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UEFA-Präsident Čeferin: Zusammenhalt des Fußballs entscheidend in einer Zeit voller Herausforderungen

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin lobt die geeinte Front des europäischen Fußballs angesichts der vielfältigen Herausforderungen, Turbulenzen und Krisen der letzten zwei Jahre.

In seiner Ansprache vor den Delegierten der 55 UEFA-Mitgliedsverbände und anderen Interessenträgern des Fußballs hob Aleksander Čeferin beim 46. Ordentlichen UEFA-Kongress am Mittwoch in Wien die ermutigenden Erfolge hervor, die in dieser außergewöhnlichen Zeit unter schwierigen Umständen erzielt werden konnten.

Er verlieh seiner festen Überzeugung Ausdruck, dass der Fußball auch künftig zeigen werde, dass „eine andere Welt möglich ist, eine widerstandsfähige und hoffnungsvolle Welt, in der Macht, Profitdenken und Zynismus nicht über allem stehen“.

Der Fußball blieb standhaft

Der UEFA-Präsident verwies auf die Solidarität, die der Fußball im Umgang mit der Covid-19-Pandemie sowie mit der Gefahr einer Abspaltung der sogenannten European Super League gezeigt habe, die im vergangenen Jahr im Vorfeld des UEFA-Kongresses in Montreux entstanden sei.

„In den letzten beiden Jahren hatte ich das Privileg“, so Čeferin, „mit zahlreichen großen Frauen und Männern in Kontakt zu sein. Wir haben den Widrigkeiten getrotzt und gemeinsam ist es uns gelungen, geeignete Lösungen zu finden. Wenn wir zusammenstehen, sind wir unschlagbar und die Gesellschaft gewinnt als Ganzes.“

Der UEFA-Präsident beschrieb die gescheiterte Super League als einen „schamlosen Versuch einer Handvoll Oligarchen und Aristokraten des Fußballs, ein Abspaltungsprojekt auf den Weg zu bringen, das den Werten des europäischen Fußballs und der europäischen Gesellschaft vollkommen zuwiderlief“.

Der UEFA-Präsident in Wien.
Der UEFA-Präsident in Wien.

Große Erfolge und kreative Entscheidungen

Er erinnerte daran, wie die UEFA 2020 ihre Interessen beiseite gelegt und all ihre Wettbewerbe verschoben habe, damit die nationalen Wettbewerbe abgeschlossen werden konnten. Er betonte die Kreativität der UEFA, die ihren Spielkalender überarbeitet und ihre Formate in Rekordzeit angepasst habe, um Finalturniere mit acht Mannschaften in der Champions League und der Europa League durchzuführen.

Der Fußball gewinne, so unterstrich Aleksander Čeferin, „wenn die UEFA es wie im vergangenen Sommer schafft, trotz einer beispiellos komplexen sanitären Lage eine Männer-EM durchzuführen“; „wenn die UEFA ihre Investitionen in die Frauen-EM von einer Ausgabe zur nächsten verfünffacht“; „wenn die UEFA das Format der Women’s Champions League modernisiert und deren Rechte zentral vermarktet, und wenn Spiele dieses unglaublich vielversprechenden Wettbewerbs über 80 000 Menschen anlocken“.

Als weiteres Beispiel führte er an, dass die UEFA trotz Skepsis von allen Seiten einen neuen, bunten Wettbewerb wie die Europa Conference League ins Leben gerufen habe – einen Wettbewerb, der den Fußball hochleben lasse und Erinnerungen an die guten alten Europapokal-Zeiten der 1980er-Jahre wecke.

Solide Finanzen und großzügige Hilfsbereitschaft

Während der Covid-19-Pandemie sei die UEFA trotz der beispiellosen Wirtschaftskrise nicht nur all ihren Solidaritätszahlungen nachgekommen, sondern habe auch Vorauszahlungen geleistet, um die in Schwierigkeiten geratenen Nationalverbände und Klubs zu entlasten.

