Steffi Jones: Mit Unberechenbarkeit zum Erfolg

Mit neuer Trainerin, verjüngtem Kader und unberechenbarer Spielweise will Titelverteidiger Deutschland bei der UEFA Frauen-EURO die nächste Trophäe holen.

Steffi Jones geht locker in ihre erste EURO als Trainerin
Steffi Jones geht locker in ihre erste EURO als Trainerin ©Getty Images

Entspannt und unaufgeregt schlendert DFB-Trainerin Steffi Jones in den Tagen vor dem Auftaktspiel der Gruppe B bei der UEFA Frauen-EURO am Montag gegen Schweden in Breda durch das weitläufige, in ländlicher Idylle gelegene Teamhotel in Sint-Michielsgestel. Die 111-fache Nationalspielerin ist darauf bedacht, Gelassenheit auszustrahlen.

Erstmals wird die 44-Jährige ihr Team in ein großes Turnier führen, im Vorjahr übernahm sie nach den Olympischen Spielen das Amt von Silvia Neid. Sechs Mal in Folge holte die deutsche Mannschaft seit 1995 den EM-Titel, unter Jones soll nun der siebte Streich folgen.

"Ich setze weder mich noch die Mannschaft unter Druck", so Jones im Gespräch mit UEFA.com. "Wir wollen einfach ein gutes Turnier spielen. Jeder weiß, wie so ein Turnier laufen kann. Ich hoffe, dass das Glück ein Stück weit auf unserer Seite sein wird."

Nach dem Rücktritt arrivierter Spielerinnen wie Saskia Bartusiak, Annike Krahn und Melanie Behringer hat Jones seit ihrer Amtsübernahme das Team zusammen mit Co-Trainer Markus Högner verjüngt und ihm ein neues, flexibles 4-4-2-System verpasst. "Wir müssen versuchen, unberechenbar zu sein", so Jones. Dabei gibt sie ihren Spielerinnen die kreative Freiheit, ohne zu große taktische Zwänge je nach Spielsituation Lösungen zu finden. "Wenn ich ihnen zu viel vorgebe, können sie sich nicht frei entscheiden."

Darüber hinaus sollen sich die Spielerinnen ein wenig von der Siegermentalität des Weltranglistenersten USA abschauen. "Ich mag die amerikanische Mentalität sehr, die Amerikanerinnen gehen immer unglaublich zuversichtlich in die Spiele. Wir waren manchmal sehr bescheiden in unseren Aussagen. Die positive Arroganz soll ausdrücken, dass man mit Selbstvertrauen, Mut und Siegeswillen in ein Spiel geht." Den Spielerinnen gefällt die Herangehensweise ihrer gut organisierten, lernwilligen und authentischen Trainerin.

So meint etwa die erfahrene Abwehrspielerin und vierfache Champions-League-Siegerin Josephine Henning: "Es ist überragend, wie sie die jungen Spielerinnen eingebunden und daraus ein Team geformt hat. Sie hat eine richtig große Aufgabe übernommen und ich finde es bewundernswert, was sie daraus gemacht hat." Stürmerin Mandy Islacker ergänzt: "Sie ist eine sehr offene und kommunikative Trainerin und es macht einfach Spaß, mit ihr zu arbeiten."

Gleich zum Turnierauftakt gilt es für die DFB-Elf zu zeigen, was sie in den vergangenen Monaten gelernt hat. Gegen ein erfahrenes, schwedisches Team mit starken Einzelspielerinnen und exzellentem Konterspiel. Beim letzten Aufeinandertreffen im Olympia-Finale holte sich Deutschland mit 2:1 die Goldmedaille. "Das ist ein Knaller direkt zum Auftakt. Wir haben schon oft gegen Schweden gespielt und wissen, was auf uns zukommt", so Jones.

Dzsenifer Marozsán ist die große deutsche Hoffnungsträgerin im Mittelfeld
Dzsenifer Marozsán ist die große deutsche Hoffnungsträgerin im Mittelfeld©Getty Images