Vicente del Bosque nicht mehr Trainer von Spanien

Vicente del Bosque hat seinen Rücktritt als spanischer Nationaltrainer erklärt. In den acht Jahren seiner Amtszeit als Trainer wurde Spanien Welt- und Europameister.

Spaniens Trainer Vicente del Bosque verabschiedet sich
Spaniens Trainer Vicente del Bosque verabschiedet sich ©Getty Images

Vicente del Bosque beendet nach acht Jahren seine ruhmreiche Karriere als spanischer Nationaltrainer.

"Ich werde meine Aufgaben bis zum Vertragsende am 31. Juli  noch erfüllen. Danach werde ich mich zurückziehen. Diese Entscheidung ist unumkehrbar", sagte der 65-Jährige wenige Tage nach dem Achtelfinal-Aus des Titelverteidigers bei der UEFA EURO 2016 gegen Italien.

Del Bosque hat von seinem Vorgänger Luis Aragonés, der Spanien nach 44 Jahren mit dem Gewinn der UEFA EURO 2008 endlich wieder zu einem großen internationalen Titel führte, ein brillantes Team übernommen. Diese Mannschaft entwickelte er weiter und führte sie zu noch größerem Erfolg.

Del Bosque veränderte das Team aber auch, indem er Sergio Busquets neben Xabi Alonso ins defensive Mittelfeld stellte. Schon bei seinem ersten großen Turnier 2010 holte der ehemalige Spieler und Trainer von Real Madrid den Titel des FIFA-Weltmeisters. Es war der allererste überhaupt für Spanien.

Der Schachzug mit Busquets wurde nach der Auftaktniederlage der Spanier in Südafrika gegen die Schweiz bereits in Frage gestellt. Doch Del Bosques Entscheidung erwies sich im Nachhinein als richtig. Auf dem Weg zum Titelgewinn in Johannesburg kassierte seine Mannschaft in den folgenden sechs Spielen kein einziges Gegentor mehr.

Zwei Jahre später führte Del Bosque die Spanier zur erfolgreichen Titelverteidigung bei der EURO. Beim 4:0-Sieg im Finale gegen Italien waren seine Spieler nahe an der Perfektion. Spanien war die erste Mannschaft, die drei große Turniere in Folge gewinnen konnte. Erst als zweiter Trainer nach Helmut Schön wurde Del Bosque Welt- und Europameister.

Wie schon in Südafrika erntete er auch während EURO vor vier Jahren harte Medienkritik. Damals  verstand man nicht, dass er einen traditionellen Stürmer für die "falsche Neun" Cesc Fàbregas opferte. Mit dem Schlusspfiff ging auch in diesem Fall eine große Genugtuung einher. Italiens Trainer Cesare Prandelli zog seinen Hut vor diesen Spaniern: "Sie spielen zwar nicht mit einem etatmäßigen Stürmer, aber sie können dich dennoch vor riesige Problem stellen."

Immer noch erfolgreich: Del Bosque während des Endspiels 2012
Immer noch erfolgreich: Del Bosque während des Endspiels 2012©Getty Images

Del Bosques sportliches Vermächtnis
Der unerschütterliche Glaube an den Angriffs- und Ballbesitzfußball seiner Mannschaften wird auch in Zukunft mit dem Namen Del Bosque verbunden bleiben. Daran ändern auch die Enttäuschungen der WM 2014 und der EM 2016 nichts. "Vicente ist ein Mann des Fußballs. Er fordert das Passspiel und möchte den Ball singen hören", erinner sich Xabi Alonso.

Von 114 Spielen unter seiner Leitung gewann Spanien 87. Dazu kamen zehn Unentschieden und 17 Niederlagen. 70 Spielern ermöglichte er das Debüt in der Nationalmannschaft, darunter David de Gea, Gerard Piqué, Jordi Alba, Sergio Busquets und Álvaro Morata: Viele von ihnen können noch einige Jahre für Spanien spielen.

Del Bosque hat nun entschieden, dass seine Zeit als Trainer zu Ende geht. Er verlässt die Nationalmannschaft als erfolgreichster spanischer Coach. Zu seinen größten Verdiesten zählt aber, dass man ihn genauso für seinen höflichen Charakter und seine Menschlichkeit in Erinnerung  behalten wird wie für den wunderbaren und erfolgreichen Fußball, den er spielen ließ.

Del Bosque mit dem EM-Pokal auf dem Flug zurück nach Spanien
Del Bosque mit dem EM-Pokal auf dem Flug zurück nach Spanien©Getty Images
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