Die UEFA habe versprochen, ihre Solidaritätszahlungen zugunsten ihrer Mitgliedsverbände im kommenden Zyklus insbesondere im Rahmen des HatTrick-Programms zu erhöhen, und auch die Ausschüttungen an teilnehmende und nicht teilnehmende Vereine ihrer Wettbewerbe aufzustocken.

„Wenn die UEFA eine rigorose Finanzpolitik verfolgt, die es ihr ermöglicht, 97 % ihrer Einnahmen in den Fußball zu investieren, und folglich lediglich 3 % der Gesamteinnahmen auf Betriebskosten entfallen“, dann gewinne der Fußball.

Zuhören und die Interessen der Allgemeinheit verteidigen

Der UEFA-Präsident lobte die unermüdlichen Anstrengungen, um aus der EURO 2024 in Deutschland ein beispielloses, barrierefreies und nachhaltiges, menschenwürdiges und solidarisches Turnier zu machen, und zeigte sich dankbar für die engen Beziehungen zur Europäischen Klubvereinigung (ECA), aus denen „eine ausgewogene Vision des Klubfußballs für die nächsten zehn Jahre“ erwachsen sei.

Mit Blick auf das finanzielle Fairplay begrüßte Aleksander Čeferin die Unterstützung aller Akteure des europäischen Fußballs für eine umfassende Reform, „um den Fortbestand des Klubfußballs zu sichern, neue Investitionen anzuregen und für mehr Ausgeglichenheit zu sorgen“.

Auch der Tags zuvor erfolgten Bekanntgabe des endgültigen Formats und der Eintrittsliste für die UEFA-Klubwettbewerbe ab der Saison 2024/25 seien fruchtbare Konsultationen innerhalb der europäischen Fußballgemeinde vorausgegangen. „Wenn die UEFA auf die Mehrheit der Vereine, auf die Fans und Trainer hört, vergangene Fehler eingesteht und einen endgültigen Schlussstrich unter die Idee, die Qualifikation für europäische Wettbewerbe von Koeffizienten abhängig zu machen, zieht“, so der Präsident, „dann gewinnt der Fußball.

Als Dachverband hat die UEFA die Pflicht und die Verantwortung, die Interessen aller über die Interessen weniger zu stellen, und deshalb haben wir uns gemeinsam mit der ECA und den Vereinen dafür entschieden, unseren Prinzipien treu zu bleiben: Sportliche Verdienste zählen mehr als alles andere, und Ideale zählen mehr als Gewinne.“

Als Dank für ihre Loyalität, erklärte Čeferin weiter, habe die UEFA knapp 20 000 Freikarten für einige der diesjährigen Klubwettbewerbsendspiele an die Fans verschenkt und für das Champions-League-Finale der Männer 10 000 Karten zu einem vergünstigten Preis bereitgestellt.

Anschließend rief der UEFA-Präsident den Zuhörerinnen und Zuhörern ins Gedächtnis, dass dank der strikten medizinischen Protokolle der UEFA im EM-Gruppenspiel zwischen Dänemark und Finnland im letzten Juni das Leben des Dänen Christian Eriksen gerettet werden konnte: „Wenn die UEFA strikte medizinische Protokolle einführt, durch die ein junger Spieler, der auf dem Platz einen Herzstillstand erleidet, gerettet werden kann, dann gewinnt der Fußball, dann gewinnt das Leben.“

Aleksander Čeferin bei seiner Rede vor den Delegierten des UEFA-Kongresses in Wien.
Aleksander Čeferin bei seiner Rede vor den Delegierten des UEFA-Kongresses in Wien.

Im Einsatz für den Weltfußball

Aleksander Čeferin zeigte sich erfreut über die strategische Allianz der UEFA mit ihrer Schwesterkonföderation CONMEBOL, „um die über 50-jährige Freundschaft zwischen dem europäischen und dem südamerikanischen Fußball zu feiern“, und fügte hinzu: „Dies ist kein Bündnis gegen irgendjemanden. Es ist ein Bündnis zum Wohle des Fußballs.“

Die UEFA habe sich auch den anderen Konföderationen gegenüber solidarisch gezeigt, sei es im Rahmen ihres Assist-Programms, der UEFA Academy, der Stiftung für Kinder oder ganz einfach durch ihre Bereitschaft, ab 2026 eine anteilsmäßig geringere Anzahl WM-Startplätze zu akzeptieren und so eine ausgewogenere Vertretung der Kontinente zu ermöglichen.

