„Der Fußball verbindet drei Generationen unserer Familie“

Das Alter ist kein Hindernis für die 60-jährige Ramutė Kartavičienė aus Litauen, die ein Fußballteam für Großmütter gegründet hat und sehr stolz darauf ist, dass der Sport drei Generationen ihrer Familie verbindet.

Fehler beim Abspielen des Videos

message

Nächstes Video

Der Fußball verbindet drei Generationen von Ramutės Familie.
Der Fußball verbindet drei Generationen von Ramutės Familie.©Getty Images

Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über einen Breitenfußballer oder eine Breitenfußballerin aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Fußball und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit oder soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.

„Ein Fußball ist ein rundes Leder, das allerdings sehr viel kann.“ Dies sind einfache, und doch wirkungsvolle Worte von Ramutė Kartavičienė, einer 60-jährigen Großmutter aus Litauen, deren Familie durch den Fußball vereint ist.
„Der Fußball hat eine ganz besondere Kraft. In unserer Familie vereint er drei Generationen: Enkel, Kinder und Großmutter“, erklärt sie. „Wir kicken alle gerne und genießen diese Gemeinsamkeit.“

Ramutė ist von Natur aus eine Führungspersönlichkeit, die den Fußball, motiviert von ihren Enkeln, ins Herz geschlossen hat. Er nimmt in ihrem Familienleben einen großen Platz ein, was sie auch auf die Idee brachte, in der litauischen Stadt Keturvalakiai, rund 170 Kilometer von der Hauptstadt Vilnius entfernt, ein Fußballteam für Großmütter zu gründen.

Das Ganze war recht einfach. „Wir wollten Fußball spielen und das taten wir“, erklärt Ramutė. „Am Anfang war der Coach ziemlich überrascht und fragte, was wir Frauen hier zu suchen hätten.“ Doch Ramutė, die bis zu ihrer Pensionierung 29 Jahre lang als Polizistin gearbeitet hatte, ließ sich davon nicht abhalten.

Coach Martynas Karpavičius hat Ramutė beim Wiedereinstieg in den Fußball geholfen.
Coach Martynas Karpavičius hat Ramutė beim Wiedereinstieg in den Fußball geholfen.©Getty Images

Ein anderer Coach, Martynas Karpavičius, brachte Ramutė dann auf die Idee, ein eigenes Team für Großmütter zu gründen. „Es war nicht schwierig, ich habe das Team einfach gegründet“, erinnert sie sich und fügt hinzu, dass sie bald vier weitere Frauen in ihrem Dorf gefunden habe, die motiviert waren. „Wir spielten und mit der Zeit wurde unser Team immer größer."

Ramutė, die auf dem Spielfeld viel Leidenschaft an den Tag legt und stets bestrebt ist, ihre Fertigkeiten zu verbessern, ist zuversichtlich, dass mehr und mehr Großmütter dazukommen werden. Ihre Botschaft an Interessierte ist einfach: „Kommt und macht mit. Gründet eurer eigenes Team und wir treten gerne gegen euch an.“

Ihr Wunsch zu zeigen, wie Fußball eine Quelle für Gutes sein und positive Auswirkungen auf das Leben haben kann, entspricht der Überzeugung von UEFA-Präsident Aleksander Čeferin, dass Fußball Unterschiede überwindet und Jung und Alt träumen lässt.

