Beharrlichkeit macht sich für Eunate Arraiza bezahlt

Eunate Arraiza ist ein wunderbares Beispiel für den positiven Umgang mit einer Behinderung. Die spanische Nationalspielerin von Athletic Bilbao hat gelernt, mit einer schweren Hörbehinderung zu leben, hat es geschafft, ihren Weg im Fußball zu finden und bereitet nun ihre Zukunft und die Erfüllung verschiedener Träume vor.

Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über eine Person aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Sport und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.

Als Eunate Arraiza ein kleines Mädchen war, wurde bei ihr eine schwere Hörbehinderung festgestellt. Dies hat sie jedoch keineswegs davon abgehalten, in ihrem bisherigen Leben einen erfüllenden Weg zu finden. Eunate, die im Dorf Biurrun im Nordosten Spaniens in einer Familie mit landwirtschaftlichem Betrieb aufgewachsen ist, lebt ihre grenzenlose Begeisterung für den Fußball – und als einzige hörbehinderte Profifußballerin des Landes hat sie ihrem Sport unzählige schöne Momente und Erfahrungen zu verdanken.

Eunate in Aktion für ihren Verein.
Eunate in Aktion für ihren Verein.©UEFA via Getty Images

Die heute 27-jährige Eunate Arraiza hat unermüdlich an ihrer beeindruckenden Spielerkarriere gearbeitet, die sie als linke Verteidigerin oder Mittelfeldspielerin zum Erstligisten Athletic Bilbao und in die spanische A-Nationalmannschaft geführt hat.

Sie ist ein ausgezeichnetes Vorbild für alle, die in ihrem Leben mit einem schwierigen Hindernis konfrontiert sind.

Spielvorbereitung.
Spielvorbereitung.©UEFA via Getty Images

Eunate erzählt, wie ihre Hörbehinderung zu Tage getreten ist. „Als ich etwa zwei Jahre alt war, bemerkten meine Eltern, dass etwas nicht stimmte, da ich nicht reagierte, wenn sie mich riefen. Die Ärzte bestätigten dann eine Hörbehinderung. Auf meinem linken Ohr, auf dem ich weniger Resthörigkeit hatte, höre ich heute gar nichts mehr“, erklärt Eunate. Bis sie acht Jahre alt war, hatte sie eine Hörhilfe für ihr linkes Ohr, bis diese durch ein Coachlear-Implantat, ein implantiertes Hörgerät, ersetzt wurde. „Ich hatte zwei Geräte. Das erste war ein kleiner Beutel mit einem Kabel und einem Magnet. Das Gerät, das ich heute habe, hat keinen Beutel, es ist ein Magnet mit einem Ohrpassstück.“

Eunate hat von klein auf die Regelschule besucht. Lehrer und Experten teilten ihren Eltern mit, dass es besser wäre, wenn sie eine Schule für hörbehinderte Kinder besuchen würde. Sie bestanden jedoch darauf, dass sie sich in einem Umfeld bewegt, das sie auch später antreffen würde.

Sie lernte sprechen – mithilfe von Sprachtherapie –, lesen und schreiben. „Es lief sehr gut in der Schule. Ich musste fleißig sein, dreimal mehr als die anderen.“ Sie saß stets in der vordersten Reihe vor den Lehrern mit Geräten, die ihr beim Verstehen und Lernen halfen.

Der Fußball war ihr stets ein treuer Begleiter: „Ich denke, dass die Fußballbegeisterung meines Vaters auf mich abgefärbt hat. Seit frühester Kindheit trug ich stets einem Ball mit mir herum, zu Hause und draußen im Dorf mit Freunden.“

Bei einem Dorffest bemerkte die Breitenfußballkoordinatorin des Vereins Lagunak in der Stadt Barañain die Fußballbegeisterung der achtjährigen Eunate und fragte sie, ob sie im Team spielen möchte. Ihr Debüt in der höchsten Spielklasse gab sie mit 14 Jahren und mit 20 wurde Athletic Bilbao auf ihr Talent aufmerksam und verpflichtete sie. Die anfängliche Beklommenheit nach diesem großen Schritt weg vom vertrauten Zuhause verflog rasch, denn sie entwickelte sich zu einem angesehenen und wertvollen Mitglied des Teams, das 2016 den nationalen Meistertitel gewinnen konnte. 

Athletic Bilbao hat mehrere spanische Meistertitel gewonnen.
Athletic Bilbao hat mehrere spanische Meistertitel gewonnen.©UEFA via Getty Images

Mit diesem Triumph qualifizierte sich Athletic Bilbao für die UEFA Women’s Champions League. „Es war wunderbar und einzigartig“, sagt Eunate. „Ich erinnere mich an das letzte Spiel, als ich nach dem Schlusspfiff einfach nur noch weinte. An all die Leute [bei Feiern in der Stadt] mit Schals, Flaggen und Hüten, die Fotos und Autogramme wollten. Wir fuhren mit der Trophäe in einem offenen Bus durch die Stadt. Es war unglaublich... Gänsehautstimmung.“

