Ein Gigant des Fußballs

In der Amtszeit von Lennart Johansson als UEFA-Präsident (1990 bis 2007) durchliefen sowohl die Wettbewerbe als auch die Administration des Fußballs in Europa tiefgreifende Veränderungen.

Lennart Johansson, der als Vater der UEFA Champions League gilt.
Lennart Johansson, der als Vater der UEFA Champions League gilt. ©UEFA.com

Eine Liebe für den Fußball
Der am 5. November 1929 im Stockholmer Vorort Bromma geborene Johansson entwickelte früh eine Leidenschaft für den Fußball, die er sich ein Leben lang erhielt. Es war diese tiefe Liebe, die den Schweden, der von 2007 bis zu seinem Tod UEFA-Ehrenpräsident war, bei seinen Entscheidungen und Reaktionen auf Entwicklungen, die das Angesicht der Sportart veränderten, leitete.
 
Wie alles begann
Der Sohn eines Tischlers entdeckte früh seine Begeisterung für den Fußball. Erstmalig kam er 1937 mit dem Sport in Kontakt, als er anlässlich der Einweihung des Stockholmer Råsundastadions die Partie der schwedischen Nationalelf gegen England verfolgte. „Ich ging mit meinen beiden Brüdern hin, die 20 Jahre älter waren als ich“, erzählte Johansson später. „Ich erinnere mich, dass ich mich mehr dafür interessierte, wo ich eine Wurst und ein Eis bekommen konnte, und mehr nach den Zuschauern schaute als auf das Spiel.“

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Große Liebe AIK
In der Jugend war er Innenverteidiger – wenn auch, nach seinen eigenen Worten, „kein besonders guter“. „Ich wuchs im Krieg auf, da gab es nichts außer Fußball – wir spielten jeden Tag Fußball.“  Von Kindesbeinen an war er Anhänger von AIK Solna, dessen Präsident er später wurde. „Es gab für mich nur diesen einen Verein“, bekannte er einmal.

In der Fußballadministration
Nachdem er bei AIK Solna erste Erfahrungen im administrativen Bereich gesammelt hatte, bekleidete Johansson verschiedene Positionen im Schwedischen Fußballverband (SvFF), dessen Präsident er von 1984 bis 1991 war. Er erarbeitete sich einen Ruf als starke, fähige Führungspersönlichkeit, die nicht vor schwierigen Entscheidungen zurückschreckte. Seine Fähigkeiten wurden dann auch auf europäischer Ebene bekannt, als er zunehmend in der UEFA auf sich aufmerksam machte. Im April 1990 empfing er die höchsten Weihen und wurde beim UEFA-Kongress in Malta als Nachfolger von Jacques Georges zum fünften Präsidenten der Europäischen Fußballunion gewählt.

Der Mann an der Spitze
Nach seiner Wahl begleitete Johansson den umfassenden Wandel der UEFA von einer kleinen Verwaltungseinheit hin zu einem modernen und dynamischen Sportverband. In seiner Amtszeit veränderte sich die europäische Klubfußballlandschaft mit der Einführung der UEFA Champions League maßgeblich, und auch die Fußball-Europameisterschaft gewann an Profil, als das Teilnehmerfeld der Endrunde mit der Ausgabe von 1996 in England auf 16 Mannschften ausgeweitet wurde.

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Schritt halten
Hinzu kam der politische Wandel, durch den die UEFA schon bald über 50 Mitgliedsverbände zählte. Der Fußball wurde immer mehr zu einem kommerziellen und finanziellen Geschäft – doch die UEFA unter Lennart Johansson hielt Schritt, und suchte sich gleichzeitig eine neue Wirkungsstätte: Von der Bundesstadt Bern zog der Verband ins westschweizerische Nyon am Ufer des Genfersees.

Erstaunt ob der eigenen Karriere
„UEFA-Präsident zu sein, das ist schon etwas“, fand Johansson. „Ich hätte mir nicht einmal vorstellen können, Präsident von AIK Solna zu werden. Wenn ich daran denke, was ich alles erreicht habe, erstaunt mich das immer noch.“ 1998 kandidierte Johansson für das Amt des FIFA-Präsidenten, unterlag jedoch dem damaligen FIFA-Generalsekretär Joseph S. Blatter.

Ein gewisser Stolz
Als ranghöchster Botschafter des europäischen Fußballs empfand Lennart Johansson nach eigenen Aussagen stets einen gewissen Stolz, wenn er an die Menschen – Könige und Königinnen, Präsidenten und Premierminister, religiöse Führer – dachte, denen er begegnete, und an die Ehrungen und Auszeichnungen, die er erhielt. „Daran werde ich mich nie gewöhnen“, verriet er. „Ich bin – in aller Bescheidenheit – nach wie vor froh über das große Wohlwollen, das mir entgegenschlug.“ 

Ein bleibender Eindruck
Lennart Johansson blieb dem Fußball auch in seinen späten Jahren stets verbunden. „Wenn ich fünf Jungs auf einer Wiese kicken sehe, halte ich an und schaue ihnen zu.  Das Spiel bleibt unberechenbar. Glück und Leid liegen manchmal ganz nahe beisammen. Deshalb ist der Fußball so besonders und ich bin stolz darauf, einen Beitrag zu seinem Erfolg in Europa geleistet zu haben.“

Zum Wohle des Fußballs
Die Haltung des Schweden im Hinblick auf den Fußball war simpel: „Am Ende eines jeden Tages, wenn ich den Kopf aufs Kissen lege“, so sagte er einmal, „dann weiß ich: Unabhängig davon, welche Entscheidungen ich getroffen habe und inwieweit die Menschen damit einverstanden waren – ich habe immer zum Wohle des Fußballs gehandelt, wie ich es verstehe.“ Einen wie Lennart Johansson wird es im Fußball nicht mehr geben.

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