„Puma“ findet seinen Lebensweg dank Fußball

Aurio „Puma“ Castro ist in einem benachteiligten Viertel von Lissabon aufgewachsen, hat jedoch einen Weg zu einem respektablen Platz in der Gesellschaft gefunden, der inzwischen andere inspiriert hat. Der Fußball hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.

Aurio ‘Puma’ Emerson trainiert Kinder in einem armen portugiesischen Viertel im Straßenfußball. Er hofft dass Fußball diesen Kindern hilft positive Lebensentscheidungen zu treffen.

Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über eine Person aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Sport und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.

Aurio „Puma“ Castro hat seinen eigenen Weg im Leben gefunden. Nach einer schwierigen Kindheit in einem benachteiligten Viertel von Lissabon war er fest entschlossen, sein Leben in positive Bahnen zu lenken. Fußball, der Sport, der Puma von Kindesbeinen an begeistert hat, begleitete ihn auf diesem Weg und half ihm, einen festen Platz in der Gesellschaft zu finden.   

Mit drei Jahren kam Puma mit seiner Mutter aus Angola nach Portugal. In Jamaica, einem Viertel im Süden der Stadt, fanden sie ihr Zuhause. Tausende von Immigranten aus ehemaligen portugiesischen Kolonien, ließen sich in diesem Stadtteil nieder, der mit Problemen wie Gewalt, Drogen und extremer Armut zu kämpfen hat.

„Das Viertel war meine Wiege.“
„Das Viertel war meine Wiege.“©Getty Images

„Es ist ein gefährliches Viertel, eines der gefährlichsten im Süden der Stadt“, sagt der 28-jährige Puma. Dennoch nimmt Jamaica einen besonderen Platz in seinem Herzen ein: „Es ist mein Zuhause, meine Wiege und das wird es immer bleiben. Persönlich mag ich die Gegend sehr, und wenn ich mein ganzes Leben lang hier bleiben muss, werde ich das tun. Wir können das Viertel verlassen, aber das Viertel verlässt uns nicht.“

„Ich träumte immer nur von Fußball.“
„Ich träumte immer nur von Fußball.“©Getty Images

Seit seiner Kindheit ist Fußball ein überaus wichtiger Bestandteil seines Lebens. „Wir trafen uns alle im nahe gelegenen Park“, erinnert er sich. „Oft spielte ich den ganzen Tag Fußball und vergaß sogar, für das Mittagessen nach Hause zu gehen. Ich ruinierte meine Schuhe komplett, sogar ganz neue, da ich ständig Fußball spielte. Fußball war schon immer mein Traum“, so Puma weiter. „Es gab keinen anderen Weg für mich. Mein Traum begann auf dem Spielfeld von Jamaica – ich verpasste sogar die Schule, um mit meinen Freunden Fußball zu spielen. Ich kam immer sehr spät nach Hause, da ich Fußball gespielt hatte, und verärgerte damit meine Eltern. Mein ganzes Leben drehte sich um den Fußball.“

Der Fußball hinderte Puma daran, Dummheiten zu machen. Er hätte leicht auf die schiefe Bahn geraten können, doch er entschied sich für ein seriöses Leben, für Stabilität – im Gegensatz zu einigen seiner Freunde, die in turbulenteres Fahrwasser geraten sind. „Meine sieben besten Freunde aus der Kindheit sind alle im Gefängnis“, erzählt er. „Sie haben sich für einen ganz anderen Weg entschieden. Sie haben dieses Leben gewählt, meine Wahl war eine andere.“

Es gab eine Zeit, in der Puma davon träumte, Profifußballer zu werden. „Ich spielte in verschiedenen Vereinen. Ich durfte sogar ein Probetraining mit Benfica Lissabon absolvieren – leider konnte ich nicht bleiben.“ Daraufhin spielte er in der dritten Division, musste jedoch aufgrund von Problemen mit seinen Papieren aufhören. „Ich war traurig, dass ich nicht der Spieler werden konnte, der ich hätte sein können“, erklärt er.

Er kam jedoch über diese Enttäuschung hinweg und meldete sich für ein von der Sozialhilfeorganisation CAIS durchgeführtes Straßenfußballprogramm an, das vom Portugiesischen Fußballverband (FPF) unterstützt wird. Diese wunderbare Erfahrung hatte tiefgreifende Auswirkungen für ihn und seine Zukunft.

„Unser Team nahm an einem Regionalturnier teil und gewann dieses. Wir wurden dann zu einem nationalen Turnier eingeladen und ich war extrem motiviert, gut zu spielen und mein Talent zu zeigen. Nach unserer Halbfinalniederlage kam ein Mann zu mir und sagte: ,Du wirst in die Nationalmannschaft berufen.ʻ Ich weinte vor Freude.“

Im selben Jahr reiste er zur Obdachlosen-Weltmeisterschaft in Paris – als Kapitän des portugiesischen Teams. „Es war ein einmaliges Erlebnis“, sagt er über ein Turnier, dem es gelingt, benachteiligten Personen Perspektiven zu bieten. „Ich habe viel gelernt, es ist eine Erfahrung, die mich für den Rest meines Lebens begleiten wird.“ 
   
Eines Tages fand Puma innerhalb der Sozialhilfeorganisation Criar-T eine ideale Stelle. Er arbeitet dort mit Menschen mit unterschiedlichem ethnischem und kulturellem Hintergrund, bringt ihnen Fertigkeiten bei und führt Aktivitäten mit ihnen durch. Eine seiner Aufgaben besteht darin, im Rahmen des Projekts „A Volta a Rua“ (Zurück auf die Straße) ein Straßenfußballteam zu betreuen.

