Torfrau Bouhaddi schießt Lyon zum Titel

Torhüterin Sarah Bouhaddi verwandelte in einem epischen Finale den entscheidenden Elfmeter, als Lyon gegen den französischen Rivalen Paris Saint-Germain zum vierten Mal die UEFA Women's Champions League gewann.

Titelverteidger Lyon hat auf dramatische Weise die UEFA Women’s Champions League gegen den Ligarivalen Paris Saint-Germain gewonnen. Nachdem es inklusive Verlängerung in Cardiff keinen Treffer gegeben hatte, musste wie im Vorjahr das Elfmeterschießen entscheiden, und in dem spielten die beiden Torhüterinnen eine entscheidende Rolle. Nachdem Paris-Keeperin Katarzyna Kiedrzynek verschossen hatte, verwandelte Sarah Bouhaddi zum Endstand von 7:6.

Lyon ging als absoluter Favorit in die Partie, hatte die Mannschaft um Dzsenifer Marozsán doch die Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung vor dem drittplatzierten Paris gewonnen, in 22 Spielen ein Torverhältnis von 103:6 erreicht, und vor gut zwei Wochen das Pokalfinale ebenfalls erst im Elfmeterschießen gegen PSG gewonnen.

Doch obwohl OL Druck machte, kam kaum Gefahr auf, zu gut standen die Gegnerinnen in der Defensive. Erster, wenn auch negativer, Höhepunkt war das Aus von US-Superstar Alex Morgan, die Mitte der ersten Hälfte den Platz verlassen musste. Eine Oberschenkelverletzung, die sie bereits zuletzt geplagt hatte, hatte sich wieder bemerkbar gemacht. Ein Verlust für Lyon.

Und nach gut einer halben Stunde gab es dann den ersten Abschluss. Lyons Amel Majri versuchte es flach aus der Distanz, kein Problem für Torfrau Kiedrzynek. Fast im Gegenzug hatte Paris die erste echte Möglichkeit der Partie überhaupt. Shirley Cruz Traña drang in den Strafraum von Lyon ein, hatte freie Schussbahn, aber Bouhaddi kam noch an den Ball, ehe die Situation vollends geklärt wurde.

Und die Pariserinnen hatten auch die nächste und damit letzte Möglichkeit der ersten Halbzeit. Cristiane wurde am Strafraumpunkt schön angespielt, kam jedoch beim Direktschuss zu sehr in Rücklage, sodass der Ball über das Gehäuse segelte.

Fast unmittelbar nach der Pause hätte das Spiel um ein Haar Fahrt aufgenommen, aber Ada Hegerberg, die nach einer Ecke mit gestrecktem Fuß an den Ball kam, verfehlte das Ziel nur um Zentimeter. Wenig später hatte die Norwegerin gar eine Doppelchance. Erst scheiterte sie mit Direktschuss an der Torfrau, den Nachschuss jagte sie neben den Kasten. Aber jetzt passierte vermehrt etwas. PSG geriet zusehends unter Druck.

Als nach einer Stunde Nationalspielerin Pauline Bremer für Hegerberg kam, standen drei Deutsche auf dem Platz, denn die Partie wurde von Bibiana Steinhaus geleitet. Von Marozsán indes, frischgebackene Spielerin des Jahres in Frankreich, war nicht viel zu sehen.

Dafür jetzt aber von Paris. Aus aussichtsreicher Position schloss Marie-Laure Delie nach schönem Zuspiel von Cruz Traña ab, die Kugel trudelte knapp am rechten Pfosten vorbei. Ein spannendes Spiel vor 22.000 Zuschauern im Cardiff City Stadium, dem aber die Tore fehlten.

Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit war es Marozsán, die aus halbrechter Position abzog, aber bedrängt wurde und deshalb den Ball nicht richtig traf, so ging es in die Verlängerung.

Marozsán hatte auch dort die erste Chance, doch aus der Distanz flog der Ball über den Kasten. Als es dann ins Elfmeterschießen ging und auf jeder Seite eine Spielerin verschossen hatte, traf die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft zum 5:5-Zwischenstand.

Wenig später trat die achte Schützin für Lyon an, die Torhüterin. Der schwache Schuss der Polin landete links neben dem Kasten, die Stunde von Bouhaddi war gekommen. Zum vierten Mal gewinnt Lyon damit den den wichtigsten Vereinspokal und zieht mit Rekordsieger Frankfurt gleich. Und der französische Meister holt zum dritten Mal das Triple, das ist noch keiner Mannschaft gelungen.

Reaktionen:

Gérard Prêcheur, Trainer Lyon
Sarah [Bouhaddi] ist großartig mit ihren Füßen. Ich denke, dass sie die beste Torhüterin auf der Welt ist, aber mit den Füßen ist sie außergewöhnlich. Ich habe sie auch gebeten, in einem Ligaspiel einen Elfmeter zu schießen, weil ich dachte, dass sie treffen würde. Heute Abend war das der richtige Moment, weil die andere Torhüterin daneben geschossen hat – Wendie [Renard] sagte ihr, dass sie schießen solle.

Wir haben eine großartige Kapitänin, sie ist unsere Nr. 1. Wenn man ihre Qualitäten als Spielerin und Anführerin sieht, ist sie fabelhaft. Sie sagte Sarah, dass sie es schaffen könnte. Und Glückwunsch auch an Sarah. Ich weiß nicht, wie sie es gemacht hat. Jeder ist am Ende des Spiels auf sie drauf gesprungen. Ich fürchtete, dass sie erwürgt werden könnte.

Dzsenifer Marozsán, Spielerin des Spiels
Es ist ein Finale, und wir wussten, dass es nicht leicht wird – PSG hat ein tolles Team. Ich denke, es war ein großartiges Endspiel, auch für die Fans. Wir haben einfach immer weitergemacht und an uns selbst geglaubt. Wir haben einige Elfmeter gut verwandelt, was für unsere starke Psyche spricht – und wir hatten auch ein wenig Glück. Lyon hat heute mit dem zweiten Triple Geschichte geschrieben. Das ist unglaublich. Ich bin heute dabei und wirklich glücklich, ebenfalls Geschichte geschrieben zu haben.

Patrice Lair, Trainer Paris
Ich hoffe, dass ich zurückkommen und in der Lage sein werde, den Titel bald wieder zu holen. Dafür aber müssen wir arbeiten, neue Leute holen und eine stärkere Mannschaft werden. Wir liegen ein wenig hinter Lyon zurück, aber ich denke, dass wir sie einholen können. Wir haben es ins Finale geschafft, viele andere Klubs hätten das auch gern geschafft. Ich möchte meiner Mannschaft gratulieren.



 

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