Deutschland kommt erst spät in Fahrt

Die Blamage, die sich in Estland nach Rot für Emre Can und einer torlosen ersten Hälfte angedeutet hatte, wurde es nicht. Dennoch ist das DFB-Team noch nicht in EURO-Form.

TALLINN, ESTONIA - OCTOBER 13: Ilkay Gündogan of Germany celebrates scoring his team's second goal during the UEFA Euro 2020 qualifier between Estonia and Germany on October 13, 2019 in Tallinn, Estonia. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
Bongarts/Getty Images

Das Spiel in Kürze…

Die deutsche Nationalmannschaft hat die drittletzte Hürde auf dem Weg zur EM-Endrunde genommen. Glanzvoll war es aber nicht, was die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw beim 3:0 in Tallin gegen Estland zeigte.

Serge Gnabry musste kurzfristig wegen muskulärer Probleme passen. Beim Anstoß aber ahnte noch niemand, wie sehr der zuletzt stark aufspielende Stürmer des FC Bayern fehlen würde. Die deutsche Nationalmannschaft kam schwer in die Partie, und nach dem frühen Platzverweis für Emre Can wegen einer Notbremse (14.) hatte sie es noch schwerer.

Die Esten trauten sich nun auch etwas mehr zu und kamen durch Karol Mets (18.) und einen abgefälschten Schuss von Kapitän Konstantin Vassiljev (30.) zu zwei guten Chancen. Auf der anderen Seite sorgten lediglich ein Fernschuss von Luca Waldschmidt (25.) und ein Freistoß von Marco Reus ans Lattenkreuz (40.) für Gefahr.

Nach der Pause spielte das DFB-Team dann mit mehr Tempo – und belohnte sich nach nur wenigen Minuten. İlkay Gündoğan traf mit einem von Reus leicht abgefälschten Schuss (52.) zur Führung, die viele Knoten löste. Nur kurze Zeit später erzwang Gündoğan auch das 2:0, als sein Schuss von Mets abgefälscht wurde. Der eingewechselte Timo Werner machte dann etwa 20 Minuten vor Schluss mit einer cleveren Einzelleistung den Deckel drauf.

Spieler des Spiels: İlkay Gündoğan

Der Mittelfeldstar von Manchester City erzielte nicht nur die wichtige Führung, er erzwang auch das 2:0 kurze Zeit später. Er hatte die meisten Ballaktionen, sein Wert von 180 Ballkontakten ist einmalig. So hat er das Zeug, auch bei der EM-Endrunde eine Führungsfigur im deutschen Spiel zu werden.

Stimmen zum Spiel...

Bundestrainer Joachim Löw
Zunächst mal bin ich froh, dass wir es geschafft haben. Es war ein schweres Stück Arbeit, weil wir nach nur etwas mehr als zehn Minuten dezimiert waren. Danach mussten wir uns erst mal ein bisschen fangen. Aber in der zweiten Halbzeit hat es die Mannschaft dann auch gut gemacht. Wir haben zu Null gespielt, wir haben drei Tore erzielt und haben jetzt drei Punkte.

Timo Werner
Wir wussten schon vorher, dass es schwer wird, weil sich auch die Holländer hier schwer getan haben. Mit der Roten Karte wurde es dann noch mal eine Stufe schwerer. Am Ende ist es ein verdienter Sieg. Wir haben über weite Strecken vor allem in der zweiten Halbzeit gut gespielt, auch Torchancen herausgespielt und hinten nichts mehr anbrennen lassen. Im Großen und Ganzen ist es okay.

Manuel Neuer
Wir spielen über 70 Minuten in Unterzahl. Da wird es natürlich schwierig mit dem Anlaufen. Deshalb fand ich das jetzt nicht so blamabel. Es war dann eine Frage der Zeit, weil sie trotzdem mehr laufen mussten. Dementsprechend haben wir sie über die Fitness bekommen, weil wir den Ball gut haben laufen lassen. Wir hatten ein gutes Positionsspiel.

Statistiken zum Spiel...

180: So viele Ballkontakte hatte İlkay Gündoğan während des Spiels, so viele hatte noch kein deutscher Nationalspieler seit Beginn der detaillierten Datenerfassung.

5:5: Das war das überraschende Torschuss-Verhältnis zwischen Estland und Deutschland nach der ersten Halbzeit.

21: In jedem der letzten 21 Länderspiele stand Joshua Kimmich in der Startelf. Damit ist er auch statistisch gesehen die Zuverlässigkeit in Person.

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