DFB-Team: Auftakt zum Test-Marathon

Mit dem Duell gegen England beginnt für Bundestrainer Joachim Löw eine Phase, in der er ausgiebig testen kann. Bis inklusive Confed Cup im Sommer könnte man ganz neue Strategien ausarbeiten.

Joachim Löw hat jetzt Zeit für Experimente
Joachim Löw hat jetzt Zeit für Experimente ©Getty Images

Das Ziel für die FIFA-WM 2018 ist klar ausformuliert und extrem ambitioniert. Weil bei der Mission Titelverteidigung nichts dem Zufall überlassen wird, dürfte Joachim Löw in den kommenden Monaten verschiedene Systeme und Personalien auf Herz und Nieren prüfen. 

Mit dem Duell gegen England beginnt ein wahrer Test-Marathon. Bis zum Sommer gibt es noch ein Freundschaftsspiel gegen Dänemark, außerdem warten zwei European-Qualifiers-Spiele gegen Aserbaidschan und San Marino. Zwei Gegner also, in denen der Weltmeister wohl eher nicht seine beste Elf aufbieten muss, um die makellose Bilanz fortzuführen.

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Vielleicht mal wieder mit Dreierkette?

Eine Dreierkette unter Löw wäre nicht komplett neu. Schon gegen Italien im Viertelfinal-Drama bei der UEFA EURO 2016 setzte man diese in einem wichtigen Spiel ein. Der Plan ging auf, Deutschland lieferte eine gute Partie ab und hätte bei besserer Chancenverwertung auch auf das nervenaufreibende Elfmeterschießen verzichten können.

Die potenzielle Besetzung der Dreierkette - Mats Hummels, Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes - würde höchsten Ansprüchen genügen. Da Boateng für die kommenden zwei Spiele nicht im Kader steht, könnte Löw auch Niklas Süle und Antonio Rüdiger in diesem System testen.

Fragt sich nur, ob dieses System auch noch einen Tick offensiver interpretiert werden kann. Vielleicht in einem ganz mutigen 3-4-3? Vorne würden sich dafür eine ganze Reihe an Spielern bewerben, etwa die pfeilschnellen Julian Brandt und Leroy Sané als Lieferanten für Mario Gomez.

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Bewährungsprobe für Timo Werner

Apropos Mittelstürmer. Die "Mario-Frage" stellt sich in den Testspielen nicht, da Mario Götze aufgrund seiner Krankheit ja bis zum Sommer ausfällt. Dafür ist erstmals Timo Werner mit dabei. Löw schwärmte zuletzt von der Variabilität des Leipzigers, aber sieht er ihn wirklich als Option für die Flügel? Dort gibt es ein Überangebot, Werner wird sich wohl eher im Sturmzentrum präsentieren dürfen.

In den letzten Jahren gab sich der Bundestrainer hinsichtlich solcher Experimente im Sturm eher konservativ. Nun aber scheint die Zeit reif, um sich neue Varianten anzueignen. 

Beim Confed Cup im Sommer könnte sich die Tür für Sandro Wagner öffnen. Löw hat bereits angekündigt, für Regenerationszwecke freiwillig auf mehrere bewährte Kräfte zu verzichten und Werner wird wohl mit der U21 zur EM nach Polen fahren. Wenn Löw mit Wagner experimentiert, könnte er eigentlich auch gleich Lars Stindl mit dazunehmen und ganz neue Wege gehen.

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 Detailarbeit im Prunkstück

Das zentrale Mittelfeld ist die große Konstante. Sami Khedira und Toni Kroos sind im besten Alter und werden mindestens bis 2018 die Schlüsselfiguren in nahezu allen denkbaren Systemen bleiben.

Es wäre İlkay Gündoğan zu wünschen, dass er mal über längere Zeit verletzungsfrei bleibt und seine unbestrittene Klasse auch für Deutschland unter Beweis stellen kann. Vorerst hat aber wohl nur Julian Weigl eine realistische Möglichkeit, sich als Alternative für die Sechs in Position zu bringen.

Der Dortmunder könnte diese Rolle alleine bekleiden, wenn Löw - etwa mit Kroos und Mesut Özil - zwei Spieler noch weiter nach vorne zieht. Der Bundestrainer wird nichts unversucht lassen, um sein Team bis zur WM in Russland maximal variantenreich und unberechenbar einzustellen. 

Der verletzte İlkay Gündoğan wird im Kreis der Nationalmannschaft schmerzlich vermisst
Der verletzte İlkay Gündoğan wird im Kreis der Nationalmannschaft schmerzlich vermisst©Getty Images

 

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