Deutschlands Sturm-Karussell

Auf dem Papier hat Deutschland herausragende Alternativen im Offensivbereich. Wie denkt Joachim Löw darüber? Qual der Wahl oder fehlt die echte Wunschlösung?

Löw hat die Wahl zwischen ganz unterschiedlichen Spielertypen
Löw hat die Wahl zwischen ganz unterschiedlichen Spielertypen ©Getty Images

Bei den letzten zwei großen Turnieren verzichtete Joachim Löw im Sturm auf Experimente. Zum Zirkel der Auserwählten gehörten Thomas Müller, Mario Götze, Mario Götze und Miroslav Klose.

Manchmal durften sich Ergänzungsspieler ein paar Minuten einbringen (André Schürrle, Julian Draxler), andere konnten aufgrund von Verletzung nicht um einen Stammplatz kämpfen (Marco Reus).

Seit Beginn der Qualifikation zur FIFA-WM hat sich im Angriff einiges getan. Mindestens 16 Spieler dürfen sich Hoffnungen machen, die Mission Titelverteidigung von vorne anzuführen. Der spannende Konkurrenzkampf ist von Joachim Löw genau so gewollt, er hat ihn sogar letzten Herbst als Marschroute ausgerufen.

Im Mai 2018 wird er einige Spieler enttäuschen müssen, wenn die FIFA den endgültigen Kader für die WM in Russland einfordert. Bis dahin wird an den Stammtischen der Republik und auf Social Media bücherfüllend debattiert: Hat Löw die Qual der Wahl oder fehlt die echte Wunschlösung?

Ihm dürfte die Zukunft gehören: Timo Werner
Ihm dürfte die Zukunft gehören: Timo Werner©AFP/Getty Images

Qual der Wahl

  • Aufgrund ihrer Einsatzzeiten im letzten Jahr befinden sich rund 16 Spieler im Kandidatenkreis für die Positionen Flügel- und Mittelstürmer.
  • Mario Götze, Mario Gomez und Thomas Müller haben ihren Löw-Bonus, sich bei Turnieren als teamtauglich erwiesen zu haben, seit dem Confederations Cup nicht mehr exklusiv
  • Timo Werner und Sandro Wagner sind in der Bundesliga als effektive Neuner etabliert
  • Ein Bereich des Kaders bietet ein besonders hohes Überangebot: agile und dribbelstarke Flügelstürmer sind so zahlreich vorhanden, dass Löw irgendwann richtig aussortieren muss
Müller, Özil, Reus: Erste Wahl im offensiven Mittelfeld bei der WM 2018?
Müller, Özil, Reus: Erste Wahl im offensiven Mittelfeld bei der WM 2018?©Getty Images

Wunschlösung fehlt

  • Es gab Zeiten, da durften sich in Qualifikation und Vorbereitung viele unterschiedliche Spieler auf der Neun präsentieren, beim Turnier war dann aber Miroslav Klose gesetzt. Seit dem Rücktritt des WM-Rekordtorschützen gibt es keine 1a-Besetzung mehr
  • Marco Reus hat die letzten zwei Turniere verletzungsbedingt verpasst und befindet sich aktuell mal wieder im Aufbautraining. Ein Reus in Topform würde auf Linksaußen gesetzt sein - bleibt dem Dortmunder im Jahr 2018 endlich mal das Pech erspart?
  • Geht es in die entscheidenden Spiele gegen qualitativ starke Abwehrreihen mit guten Konterfähigkeiten, wird Löw wohl lieber das Mittelfeldzentrum stärken und dafür einen Angreifer opfern
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Subjektives Fazit:

Der Bundestrainer will sich die Entscheidung schwer machen und weicht von dem Weg vieler anderer Nationen ab, die sich entweder den Luxus einer Rotation nicht leisten können, oder auf die Nachhaltigkeit eines eingespielten Sturms setzen.

Mittelfristig ist es eine echte Herausforderung, den Spielern gleichzeitig Mut zu machen und sie für Leistung mit Spielzeit zu belohnen. Bewältigt Löw diesen selbst gespannten Drahtseilakt, könnte die Vielfalt in der Offensive eine echte Trumpfkarte werden.

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