Der Auftritt in der Champions League war ein weiterer Traum, der wahr geworden ist. „Leider schieden wir bereits in der ersten Runde unglücklich aus, doch war es eine einzigartige Erfahrung – ich würde gerne noch einmal in diesem Wettbewerb spielen.“

Einsatz und harte Arbeit für ihr Team.
Einsatz und harte Arbeit für ihr Team.©UEFA via Getty Images

Auf diese nationalen Erfolge folgte 2017 die Selektion in die spanische A-Nationalelf. Und wieder fällt ihre Bescheidenheit auf, als sie über ihre Gefühle berichtet. „Ich hätte nie mit einem Aufgebot für die Nationalmannschaft gerechnet. Ich spielte mit meinem Team in Madrid – nach dem Spiel unterhielten sich der Nationaltrainer und mein Trainer unter anderem über mich. Sie sprachen darüber, ob ich für die Nationalmannschaft bereit wäre. Ich war begeistert, es war wie eine Belohnung für mich.“

Ihr Debüt gab sie als Einwechselspielerin bei einem 6:0-Sieg gegen Israel in Ramat Gan bei einem WM-Qualifikationsspiel. „Die Farben des Landes zu tragen und die Nationalhymne zu hören, erfüllt einen mit Stolz... man vertritt sein Land auf höchster Ebene und hat es so weit gebracht.“ Eunate Arraiza strebt weiter nach Höherem. „Mein lange gehegter Traum ist ein WM-Aufgebot [2019]“, sagt sie.

Außer bei starkem Regen oder Sturm trägt Eunate auf dem Spielfeld normalerweise immer ihr Hörgerät. „Wenn meine Mitspielerinnen oder mein Trainer mich beim Sprechen anschauen, verstehe ich sie problemlos. Wenn sie sich hinter mir befinden, nehme ich wahr, dass sie mit mir sprechen, verstehe jedoch nicht, was sie mir mitteilen wollen.“

Torjubel bei einem Einsatz für Athletic Bilbao.
Torjubel bei einem Einsatz für Athletic Bilbao.©UEFA via Getty Images

Ihr Hörgerät beschreibt Eunate als „einen zusätzlichen Teil meines Körpers, den ich nur beim Schlafen oder Duschen ablege. Ansonsten trage ich es den ganzen Tag. Beim Training ziehe ich mein Hörgerät an und binde mein Haar in einem Pferdeschwanz darüber zusammen. Dann kommen Trikot, Shorts, Socken, Schuhe und Schienbeinschützer. Normalerweise muss ich nur an das Hörgerät denken, beim Fußball kommt alles andere dazu. Bei Kopfbällen darf ich nicht vergessen, dass ich das Hörgerät trage. Ich muss vorsichtig sein, damit ich mich nicht verletze, falls das Gerät kaputt geht. Ich bin wie jede andere Spielerin, muss jedoch sicherstellen, dass mein Implantat nicht beschädigt wird. Die Schiedsrichterin, die Pfeife, den Ball, die Schiedsrichterassistentinnen, das Publikum usw. höre ich perfekt. Wenn man im Stadion spielt, hört man die Zuschauer, die Geräuschkulisse. Da man auf das Spiel konzentriert ist, hört man jedoch am Ende die Mitspielerinnen besser als die Zuschauer.“

Zum Glück ist sie in ihrer bisherigen Karriere nie Opfer von negativen Bemerkungen geworden. „Es hat noch nie jemand etwas über meine Behinderung gesagt“, erklärt Eunate. „Die Leute sprechen mir im Gegenteil viel Anerkennung dafür aus, dass ich es bis in die Nationalelf und die erste Mannschaft von Athletic Bilbao geschafft habe. Viele sagen, dass sie meine Beharrlichkeit bewundern. Ich bin dankbar dafür, dass ich eine Inspiration für andere sein kann.“

Auf die Aussage, dass sie ein Vorbild ist, antwortet Eunate ebenfalls mit ihrer großen Bescheidenheit. „Es kann gut sein, dass ich für viele Menschen ein Vorbild bin, was die Überwindung von Barrieren anbelangt, allerdings sage ich immer, dass ich ein ganz normaler Mensch bin. Ich bin sehr stolz, Vorbild und Inspiration für Menschen sein zu können, die es geschafft haben, Barrieren zu überwinden. Allerdings soll mir das nicht in den Kopf steigen. Ich habe eine Hörbehinderung, ansonsten führe ich ein normales Leben. Ich studiere, spiele Fußball und arbeite.“

Eunate studiert auch, um einen Abschluss in Sportförderung zu erlangen.
Eunate studiert auch, um einen Abschluss in Sportförderung zu erlangen.©UEFA via Getty Images

Was würde Eunate Menschen mit einer ähnlichen Behinderung raten? „Sie sollen sich nicht alleine fühlen und nie aufhören, an sich zu arbeiten. Wenn sie eine bestimmte Sportart betreiben, sollten sie Zeit dafür investieren.

Wenn man etwas gerne macht, sollte man alles dafür geben – und mit harter Arbeit, Entbehrungen und Anstrengungen kann man früher oder später die Früchte ernten.“

 

 

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