Der europäische Fußball trauert um Pierre Delaunay

Der frühere UEFA-Generalsekretär und Generalsekretär des Französischen Fußballverbands (FFF), Pierre Delaunay, ist im Alter von 99 Jahren verstorben.

Der frühere UEFA-Generalsekretär Pierre Delaunay auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2005.
Der frühere UEFA-Generalsekretär Pierre Delaunay auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2005. ©Flash Press
Pierre Delaunay, UEFA-Generalsekretär von 1956 bis 1959.
Pierre Delaunay, UEFA-Generalsekretär von 1956 bis 1959.©UEFA.com

Der Franzose Pierre Delaunay, seinerzeit zweiter Generalsekretär der UEFA, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

Pierre Delaunay diente dem europäischen Fußball-Dachverband in den Jahren 1956 bis 1959 als Generalsekretär. Er folgte auf seinen Vater Henri Delaunay, der das Amt seit der Gründung der UEFA am 15. Juni 1954 innegehabt hatte und am 9. November 1955 verstorben war.

Der am 9. Oktober 1919 geborene, vormalige Sekretär der französischen Profiliga galt als idealer Kandidat für die Nachfolge seines Vaters. Nachdem er das Amt zunächst ad interim übernommen hatte, wurde er beim UEFA-Kongress 1956 in Lissabon offiziell zum Generalsekretär ernannt..

Pierre Delaunay (links) bei einer UEFA-Sitzung 1959.
Pierre Delaunay (links) bei einer UEFA-Sitzung 1959.©UEFA archives

Gleichzeitig folgte er seinem Vater als Generalsekretär des Französischen Fußballverbands (FFF) nach. Da die UEFA noch nicht über einen eigenen Verbandssitz verfügte, verrichtete er beide Ämter vom selben Büro in Paris aus und teilte sich seine Zeit zwischen den beiden Organisationen auf. Er diente unter dem ersten UEFA-Präsidenten Ebbe Schwartz (Dänemark), der die Europäische Fußballunion seit ihrer Geburtsstunde 1954 leitete.

Als die UEFA 1960 ihren Sitz von Paris nach Bern verlegte, beschloss Pierre Delaunay, in Frankreich zu bleiben. Sein Nachfolger als UEFA-Generalsekretär wurde der Schweizer Hans Bangerter. Delaunay war indes weiter für den französischen Verband tätig und bis 1962 Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. Nach Ablauf seiner Amtszeit blieb er dem Dachverband noch bis 1969 als Mitglied der Organisationskommission für die Fußball-Europameisterschaft treu.

Unter ihm als Generalsekretär machte die UEFA gewaltige Fortschritte in ihrer Rolle als Dachverband des europäischen Fußballs. Nachdem der Pokal der europäischen Meistervereine, in dem sich die Gewinner der nationalen Meisterschaften miteinander maßen, bereits im April 1955 ins Leben gerufen worden war, wurde 1958 ein neuer europäischer Wettbewerb für A-Nationalmannschaften auf den Weg gebracht, der zunächst Europapokal der Nationen hieß und später in UEFA-Fußball-Europameisterschaft umbenannt werden sollte. Pierre Delaunay war ein entschiedener Verfechter der Vision seines Vaters, der sich von Beginn an für einen europäischen Nationalmannschaftswettbewerb stark gemacht hatte, und trug maßgeblich zur Verwirklichung dieser Idee bei.

Nachdem er sich auch aus der FFF zurückgezogen hatte, eröffnete Pierre Delaunay einen Antiquitätenladen in Versailles und erklärte sich einverstanden, ein Gedenkbuch zum 100-jährigen Bestehen des Französischen Fußballverbands zu schreiben.

Er blieb seinem Sport zeitlebens eng verbunden und war Mitglied des Freundeskreises der Ehemaligen der UEFA, dem frühere Kommissionsmitglieder der Europäischen Fußballunion angehören.

Der Franzose setzte sich für Einigkeit und Solidarität innerhalb der Fußballgemeinde ein. Nach seinem Rücktritt als UEFA-Generalsekretär schrieb er in der Januar-Ausgabe des offiziellen UEFA-Bulletins 1960: „Wenn man um die außerordentliche Begeisterung der Massen für den Fußball weiß, um die Kraft, mit der er in alle Bevölkerungsschichten eindringt, um seinen moralischen Einfluss auf die Jugend, dann muss uns allen, die wir am Aufbau Europas mitarbeiten, unsere Verantwortung bewusst werden. Wir müssen uns daher allen Spaltungstendenzen widersetzen, persönliche Erwägungen dem allgemeinen Interesse nachstellen, uns weiterhin bemühen, zu einem gegenseitigen Verständnis zu gelangen, einen lebhaften Meinungsaustausch pflegen...“

Der aktuelle UEFA-Generalsekretär, Theodore Theodoridis, sagte anlässlich des Todes seines Vorgängers: „Pierre Delaunays Glaube an Einigkeit und an die Macht des Fußballs ist bis heute in der Organisation, der er diente, spürbar. Er war eine der führenden Kräfte bei der Einführung der heutigen UEFA-Fußball-Europameisterschaft, die aus der Vision seines Vaters entstand. Da fügt es sich gut, dass zum 60-jährigen Jubiläum des Wettbewerbs im kommenden Jahr die Einheit Europas in nie dagewesener Form gefeiert werden wird. Diese EURO wird eine wunderbare Hommage an alles sein, wofür er stand. Der Fußball ist die Sportart Nummer 1 auf der Welt und Pierre Delaunay und seinesgleichen haben uns beigebracht, dass man versuchen sollte, sich seine Popularität zugunsten der Allgemeinheit zunutze zu machen.“

Die UEFA und die gesamte europäische Fußballgemeinde sprechen der Familie Pierre Delaunays ihr tiefstes Mitgefühl aus.

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