Wie Norwegen zurück ins Geschäft kam

Durch zwei Siege im September hat Norwegen auf einmal wieder Chancen auf die direkte Qualifikation zur Endrunde. UEFA.coms Eivind Aarre erklärt, wie das zustande kam.

Jo Inge Berget im Spiel gegen Kroatien
©AFP/Getty Images

Nach dem 0:0 in der Gruppe H im Juni zuhause gegen Aserbaidschan hätte es keinen gewundert, wenn die norwegischen Fans nicht mehr an die direkte Qualifikation zur UEFA EURO 2016 geglaubt hätten.

Doch ein 1:0 in Bulgarien und vor allem der 2:0-Heimsieg gegen Kroatien, gegen das man zuvor in Zagreb mit 1:5 verloren hatte, sorgten dafür, dass Norwegen bereits jetzt zumindest den Play-off-Platz sicher hat. In den letzten Spielen geht es gegen Malta und Italien – der Weg nach Frankreich ist machbar für die Mannschaft von Per-Mathias Høgmo.

Alexander Tettey, Mittelfeldspieler von Norwich City, machte die Vorbereitungen des Trainers für die beiden Siege im September verantwortlich. "Er hat hart mit uns gearbeitet und uns sehr deutlich klargemacht, wie wichtig diese Spiele waren", sagte der 29-Jährige. "Er hat uns gesagt, dass es Zeit für uns sei, auf dem Feld wie Männer und nicht wie Jungs aufzutreten. Er wollte, dass wir professioneller spielen, so dass wir unsere Stärken ausspielen konnten."

Zwei Spiele zu Null sind ein Hinweis darauf, wo Norwegens Stärken liegen könnten, doch Tettey macht sich keine Illusionen über die Fähigkeiten seiner Mannschaft: "Das waren zwei gute Siege, aber wir sind nicht Weltmeister. Davon sind wir weit entfernt. Doch die Siege zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Die Basis für Norwegens Mini-Comeback bildet das Innenverteidiger-Duo Vegard Forren und Even Hovland, sie erlauben Norwegens Offensivspielern, sich auf ihren Job zu konzentrieren. Malmös Stürmer Jo Inge Berget konnte sich bei beiden Treffern gegen Kroatien in Szene setzen, beim ersten Tor versetzte er mit einer Körpertäuschung die halbe kroatische Abwehr.

"Wenn Jo Inge in Form ist, kann er solche Sachen machen", sagte Høgmo, der 2013 als norwegischer Nationaltrainer auf Egil Olsen folgte. "Aber die Mannschaft befindet sich noch immer in der Entwicklung, als Trainer ist es schön zu sehen, wenn sich Spieler so weiterentwickeln wie Berget. Aber das, was Spieler wie Even Hovland, Stefan Johansen oder Per Ciljan Skjelbred beigetragen haben, sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden."

Norwegen war seit der UEFA EURO 2000 nicht mehr bei einem großen Turnier vertreten, damals konnte man noch auf Spieler wie Henning Berg, Tore André Flo und Ole Gunnar Solskjær zurückgreifen, die sich europaweit einen Namen gemacht hatten. Im jetzigen Kader sucht man solche Namen vergebens. Zwar hat Høgmos Mannschaft nicht immer überzeugt, doch die Nation fängt damit an, sich in diese bissige Elf zu verlieben.

"Nach dem Kroatien-Spiel kann Norwegen offen darüber reden, sich für die EURO-Endrunde zu qualifizieren", schrieb Knut Espen Svegaarden, Kolumnist der Zeitung VG. "Høgmo ist das gelungen, indem er auf ein direkteres Spiel nach vorne gesetzt hat, was besser zu dieser norwegischen Mannschaft passt. Norwegen hat bei diesen beiden Siegen gut gespielt, die richtige Taktik gewählt und die Spieler haben Leidenschaft gezeigt. Oh, wie gut es sich anfühlt, wieder mit dabei zu sein."

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