Im Geiste der Geschlossenheit

Einmal mehr Bezug auf die vereitelten Super-League-Pläne nehmend würdigte Aleksander Čeferin die geschlossene Front von UEFA-Mitgliedsverbänden, Vereinen, Ligen, Spielerinnen und Spielern, Coaches, Fans, kommerziellen und TV-Partnern, IOK, EU-Behörden und europäischen Regierungen „gegen ein arrogantes und überhebliches Projekt einer Handvoll Milliardäre, die sich nicht damit abfinden wollen, dass man auf dem Platz – wie auch im Leben – gegen Kleinere verlieren kann“.

Und auch die von der UEFA angestoßene, offene Debatte über ihr Governance-Modell unter Beteiligung aller Interessenträger, insbesondere im Rahmen der im vergangenen September initiierten Konvention zur Zukunft des europäischen Fußballs, könne dem Fußball nur zugutekommen.

Probleme offen anerkennen

Der UEFA-Präsident betonte, dass trotz all dieser positiven Entwicklungen auch Platz für Selbstkritik sein müsse: „Es bleiben noch viele Probleme zu lösen, um unseren Sport zu einem noch größeren Vorbild und einer noch größeren Inspirationsquelle zu machen als heute.“

So sei Gewalt bei Fußballspielen nach wie vor ein großes Thema. „Wenn eine Familie ein Fußballspiel besucht, sollte dies einem Fest gleichen. In einem Stadion und auch in dessen Nähe sollte man sich in Sicherheit fühlen und niemals in Gefahr.“

Der UEFA-Präsident wies auch darauf hin, dass auf allen Ebenen mehr für die Förderung und Integration von Minderheiten im Fußball getan werden müsse. Zu sagen, dass es im Fußball keinen Rassismus und keine Diskriminierung gebe, sei eine Lüge: „Es kommt sehr wohl vor, wie in der gesamten Gesellschaft. Es liegt an uns, dieses Problem entschlossen anzugehen.“

„Wir müssen auch das körperliche und seelische Wohl der Spielerinnen und Spieler gewährleisten“, fuhr Čeferin fort. „Wir müssen verhindern, dass sie in den sozialen Netzwerken angegriffen werden, wir müssen sicherstellen, dass sie vor dem Hintergrund des auf ihnen lastenden Drucks psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können.“

Aleksander Čeferin unterstrich unmissverständlich die Notwendigkeit, allen im Fußball eine Chance zu geben, damit „die Kleinen weiter gegen die Großen antreten und manchmal eine Überraschung schaffen können. Das macht den Fußball aus.“

Hoffnung und Veränderung durch Fußball

Abschließend warnte der UEFA-Präsident, die Manager des Fußballs müssten aufpassen, dass sie den Ast nicht absägen, auf dem sie sitzen: „Wenn sie zu viel fordern, riskieren sie, den Sozialpakt zu zerstören, der unserem Sport zugrundeliegt.“

An die Exekutivkomiteemitglieder und die Delegierten der Nationalverbände gewandt, schloss er mit den Worten: „Wenn der Fußball zeigt, dass eine andere Welt möglich ist, eine widerstandsfähige und hoffnungsvolle Welt, in der Macht, Profitdenken und Zynismus nicht über allem stehen – dann gewinnt die Gesellschaft als Ganzes. Wenn der Fußball auf Führungskräfte wie Sie zählen kann, dann weiß ich, dass unser Sport in guten Händen ist.

Möge es uns weiter gemeinsam gelingen, noch lange dafür zu sorgen, dass der Fußball, unser Fußball, gewinnt.“