„Unsere neue Kampagne #EqualGame ist ein hervorragendes Instrument zur Vermittlung unserer zentralen Werte wie Vielfalt und Inklusion und der Überzeugung, dass alle ihren Platz im Fußball haben, unabhängig davon, wer sie sind, was sie machen und woher sie kommen“, so Aleksander Čeferin. 
Wenn sie nicht selber auf dem Spielfeld stehen, sehen sich Ramutė und ihre Familie oft Fußballspiele an, bei denen es emotional oft hoch hergeht. „Wir sind begeisterte Zuschauer“, sagt sie. „Wenn jemand ein Tor schießt oder eine Chance verpasst, gehen wir aus uns raus.“

Fußball spielt eine wichtige Rolle in Ramutės Leben.
Fußball spielt eine wichtige Rolle in Ramutės Leben.©Getty Images

Ramutės Fußballbegeisterung reicht weit zurück. Schon als Kind fühlte sie sich diesem Sport verbunden und kickte später regelmäßig mit ihrer Tochter. Aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen konnte sie jedoch ihr ganzes Erwachsenenleben lang nicht so oft spielen, wie sie sich das gewünscht hätte.
„Nun finde ich dank meiner Enkel zurück zum Fußball“, räumt sie ein. Sie spielt gerne und regelmäßig mit ihren Enkeln und hält es für wichtig, ihnen ein gutes Vorbild zu sein, damit sie nach Lösungen suchen und nicht aufgeben, wenn sie im Leben vor Schwierigkeiten stehen.

„Eine starke Frau zu sein ist großartig“, so Ramutė. „Meine Tochter ist mir von klein auf gefolgt und lernte so, stark zu sein. Meine Enkel sind stolz auf mich und folgen mir ebenfalls.“ Obwohl Ramutė weiß, wie man eine Situation unter Kontrolle bekommt, spürt sie auch, wenn man einen Schritt zurücktreten muss.

„In unserer Familie sind alle Frauen starke Persönlichkeiten“, erklärt sie weiter. „Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung. Es kann schwierig sein, da wir unsere Ansichten mit Nachdruck vertreten, insbesondere meine Tochter, doch wir respektieren uns und unsere Meinungen gegenseitig und finden Kompromisse.“

Die ausgebildete Ingenieurin Ramutė hat fast drei Jahrzehnte lang für die Polizei gearbeitet.
Die ausgebildete Ingenieurin Ramutė hat fast drei Jahrzehnte lang für die Polizei gearbeitet.©Getty Images

„Der Frauenfußball hat beachtliches Potenzial und wir bemühen uns, seine Wahrnehmung zu verändern“, so Nadine Keßler, Leiterin Frauenfußball bei der UEFA. „Ob man bei der Endrunde einer UEFA-Frauen-Europameisterschaft oder in einem Park mit Freundinnen spielt, Fußball besitzt so viele positive Eigenschaften und ich freue mich wirklich sehr, dass Ramutė nicht nur auf ihre Enkel, sondern auch auf Frauen in ihrem Alter einen so wunderbaren Einfluss ausübt.“

Der Fußball hat auch dazu beigetragen, eine Leere aufzufüllen, die der Tod von Ramutės Ehemann hinterlassen hatte. Die ausgebildete Ingenieurin folgte ihrem Mann zur Polizei, wo sie fast drei Jahrzehnte lang arbeitete. „Als mein Mann starb, saß der Schock für die ganze Familie sehr tief“, erinnert sie sich. „Nach seinem Tod musste ich stark sein – das war natürlich hart.“

Dank der Hilfe ihres Umfelds und insbesondere ihrer Enkel hat Ramutė es geschafft, diesen schmerzlichen Verlust zu verkraften. „Natürlich muss man im Leben vorwärts schauen und der Fußball hat diese Leere ausgefüllt“, gesteht sie ein und betont, dass sie die Sportart nun noch mehr begeistert als früher. Sie genießt auch die Kameradschaft, die mit dem Sport verbunden ist: „Wenn wir uns treffen, [um zu spielen], ist von Anfang an ein Lächeln in unseren Gesichtern.“

Ramutė hat ihren Weg im Fußball gefunden und sie fordert Gleichaltrige dazu auf, es ihr gleichzutun. „Welches Ziel ihr euch auch immer setzt, vergesst nie, vorwärts zu blicken und dieses Ziel zu verfolgen“, sagt sie.

Oben