Manuela Zinsberger: Rakete zwischen den Pfosten

Österreichs Torhüterin Manuela Zinsberger hat sich bei der UEFA Women´s EURO als großer Rückhalt ihrer Elf entpuppt, aber auch neben dem Platz sorgt sie für Furore.

ÖFB-Torhüterin Manuela Zinsberger parierte den Elfmeter von Silvia Meseguer
ÖFB-Torhüterin Manuela Zinsberger parierte den Elfmeter von Silvia Meseguer ©AFP/Getty Images

Manuela Zinsberger fuhr sich durch die Haare, warf den österreichischen Fans im Willem-II-Stadion von Tilburg Kusshände zu und wischte sich die Freudentränen aus den Augen. Der historische Moment hatte die 21-Jährige vollends erfasst. "Ich konnte es einfach nicht zurückhalten, es war unglaublich", so Zinsberger, die sonst als Spaßvogel im ÖFB-Team eher für Lacher als Tränen sorgt.

Im Elfmeterschießen des EM-Viertelfinales gegen Spanien war sie kurz zuvor zur Heldin geworden, als sie beim Versuch der Spanierin Silvia Meseguer in die linke untere Ecke tauchte und den Ball parierte. "Ich habe mir einfach eine Ecke ausgesucht und bin dann aus Überzeugung dahin gesprungen." Alle anderen Spielerinnen trafen, Sarah Puntigam verwandelte den entscheidenden Elfmeter und der EM-Neuling Österreich stand plötzlich sensationell im Halbfinale.

Zuvor hatte sich der Außenseiter mit den kombinationsstarken Spanierinnen einen 120-minütigen Abnutzungskampf geliefert. "Wir waren froh, dass es nach 120 Minuten vorbei war, 140 Minuten wäre sicherlich hart geworden, wir sind an unsere körperlichen Grenzen gegangen", so Zinsberger, die ganz locker ins Elferschießen ging. "Ich habe einfach Vertrauen in mein Team. Was hätte also schon schiefgehen sollen?"

Nach ihrem Hechtsprung und dem parierten Elfmeter fragte ein Journalist, ob man sie jetzt Panther nennen dürfte, doch einen neuen Spitznamen hat die im Freundeskreis "Manu" oder "Zinsi" genannte Torhüterin des FC Bayern München schon seit dem Frankreich-Spiel weg. "Lisa Makas nennt mich jetzt immer 'Rocket', in Anspielung auf ein Video, das die UEFA nach dem Frankreich-Spiel gepostet hat mit einer Rakete auf meinem Rücken." Dort hatte Zinsberger einen Schuss der Französin Amandine Henry reaktionsschnell an die Latte gelenkt und somit einen Rückstand verhindert.

Zinsberger, ihre Teamkolleginnen und der gesamte Betreuerstab werden derzeit wie auf einer Welle durchs Turnier getragen. Der sportliche Erfolg, gepaart mit einem lockeren, authentischen und sympathischen Auftreten, haben Österreich schon jetzt zum Lieblingsteam der gesamten EM gemacht. Und die Social-Media-Videos mit den ÖFB-Frauen sind wahre Renner im Netz. So wurde die Crossbar Challenge mit dem gesamten Team und Zinsberger als Moderatorin inzwischen mehr als 1,2 Millionen Mal geklickt.

Die Bodenhaftung haben die ÖFB-Spielerinnen trotz aller Euphorie nicht verloren. "Finale kommt nach Halbfinale", meinte Zinsberger nach dem Spiel trocken auf die Frage, ob sie sich gedanklich schon mit einem möglichen Endspiel beschäftige. Und auch von dem Hype in Österreich und dem gestiegenen Medieninteresse lassen sich die Spielerinnen nicht allzu sehr beeinflussen. "Wir wissen um unsere Rolle und es zeichnet uns aus, dass wir nicht abheben."

Und so käme auch niemand auf die Idee, das Halbfinale gegen Dänemark würde zum Selbstläufer, auch wenn die ÖFB-Frauen den Gegner kurz vor der EM in einem Testspiel in Wiener Neustadt mit 4:2 besiegten und Dänemarks Trainer Nils Nielsen konstatierte, man hätte sich an diesem Tag auch leicht zehn Gegentreffer einfangen können. Zinsberger meint: "Wir haben zwar gegen Dänemark kürzlich gewonnen. Aber wir sind jetzt bei einer Europameisterschaft, das ist kein Freundschaftsspiel mehr."

Doch verstecken muss sich ihr Team gegen die Däninnen nicht, die im Viertelfinale überraschend Seriensieger Deutschland aus dem Turnier warfen. Denn Österreich dürfte sich im Halbfinale in der Rolle als Außenseiter wieder pudelwohl fühlen und auch wieder mehr Ballbesitz haben als im Spiel gegen Spanien. Mit den Erfolgen und der gestiegenen Medienpräsenz soll der Frauenfußball in Österreich die nächste Entwicklungsstufe zünden.

"Wir hoffen natürlich, dass wir einige Mädchen mit unseren Erfolgen motivieren können, mit dem Fußball zu beginnen. Es ist wichtig, dass wir Präsenz in den Medien haben, denn die Mädchen schauen Fernsehen und sind in den Sozialen Medien aktiv." Und sollte es mit einem Einzug ins Finale am Sonntag in Enschede klappen, wird es bestimmt weitere lustige Videos mit Zinsberger und ihren Teamkolleginnen geben.