Eine kurze Geschichte der Elfmeterschießen bei EUROs

Von einem einzigartigen Elfmeter, der nach dem Schützen benannt wurde, bis zu einem 9:8 - EURO2016.com nimmt Sie auf eine dramatische Zeitreise durch die Welt der ultimativen Entscheidungsfindung.

Gary Linekers hat es mal auf eine berühmte Formel gebracht: Fußball ist ein einfaches Spiel, an dem 22 Männer teilnehmen und das am Ende von Deutschland gewonnen wird. Aus englischer Sicht mag das stimmen, aber gerade im Elfmeterschießen haben die DFB-Teams nicht immer obsiegt.

Wir schauen in die EURO-Geschichte zurück und beginnen mit einer Niederlage der Deutschen und dem vielleicht berühmtesten Elfmeterschießen aller Zeiten.

EURO-Elfmeterschießen 
1976, Finale: Tschechoslowakei - Deutschland 2:2, Tschechen gewinnen 5:3 i.E.
1980, Spiel um Platz drei: Tschechoslowakei - Italien 1:1, Tschechen gewinnen 9:8 i.E.
1984, Halbfinale: Dänemark - Spanien 1:1, Spanien gewinnt 5:4 i.E.
1992, Halbfinale: Niederlande - Dänemark 2:2, Dänen gewinnen 5:4 i.E.
1996, Viertelfinale: Spanien - England 0:0, England gewinnt 4:2 i.E.
1996, Viertelfinale: Frankreich - Niederlande 0:0, Frankreich gewinnt 5:4 i.E.
1996, Halbfinale: Deutschland - England 1:1, Deutschland gewinnt 6:5 i.E.
1996, Halbfinale: Frankreich - Tschechische Republik 0:0, Tschechen gewinnen 6:5 i.E.
2000, Halbfinale: Italien - Niederlande 0:0, Italien gewinnt 3:1 i.E.
2004, Viertelfinale: Portugal - England 2:2, Portugal gewinnt 6:5 i.E.
2004, Viertelfinale: Schweden - Niederlande 0:0, Niederlande gewinnen 5:4 i.E.
2008, Viertelfinale: Kroatien - Türkei 1:1, Türkei gewinnt 3:1 i.E.
2008, Viertelfinale: Spanien - Italien 0:0, Spanien gewinnt 4:2 i.E.
2012, Viertelfinale: England - Italien 0:0, Italien gewinnt 4:2 i.E.
2012, Halbfinale: Portugal - Spanien 0:0, Spanien gewinn 4:2 i.E.

Der Druck, der auf Antonín Panenka lastete, schien gewaltig. Er war nur einen Treffer davon entfernt, die Tschechoslowakei zum Titel bei der UEFA-Europameisterschaft 1976 zu schießen. Der Gegner war kein geringerer als der amtierende Weltmeister Deutschland. Weil Uli Hoeneß seinen Versuch in den Belgrader Nachthimmel schoss, lagen die Tschechen mit 4:3 vorne und Panenka trat mit dem Wissen an, das Spiel hier und jetzt entscheiden zu können.

Eine gespannte Stille legte sich über Belgrad, als sich der 27-Jährige den Ball zurechtlegte und ungefähr 15 Meter zurückging. Er stoppte, kehrte um, näherte sich mit kleinen Schritten seinem Ziel und schien mit dem rechten Fuß ins rechte untere Eck des Tores zu zielen. Sepp Maier sah dies wohl auch so und war bereits auf dem Weg in diese Ecke, doch Panenka lupfte den Elfmeter einfach nur frech an und so landete das Leder mit geringem Tempo in der Tormitte. Ein bemerkenswertes Ende des ersten Elfmeterschießens bei einem großen Turnier. Viele gab es danach, auch bei FIFA-Weltmeisterschaften, aber dieses Ereignis wurde seitdem nicht getoppt.

Für die Tschechen war es ein gutes Omen. Nur vier Jahre später schlugen sie Italien mit 9:8 im Spiel um Platz drei, als Fulvio Collovati den entscheidenden Elfer verschoss. Als man bei der EURO '96 unter der Flagge der Tschechischen Republik auflief, machten sie im Halbfinale ihren "Hattrick" mit einem 6:5-Halbfinaltriumph gegen Frankreich perfekt.

Der tschechische Rekord mit drei von drei gewonnenen Elfmeterschießen und 20 Treffern ohne Fehlschuss ist unerreicht. Deutschland war seit 1976 fünf Mal in ein Elfmeterschießen verwickelt, davon nur einmal bei einer UEFA-Europameisterschaft, als man bei der EURO '96 im Halbfinale auf England traf. Sie kennen, wie auch England, Spanien, Frankreich, Dänemark, die Niederlande und Italien sowohl die Gewinner- als auch die Verliererseite bei einem Elfmeterschießen.

England und die Niederlande liegen gleichauf in Sachen Erfolglosigkeit in dieser Disziplin. Im Viertelfinale der UEFA EURO 2012 gab es für die Three Lions die dritte Niederlage im vierten Versuch im Elfmeterschießen. Italiens Andrea Pirlo versuchte es nervenstark ebenfalls wie Panenka. Elfmeterschießen, so Azzurri-Trainer Cesare Prandelli, ist eine "Lotterie" – und dennoch haben einige Spieler und Mannschaften ein glückliches Händchen dabei, sich für die richtige Zahl zu entscheiden.

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