Englische Fußballlegende Jack Charlton verstorben

Der langjährige Leeds-Verteidiger Jack Charlton, der 1966 mit England Weltmeister wurde und als Nationaltrainer der Republik Irland erfolgreich war, ist im Alter von 85 Jahren verstorben.

Jack Charlton im WM-Finale 1966 gegen Deutschland.
Jack Charlton im WM-Finale 1966 gegen Deutschland. Getty Images

Der ältere Bruder des ebenso legendären Bobby Charlton ist mit 773 Partien (96 Tore) Rekordspieler von Leeds United, dessen Farben er 23 Jahre lang trug. Für England lief er von 1965 bis 1970 insgesamt 35 Mal auf, erzielte dabei sechs Tore und avancierte zu einem der besten Innenverteidiger der damaligen Zeit.

Bei Leeds prägte er die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte mit, und am englischen Triumph bei der Heim-WM 1966 hatte er maßgeblichen Anteil. Nach seiner aktiven Laufbahn betreute „Big Jack“ von 1986 bis 1995 die Nationalmannschaft der Republik Irland, mit der er einige besondere Erfolge feiern konnte.

Weltmeister mit England

Der unverwüstliche Innenverteidiger aus Northumberland, bei Eckbällen und Freistößen im gegnerischen Strafraum eine gefürchtete Präsenz, wurde im Alter von 29 Jahren in die englische Nationalelf berufen und entwickelte sich zu einem Schlüsselspieler des Teams, das 1966 unter Sir Alf Ramsay den WM-Titel errang; bei der Endrunde im eigenen Land stand Jack Charlton in jeder Partie auf dem Platz. 1967 brachten ihm seine Leistungen den Titel für Englands Fußballer des Jahres ein.

Greg Clarke, Präsident des Englischen Fußballverbands, würdigte Charlton mit folgenden Worten: „Ich bin tief betrübt über die Nachricht von Jacks Tod. Er war eine wahre Legende des englischen Fußballs und wird uns für seinen bedeutenden Beitrag zum WM-Titel 1966 ebenso wie für seine herzliche und rücksichtsvolle Art immer in Erinnerung bleiben. Ich bin sicher, dass heute sämtliche Fußballfans und viele andere Menschen um Jack trauern. Er hat im ganzen englischen Fußball einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wurde überall geschätzt. Dank seiner enormen Präsenz auf und neben dem Spielfeld wird Jack in Wembley nie in Vergessenheit geraten.“

Legendenstatus bei Leeds

Charlton stieß 1950 im Alter von 15 Jahren zu Leeds United. 1953 feierte er sein Debüt in der ersten Mannschaft und war ein Schlüsselspieler des Vereins, der in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren zu den besten Englands gehörte. Zweimal schaffte er mit Leeds den Aufstieg in die erste Spielklasse, und mit dem zweiten Aufstieg 1964 unter dem gewieften Trainer Don Reavie begann die beeindruckende Erfolgsgeschichte des Teams von der Elland Road.

1968 gewann Charlton mit dem Klub aus West Yorkshire den englischen Ligapokal, 1969 die englische Meisterschaft, 1972 den FA Cup sowie 1968 und 1971 den Messestädte-Pokal. Mit seinen 96 Treffern liegt er in der ewigen Torschützenliste von Leeds United auf dem neunten Platz.

 Der irische Nationaltrainer Jack Charlton winkt bei der WM 1994 den Fans zu.
Der irische Nationaltrainer Jack Charlton winkt bei der WM 1994 den Fans zu.Bob Thomas Sports Photography

Erfolgreiche Trainerkarriere

Nach dem Ende seiner Spielerkarriere 1973 schlug Jack Charlton eine Laufbahn als Trainer ein und betreute Middlesbrough, Sheffield Wednesday, Newcastle United und die irische Nationalmannschaft. Seine größten Erfolge feierte er in seiner langen Amtszeit als Nationalcoach der Republik Irland, die er zu den WM-Endrunden 1990 (Viertelfinalteilnahme) und 1994 sowie zur EM-Endrunde 1988 führte; dadurch beförderte er Irland auf die Fußballlandkarte, was ihm Heldenstatus im Land einbrachte.

„Jack Charlton war der Trainer, der Irland dank Selbstbewusstsein und Leidenschaft auf der Weltbühne etabliert und eine Nation zum Träumen gebracht hat“, schrieb der Irische Fußballverband (FAI) auf seiner Website.

„Wir werden nie vergessen, was er für unseren Fußball und unser Land geleistet hat“, erklärte FAI-Präsident Gerry McAnaney. „Er hat unseren Sport verwandelt. Er hat nicht nur unsere Art, Fußball zu spielen, verändert, sondern auch die hiesige Wahrnehmung des irischen Fußballs. Er hat eine Mannschaft geformt, auf die ganz Irland stolz sein konnte, und dafür haben wir ihn in unser Herz geschlossen.“