEFA in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden, um die Entwicklung des Fußballs voranzutreiben. Dazu gehören Entwicklungsturniere für Jungs und Mädchen, die Erweiterung von Endrunden in UEFA-Wettbewerben, neue Konzepte wie die "EURO für Europa" im Jahr 2020, technische Austauschprogramme sowie die Ernennung von Sir Alex Ferguson als UEFA-Trainerbotschafter im Januar.

"Aus diesem Grund lancieren wir derzeit in interessierten Ländern ein brandneues Programm zum Auf- und Ausbau von Fußballakademien für vielversprechende Nachwuchstalente", so der UEFA-Präsident weiter. "Bei diesem Programm geht es um die Entwicklung von Trainingszentren zu dem Zweck, europaweit neue Talente zu entdecken, auszubilden, zu begleiten und voranzubringen, um sie zu den Stars von morgen, aber auch zu verantwortungsbewussten Menschen und Bürgern zu machen."

"Es handelt sich hier um ein Programm von Fußballern für Fußballer – ein durch und durch innovatives Konzept, für das eigens eine Abteilung bei der UEFA geschaffen wurde, die sich um seine Umsetzung kümmert. Die Früchte aber werden Sie, die Verbände, ernten – sofern Sie sich auf das Experiment einlassen möchten! Wer weiß, vielleicht verbirgt sich der nächste Ronaldo ja in Moldawien oder in Lettland? Dieses Elitefußballprogramm wird Ihnen dabei helfen, ihn zu finden."

Michel Platini weiter: "Unabhängig von ihrer Begabung haben Kinder ein Recht darauf, die Freuden des Fußballspiels zu entdecken. Sie haben ein Recht darauf, ihn unter bestmöglichen Bedingungen auszuüben, und wir haben die Pflicht, ihnen dazu zu verhelfen. Aus diesem Grund werden wir noch mehr Partnerschaften mit den Regierungen Ihrer Länder eingehen, um den Fußball unter Ihrer Führung zum offiziellen Schulsport eines jeden Landes zu machen."

Um die Entwicklungsarbeiten im europäischen Fußball nicht an Fahrt verlieren zu lassen, gab Michel Platini nun bekannt, dem innovativen UEFA-HatTrick-Unterstützungsprogramm mit erhöhten finanziellen Mitteln weiterhin den Rücken stärken zu wollen. "Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des HatTrick-Programms haben wir beschlossen, die damit verbundenen Fördergelder zu erhöhen. Ich darf Ihnen daher mitteilen, dass die für HatTrick IV zur Verfügung stehenden Mittel höher sind denn je!"

Hinsichtlich der Erschaffung der UEFA-Stiftung für Kinder erklärte Michel Platini, dass sich die UEFA weiterhin anschickt, so vielen Menschen wie möglich durch die gesellschaftliche Rolle des Fußballs helfen zu wollen. "Das Exekutivkomitee hat die Einrichtung dieser Stiftung vorgestern bei seiner Sitzung im Grundsatz genehmigt und wir werden uns folglich mit dem Elan und der Begeisterung derer, die wissen, dass sie das Richtige tun, in die Umsetzung dieses Projekts stürzen."

"Diese Stiftung soll Programmen für notleidende Kinder in ganz Europa und weltweit zugutekommen. Insbesondere soll ein System eingeführt werden, dass es den einzelnen Nationalverbänden ermöglicht, ein Kinderhilfsprojekt in ihrem Land zu entwickeln, das ganz oder teilweise von der Stiftung finanziert wird. Der Fußball hat mehr denn je auch eine soziale Aufgabe zu erfüllen, und was könnte besser sein, als unser Engagement der Jugend zu widmen?"

"Die Stiftung soll uns, soll Ihnen dabei helfen, die Magie des Fußballs zu bewahren und denjenigen Kindern Hoffnung zu geben, die diese am meisten nötig haben. Es handelt sich um ein wunderbares Projekt, das mir ganz besonders am Herzen liegt."

Hinsichtlich des Themas Dritteigentümerschaft an Spielern sprach der UEFA-Präsident unmissverständlich von "einem Übel, das mich besonders beunruhigt", und ergänzte: "Seit Jahren predige ich, dass diese sich immer weiter verbreitende Praktik eine Gefahr für unseren Sport darstellt. Sie gefährdet die Integrität unserer Wettbewerbe, das Image des Fußballs und langfristig auch die Klubfinanzen, und stellt selbst das Prinzip der menschlichen Würde in Frage."

"Als ich noch Spieler war, habe ich dafür gestreikt, dass die Spieler nicht mehr ihren Vereinen gehören und die ihnen zustehende Freiheit erhalten. Heute gehören die Spieler zwar nicht mehr ihren Klubs, aber es ist noch schlimmer geworden: Sie gehören immer häufiger undurchsichtigen Gesellschaften mit Sitz in Steuerparadiesen, bei denen unklar ist, welcher Spielervermittler oder Investmentfonds dahintersteckt."

"Einige Spieler sind schlicht und ergreifend nicht mehr Herr ihrer sportlichen Karriere und werden Jahr um Jahr weiterverkauft, um die Gier dieser Unbekannten nach dem Geld aus dem Fußball zu stillen. Wir werden in Europa für unsere eigenen Wettbewerbe eine Lösung finden. Das UEFA-Exekutivkomitee hat bereits einen Grundsatzentscheid dazu gefällt und wir werden diese Sache mit aller Konsequenz durchziehen."

Laut Michel Platini mag die UEFA zwar bald 60 Jahre alt werden, allerdings sei sie "so aktiv und umtriebig wie nie zuvor", so der UEFA-Präsident. "In ihren zahlreichen Projekten geht es vorrangig um zwei Dinge – zwei Prioritäten, die in der Tradition des Geistes stehen, in dem die UEFA gegründet wurde: Den Fußball auf unserem Kontinent weiterzuentwickeln und dafür zu sorgen, dass der Fußball seiner gesellschaftlichen Rolle vollauf gerecht werden kann." So ist das neue UEFA-Programm Frauen in der Fußballführung ein Beispiel für "Programme, die Chancengleichheit fördern". Und weiter: "Chancengleichheit ist ein Wert, der untrennbar mit dem Fußball verbunden ist." Respekt für Vielfalt, Unterstützung für ethnische Minderheiten und das Recht aller Fans, sich leidenschaftlich dem Fußball zu widmen, stellen Schlüsselkomponenten im sozialen Weitblick der UEFA dar.

"Wir sind dabei, diese Aufträge auf recht eindrucksvolle Weise zu erfüllen und das ist nur dank Ihnen, liebe Freunde aus den Nationalverbänden, möglich", so der UEFA-Präsident abschließend. "Die UEFA ist und bleibt ein Verband von Verbänden, deren Führungspersönlichkeiten Sie sind, und nur gemeinsam können wir den Fußball von morgen gestalten!"

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