Trainer des Siegers

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Prêcheur erntet die Früchte der harten Arbeit

Äußerlich gab es Parallelen zwischen den beiden Trainerbänken im Stadio Città del Tricolore. Gérard Prêcheuer und Ralf Kellermann beobachteten das Geschehen mit stoischer Gelassenheit. Obszöne Gesten und Theatralik fielen nur dadurch auf, dass es sie nicht gab. Doch, auf der fachlichen Ebene, gab es Unterschiede zwischen den beiden Trainern.

Einer der Schlüssel zum Erfolg ist es, ihre Vorstöße zu verhindern und den Raum hinter unserer Abwehrreihe zu kontrollieren. In Bezug auf die Defensive wird es für uns das schwierigste Spiel der Saison."
Lyons Trainer Gérard Prêcheur vor dem Finale

Kellermann, ein ehemaliger Torwart, ist seit acht Jahren beim VfL Wolfsburg Trainer. 2015 bekam er bei der renommierten Gala in Zürich den Preis für den FIFA-Trainer des Jahres im Frauenfußball von Ottmar Hitzfeld überreicht. Prêcheur war als Mittelfeldspieler in der zweiten französischen Liga aktiv und übernahm Olympique Lyonnais von Patrice Lair 2014. Er führte die Mannschaft zweimal in Folge zum Double aus Meistertitel und nationalem Pokal sowie ins Finale von Reggio Emilia.

©AFP/Getty Images

Gérard Prêcheur beim Training vor dem Finale

Vor seiner Zeit als Trainer bei Lyon war Prêcheur mehr im Hintergrund tätig. So war er Direktor des Trainingszentrums des französischen Fußballverbandes in Clairefontaine, wo er für die Entwicklung des Frauenfußballs verantwortlich war. Außerdem arbeitete er als Scout für die Nationalteams. "Ich bin vor zwei Jahren in den Traineralltag zurückgekehrt", sagte er nach dem Finale in Italien, "und ich weiß, wie fordernd das ist. Du musst all deine Energien in diesen Job stecken, genau deshalb macht mich dieser Sieg, auf Profilevel, so glücklich. Es war so, dass der Mann Gérard Prêcheur zum Trainer Gérard Prêcheur sagen konnte: 'Ich bin stolz auf das, was du in diesem Endspiel und in den letzten beiden Jahren mit Lyon geschafft hast'."

Er kam mit seinem Team zehn Tage nach einem hart erkämpften Sieg gegen Montpellier HSC im Finale des Coupe de France nach Italien. In jener Partie musste OL nach einem frühen Gegentor einen Rückstand umbiegen, um mit 2:1 zu gewinnen. Prêcheur schickte, wie schon in Hin- und Rückspiel des Halbfinals der UEFA Women's Champions League gegen Paris Saint-Germain, eine 1-4-2-3-1-Formation auf den Rasen. "Als Trainer kannst du deine Mannschaft durchrotieren, aber das Trainerteam kann keine Pause machen", so Prêcheur. "Wir haben Wolfsburg intensiv beobachtet und uns minuziös auf dieses Finale vorbereitet."

Natürlich haben sich auch Kellermann und sein Trainerteam intensiv auf das Endspiel vorbereitet. "Ich habe Lyon als den Vorreiter angesehen", sagte Kellermann. "Eine Mannschaft, die in Sachen Technik, taktischer Raffinesse und athletischen Fähigkeiten auf dem höchsten Niveau spielt. Außerdem ist das Team, mit einer oder zwei Ausnahmen, schon sehr lange zusammen. Dadurch sind die Mechanismen in der Mannschaft sehr gut eingespielt."

©Getty Images

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann

Das Finale war von gegenseitigem Respekt und Vorsicht geprägt. Prêcheur sagte vor dem Spiel: "Wolfsburgs Stärke liegt in ihrer körperlichen Kraft und in ihrer Offensive. Einer der Schlüssel zum Erfolg ist es, ihre Vorstöße zu verhindern und den Raum hinter unserer Abwehrreihe zu kontrollieren. In Bezug auf die Defensive wird es für uns das schwierigste Spiel der Saison."

Prêcheur entschied sich für eine Dreierabwehrreihe und gegen eine klassische Viererkette. Dies verschleierte seine Entscheidung, nach gründlicher Analyse des Gegners, eine zusätzliche Innenverteidigerin einzubauen und somit Wolfsburgs Powerplay im 1-3-5-2 zu bekämpfen. Diese Formation ist effektiver gegen geradlinige Angriffe des Gegners und bietet eine solide Plattform, um das Spiel von hinten aufzubauen. "Wir haben unsere Defensive sehr gut organisiert", sagte der Coach nach dem Finale.

"Im Großen und Ganzen hat mein Team in der Defensive sowie in der Offensive nahezu perfekt gearbeitet. Wir konnten ihre Angriffe neutralisieren und hatten das Spiel im Griff. Wolfsburg hatte nur wenige Chancen, doch in der 88. Minute haben sie zugeschlagen. Das Ausgleichstor fiel, weil wir einen der Punkte unseres Matchplans vergessen hatten. Wir hätten uns dieses Drama ersparen können, wenn wir uns an den Plan gehalten und wenn wir ein zweites Tor geschossen hätten. Aber die Mädels haben Charakter bewiesen und wir sind alle sehr glücklich, gewonnen zu haben."

http://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2016/technical-report/winning-coach/index.html#precheur+erntet+fruchte+harten+arbeit