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Löws erzwungenes Bastelspiel

Veröffentlicht: Dienstag, 13. November 2012, 19.09MEZ
Vor dem Testspiel gegen die Niederlande am Mittwoch in Amsterdam steht der Bundestrainer aufgrund zahlreicher Absagen vor einer wahren Bastelei - das kann aber auch durchaus interessant werden.
Löws erzwungenes Bastelspiel
"Wen stelle ich nur auf?" - diese Frage könnte Löw durch den Kopf gehen ©AFP/Getty Images

Veröffentlicht: Dienstag, 13. November 2012, 19.09MEZ

Löws erzwungenes Bastelspiel

Vor dem Testspiel gegen die Niederlande am Mittwoch in Amsterdam steht der Bundestrainer aufgrund zahlreicher Absagen vor einer wahren Bastelei - das kann aber auch durchaus interessant werden.

Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Toni Kroos, Jérôme Boateng, Miroslav Klose, Marcel Schmelzer, Sami Khedira, Holger Badstuber, Mario Gomez - was sich fast wie der Auszug aus einer möglichen Startelf für die deutsche Nationalmannschaft beim Testspiel am Mittwoch in Amsterdam gegen die Niederlande liest, ist in Wahrheit die Ausfallliste, mit der Joachim Löw und sein Trainerstab nun konfrontiert sind.

"Die Verletzungshäufigkeit steigt traditionell zum Ende des Jahres an. Diese Situation hatten wir auch schon immer. Ich habe da absolutes Vertrauen in unsere medizinische Abteilung, wenn sie sagen, dass unsere Spieler verletzt sind", so Löw, der der Meinung ist, dass das dritte Spiel gegen die Niederlande innerhalb von nur zwölf Monaten trotzdem bedeutend ist: "Für mich hat jedes Länderspiel einen hohen Stellenwert, auch wenn jetzt einige Spieler abgesagt haben. Dadurch können andere Spieler neue Erfahrungen sammeln. Sie können sich gerade in so einem Prestige-Duell bewähren."

Vor fast genau einem Jahr fegte die DFB-Elf in einer beeindruckenden Vorstellung Oranje mit 3:0 aus der Hamburger Arena, bei der UEFA EURO 2012 siegte man im Sommer in der Gruppenphase verdient mit 2:1 gegen den Europameister von 1988, der nach der Vorrunde bereits nach Hause musste. Trotzdem ist der Respekt vor dem Fußball aus dem Nachbarland natürlich ungebrochen. "Holland gehört spielerisch mit uns und den Spaniern und dem ein oder anderen Südamerikaner zu den besten Mannschaften der Welt" , meint der Bundestrainer.

Und in der Tat ist es so, dass ein Gegner dieses Kalibers einem viel eher zeigen wird, welche der Ergänzungsspieler Richtung FIFA-WM 2014 vielleicht zu einem ernsthaften Kandidaten werden könnten. Besonders auffällig ist, dass es Deutschland an Stürmern mangelt. Zumindest scheint das Löw so zu sehen, denn außer Klose und Gomez wird seit geraumer Zeit kein nomineller Stürmer mehr berufen und auch nun, da die beiden ausfallen, wird nicht etwa Stefan Kießling nominiert, der in schöner Regelmäßigkeit für Bayer 04 Leverkusen trifft. Sein Spielstil scheint nicht in die Philosophie des DFB-Trainerteams zu passen. Stattdessen wird wohl Marco Reus oder Lukas Podolski im Sturmzentrum auflaufen.

Eine Abwehrreihe mit Philipp Lahm, Benedikt Höwedes, Mats Hummels und Per Mertesacker dürfte internationalen Ansprüchen immer noch genügen und im Mittelfeld besteht trotz der namhaften Ausfälle erst recht kein Mangel, denn der vielseitige Mittelfeldspieler ist geradezu der Protoyp des Spielers, den der Deutsche Fußball-Bund in den letzten Jahren durch verstärkte Talentförderung herausgebracht hat.

Dafür sorgt die Nominierung von René Adler, der vor seiner Verletzung vor der WM 2010 vor Manuel Neuer die Nummer eins war, zumindest für eine kleine Torwartdiskussion, die der Neu-Hamburger selbst aber gleich im Keim erstickt. "Wenn ich jetzt sage, der Kampf um die Nummer eins sei neu eröffnet, dann werdet ihr mich alle auslachen. Was wir derzeit am wenigsten brauchen, ist es, nun auch noch eine Baustelle im Tor auszumachen", so Adler.

Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist aus dem früher oft aufgeheizten Duell eine entspanntere Angelegenheit geworden, bei dem es aber immer noch um viel Prestige geht. "Das Spiel gegen Deutschland ist für uns wahrscheinlich wichtiger als die WM-Qualifikationsspiele. Deutschland ist ein Gegner von Weltformat - das sind Estland oder Ungarn nicht. Wir müssen das Beste daraus machen", erklärte Arjen Robben, um dann ein wenig tief zu stapeln: "Aber Deutschland steht im Moment noch ein, zwei Stufen über uns, ist im Aufbau weiter als wir. Aber auch wir haben eine gute Elf."

Der Niederländer in Diensten des FC Bayern München räumte aber auch ein, dass bei den Deutschen "viele Spieler fehlen", was aber nichts daran ändere, dass es sich für Oranje um einen wichtigen Test handele: "Wir wollen sehen, wie weit wir im Moment sind. Wir sind in einer Phase, in der es am wichtigsten ist, dass wir uns entwickeln - mit ganz neuen Spielern und einem ganz neuen Stab. Das ist für uns sehr wichtig." Und so dürfte den Zuschauern am Mittwochabend trotz der zahlreichen Absagen ein unterhaltsames und offensives Fußballspiel blühen.

Letzte Aktualisierung: 13.11.12 19.14MEZ

http://de.uefa.com/worldcup/news/newsid=1892586.html#lows+erzwungenes+bastelspiel

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