Unterwegs, um Fußball zu spielen und Freunde zu treffen.
Unterwegs, um Fußball zu spielen und Freunde zu treffen.©Getty Images

Er freut sich über die Gelegenheit, auf diese Weise etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu können. „Ich erinnere mich daran, dass Criar-T in meiner Kindheit in unserem Viertel sehr aktiv war – zum Glück haben sie mich immer unterstützt. Ich denke, dass mir dieselbe Arbeit, die ich heute mache, als Junge zugute kam. Nun habe ich die Möglichkeit, etwas zurückzugeben.“

Insbesondere da er bei einer WM gespielt hat, ist Puma ein Vorbild für die Jugendlichen, die er betreut. „Es kommt viel zurück“, betont er. „Und wenn zumindest ein Kind dank meiner Arbeit in seinem Leben auf die eine oder andere Art erfolgreich wird, dann wäre das das i-Tüpfelchen für mich.“

Puma betont, dass Fußball wichtige Fähigkeiten für das Leben vermitteln kann. „Der Fußball hat mir persönlich dadurch geholfen, dass ich andere Menschen kennengelernt habe. So konnte ich Freundschaften außerhalb meiner unmittelbaren Umgebung schließen.“

Puma ist sehr stolz auf seinen Sohn Leandro.
Puma ist sehr stolz auf seinen Sohn Leandro.©Getty Images

Sein achtjähriger Sohn Leandro ist sein Ein und Alles. „Er ist ein wunderbarer Junge“, so der stolze Vater. Leandro ist natürlich auch fußballbegeistert und hat seine eigenen Träume. „Ihm wurde das gleiche Talent in die Wiege gelegt wie mir – der Fußball und die Verbundenheit mit dieser Sportart“, so Puma weiter. „Mein Sohn ist eine Inspiration, ich sehe mich selber, wenn ich ihm beim Fußball spielen zusehe. Ich versuche, ihn zu motivieren – vielleicht schafft er ja das, was ich nicht geschafft habe.“ 

Puma ist dankbar für das, was er seit seinem schwierigen Start ins Leben erreicht hat, dafür, wie er als Person geschätzt wird und dass seine Erfahrungen positive Auswirkungen auf andere haben können. „Mein ganzes Leben lang haben sich mir Möglichkeiten aufgetan; und wenn ich einige davon nicht beim Schopf packen konnte, sind andere aufgetaucht. Ich bin immer wieder aufgestanden – man muss die Chancen ergreifen, die sich einem eröffnen und weitermachen. Ich bin überzeugt, dass meine Kindheitserfahrungen mir dabei helfen, andere zu inspirieren, ihnen von gewissen Dingen abzuraten und sagen zu können, dass ich auch schon in einer ähnlichen Situation war. Ich versuche, diese Kraft weiterzugeben.“

Puma (Zweiter von links) ist ein wichtiges Vorbild.
Puma (Zweiter von links) ist ein wichtiges Vorbild.©Getty Images

Puma ist zuversichtlich, dass andere junge Menschen in Jamaica seinem Vorbild folgen und mit ausreichender Unterstützung ihren Weg im Leben finden können. „Wenn für sie Aktivitäten organisiert werden, bin ich überzeugt, dass sie ein erfolgreiches Leben führen können. Stehen sie ohne Beschäftigung da, können sie in Schwierigkeiten geraten. Manchmal brauchen wir Hilfe, um unseren Weg im Leben zu finden.“

Er ermutigt seine Schützlinge, Diskriminierung und Rassismus gegen sie aufgrund ihrer Herkunft oder zum Beispiel ihres Aussehens oder ihrer Kleidung zu ignorieren. „Wir sind schwarz – na und“? sagt er. „Lasst uns weitermachen und den Leuten zeigen, dass wir unsere Ziele ungeachtet unserer Hautfarbe erreichen können.“ 

Menschen durch den Fußball inspirieren.
Menschen durch den Fußball inspirieren.©Getty Images

Als Junge aus einem benachteiligten Viertel ist er ein eindrückliches Beispiel, wie Fußball Dinge zum Guten wenden kann. „Fußball hat die Kraft, Gutes zu bewirken“, bekräftigt Puma mit Überzeugung. „Wenn wir Fußball spielen, vergessen wir unsere Sorgen. Wir konzentrieren uns auf das Spiel, wollen Tore schießen und Spaß haben.“ 

„Wenn Sie mich fragen, ob der Fußball Leben verändern kann, sage ich eindeutig ja! Natürlich kann er das.“

 

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