Fußball als Inspiration für Amputierte im Südsudan

Dank Rehabilitationszentren unter der Leitung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, dem langjährigen Partner der UEFA im humanitären Bereich, werden Kriegsamputierte im Südsudan durch den Fußball dabei unterstützt, sich ein neues Leben aufzubauen.

Das IKRK im Südsudan.
Das IKRK im Südsudan.

Im Alter von nur 23 Jahren hat Majur Machol dank einer Prothese glücklicherweise wieder Gehen gelernt, nachdem er im südsudanesischen Bürgerkrieg ein Bein verloren hatte. Das Angebot, im physischen Rehabilitationszentrum des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Rumbek an einem Fußballspiel mit anderen Amputierten teilzunehmen, stieß bei ihm aber zunächst auf gewisse Skepsis. „Ich hatte Angst, dass uns die Leute auslachen würden, wenn wir Fußball auf Krücken spielen“, sagt Majur. Psychologische Barrieren dieser Art sind typisch für Amputierte, wenn sie lernen, im Alltag mit ihrer plötzlichen Behinderung zu leben.

Entgegen seinen Erwartungen wurde Majur und seinen Teamkollegen große Unterstützung zuteil, als sie auf dem Schotterplatz in Rumbek ein Fußballspiel austrugen – diese Reaktion war auf ihrem weiteren Weg sicher ebenso wichtig wie das Lernen des Umgangs mit künstlichen Gliedmaßen. „Für uns war das etwas völlig Neues, doch die Unterstützung des Publikums war überwältigend“, so Majur.

Ein kürzlich ausgetragenes Turnier für Menschen mit Behinderung stieß auf großes lokales Interesse.
Ein kürzlich ausgetragenes Turnier für Menschen mit Behinderung stieß auf großes lokales Interesse.©ICRC

Weniger Stigmatisierung, mehr Möglichkeiten

Das IKRK hat schon seit langem erkannt, dass der Fußball Betroffenen von Konflikten und humanitären Katastrophen dabei helfen kann, ihre Traumata zu überwinden. In Rumbek, wo das IKRK drei Rehabilitationszentren zur Unterstützung von insgesamt 9 000 Menschen betreibt, können Amputierte über den Sport Selbstvertrauen zurückgewinnen und in die Gesellschaft zurückfinden.

„Ein Bein zu verlieren ist wie ein halber Tod, doch das IKRK hat mir ein künstliches Bein gegeben. Dadurch bin ich wieder ein Teil der Gesellschaft und fühle mich weniger bloßgestellt“, erzählt der 47-jährige Makur Madol, der kürzlich selber an einem IKRK-Fußballturnier in Rumbek teilgenommen hat und heute im Zentrum andere Amputierte unterstützt. „Sie haben mich drei Monate als Mechaniker ausgebildet. Jetzt arbeite ich für andere behinderte Menschen und bin so in der Lage, Essen auf den Tisch zu bringen, Arztrechnungen zu bezahlen und meine Kinder großzuziehen.“
 

Dank dem Fußball können sich Menschen mit Behinderung gesellschaftlich integrieren.
Dank dem Fußball können sich Menschen mit Behinderung gesellschaftlich integrieren.©ICRC

Unterstützung der UEFA für das Rehabilitationszentrum in Rumbek

Seit über 20 Jahren unterstützt die UEFA Programme des IKRK auf der ganzen Welt und hat bis heute über EUR 3,5 Mio. zugunsten benachteiligter Menschen gespendet. Mit einem Teil der jährlichen Spende an das IKRK in Höhe von EUR 100 000 wird der europäische Fußball-Dachverband künftig auch humanitäre Aktivitäten des IKRK im Südsudan unterstützen, darunter das Rehabilitationszentrum in Rumbek, das Menschen mit Behinderung ein besseres Leben ermöglicht.

Die finanzielle Unterstützung der UEFA wird in die Herstellung von Prothesen fließen und somit für Mitarbeitende des Zentrums, die oft selber amputiert sind, ein Einkommen bedeuten. Darüber hinaus werden Initiativen zur gesellschaftlichen Wiedereingliederung von Betroffenen von Kriegen unterstützt. Ferner kann das Zentrum dank des UEFA-Beitrags Lebensmittel beschaffen, die im Südsudan teuer und oft knapp sind, und Menschen mit Behinderung Ausbildungen mit Blick auf die Entwicklung von Geschäftsideen und die Suche nach einer Arbeitsstelle bieten.

Das IKRK setzt sich auf der ganzen Welt für Menschen in Not ein.
Das IKRK setzt sich auf der ganzen Welt für Menschen in Not ein.©ICRC

Ein besseres Leben

„Menschen mit Behinderung ein besseres Leben zu ermöglichen, insbesondere den von Konflikten und anderen Situationen von Gewalt Betroffenen hier im Südsudan, ist eine erfüllende Tätigkeit“, sagt Fidelis Musyoka, der im Südsudan für das IKRK arbeitet. „Amputierte, die durch eine Kugel ein Bein verloren haben, erhalten nicht nur eine Gehhilfe, sondern werden auch durch mikroökonomische Initiativen unterstützt, sei es durch finanzielle Zuschüsse oder eine Beratung zum Aufbau einkommenschaffender Aktivitäten. Aktive Rollstuhlfahrende melden sich in Rumbek und Juba für unsere Basketballteams an, und wir freuen uns, mit dem Amputiertenfußball ein weiteres Angebot schaffen zu können. All diese Aktivitäten vermitteln ein Gefühl der gesellschaftlichen Integration.“

Das Leben der Menschen im Südsudan bleibt schwierig, doch die wertvolle Arbeit des IKRK zeigt, dass Schwierigkeiten überwunden werden können. Es ist ein weiteres Beispiel für die unvergleichliche Fähigkeit des Sports, den Menschen einen Sinn im Leben, Zugehörigkeit und Stolz zu vermitteln.

Erfahren Sie mehr über die wichtige Arbeit des IKRK im Rahmen der COVID-19-Pandemie