ÖFB-Team mit Rückenwind ins Rampenlicht

Mit einem 1:0-Sieg gegen die Schweiz hat Österreich zum Auftakt der UEFA Women's EURO einen historischen Erfolg verbucht. Der ist alles andere als ein Zufallsprodukt.

Österreich nach dem Auftaktsieg gegen die Schweiz
Österreich nach dem Auftaktsieg gegen die Schweiz ©Getty Images

Am Tag nach dem historischen 1:0-Sieg Österreichs gegen die Schweiz waren unter Frauenfußball-Fans einige Instagram-Videos der ÖFB-Spielerinnen heiß begehrte Fundstücke in den Sozialen Medien. Mit ausgelassenem Gesang feierten die Schützlinge von Trainer Dominik Thalhammer auf dem Heimweg vom Stadion ins Teamhotel im zur rollenden Disco umfunktionierten Mannschaftsbus ihren Überraschungserfolg, der dem Frauenfußball im eigenen Land zu höherer Aufmerksamkeit verhelfen dürfte.

"Wir hätten nicht besser in das Turnier starten können", freute sich die übers ganze Gesicht strahlende Sarah Puntigam, die zur Spielerin des Spiels gekürt wurde. Und Thalhammer stand der Stolz ins Gesicht geschrieben, dass sich seine Spielerinnen und er gleich zu Beginn des Turniers für die harte Arbeit der vergangenen Jahre belohnt hatten. "Vor allem kämpferisch und taktisch hat meine Mannschaft unglaublich aggressiv gearbeitet." Der Erfolg der Österreicherinnen ist kein Zufallsprodukt.

Mit der Errichtung eines nationalen Zentrums für Frauenfußball in St. Pölten im Jahr 2011 wurde vor sechs Jahren die nächste Entwicklungsstufe gezündet, die nun erste Früchte trägt. Dort wird innerhalb eines geschlossenen, professionellen Systems eine Ausbildung auf höchstem Niveau gewährleistet. 2011 übernahm Thalhammer das Traineramt des verstorbenen Ernst Weber, bis 2016 leitete er auch die Nachwuchsakademie, aus der unter anderem Stürmerin Nicole Billa den Sprung in die A-Nationalelf geschafft hat. Doch auch die Nachwuchsauswahlen des ÖFB konnten sich in den vergangenen Jahren erstmals für eine EM-Endrunde qualifizieren, die Richtung stimmt.

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Zudem sind aktuell 14 ÖFB-Nationalspielerinnen des EM-Kaders in der deutschen Bundesliga aktiv, die als eine der besten Ligen der Welt gilt. Weitere talentierte Spielerinnen werden in Zukunft den Sprung ins Nachbarland Deutschland machen, um sich fußballerisch weiterzuentwickeln, wie etwa Adina Hamidovic, die zur kommenden Saison ebenfalls in die Bundesliga wechselt. "Wenn ich mich im Trainingsalltag mit sehr guten Spielerinnen messen kann und Woche für Woche gefordert bin, ist das natürlich ein Vorteil gegenüber anderen Spielerinnen", so Thalhammer.

Alle Spiele des ÖFB-Teams bei der UEFA Women's EURO werden live im Fernsehen übertragen. Thalhammer hofft, dass mit wachsender Popularität der Frauenfußball an Attraktivität gewinnt. "Es ist wichtig, diesen Rückenwind zu nutzen. Ich hoffe, wir können die EURO dafür nutzen, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zum Frauenfußball schicken."

Mit weiteren Erfolgen bei der EURO in den Niederlanden könnten man diesem Ziel sicherlich einen gewaltigen Schritt näherkommen. Doch vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag in Utrecht gegen Frankreich bleibt Thalhammer mit beiden Beinen auf dem Boden. "Frankreich ist noch einmal ein bis zwei Klassen stärker als die Schweiz, da werden wir sehr gefordert sein."