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Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale

Im August 2015 fiel der erste Vorhang für die 15. Auflage der UEFA Women's Champions League, als 32 Teams in acht Miniturnieren den Ball ins Rollen brachten. Insgesamt waren damit 56 Teams am Start und damit deutlich mehr als die 33 Teams, die bei der ersten Austragung des UEFA-Frauenpokals in der Spielzeit 2001/02 dabei waren.

Die 48 Spiele brachten am Ende satte 235 erzielte Tore hervor und damit einen Schnitt von 4,9 Toren pro gespielter Partie. Der Auftakt in den Wettbewerb war also gewohnt torreich. Am Ende zogen die acht Gruppensieger in die K.-o.-Phase ein.

©FC Twente Media

Twente sorgte in der Runde der letzten 32 für die größte Überraschung

Unter den Gruppensiegern war auch Arjan Veurinks FC Twente und dieses Team durfte ein kleines Stück Geschichte schreiben. Die Niederländerinnen schafften es als erstes Team im Wettbewerb, ein deutsches Team gleich in der ersten K.-o.-Runde auszuschalten. Der FC Bayern München blieb zwar in den 22 Ligaspielen der Saison 2014/15 ungeschlagen und begann mit einem 1:1 im Hinspiel in Enschede auch ganz ordentlich, am Ende des Rückspiels standen für den Deutschen Meister 40 Torschüsse und 20 Eckbälle nach beiden Partien zu Buche, durch das 2:2 in München aber auch das überraschende Aus. 

Ebenfalls beeindruckend unterwegs war Neuling Club Atlético de Madrid, der nach einem 0:2 zuhause gegen Zorky schon mit einem Bein ausgeschieden war, im Rückspiel in Russland aber einen 3:0-Erfolg feiern konnte. Gegen Zorky schossen die Spanierinnen ganz 62 Mal auf das gegnerische Tor, eine Runde später gegen Olympique Lyonnais gab es in beiden Spielen nur sechs Torschüsse und am Ende ein 1:9 im Gesamtergebnis.

SK Slavia Praha überzeugte bei seinem Erfolg über Brøndby IF, den Halbfinalisten aus dem Vorjahr, in der Runde der letzten 32. Die Mannschaft von Anton Mišovec konnte sich zuhause mit 4:1 durchsetzen und ließ in Dänemark nur eine knappe 0:1-Niederlage zu. Es folgte der nächste beeindruckende Erfolg über den Finalisten von 2009, den FC Zvezda 2005, durch ein 2:1 in Prag und ein torloses Remis im Rückspiel. Doch genau wie Atlético fand man seinen Meister in Lyon, das abermals gnadenlos überlegen war und im Gesamtergebnis wieder mit 9:1 triumphierte und so in das Halbfinale einziehen konnte.

©Getty Images

Matt Ross feiert Frankfurts Weiterkommen

Twente konnte in der Runde nach dem Erfolg über die Bayern nicht mehr überzeugen und musste sich nach zwei 0:1-Pleiten gegen den FC Barcelona im Achtelfinale verabschieden. Richtig spannend wurde es unterdessen im Achtelfinale zwischen Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt gegen LSK Kvinner. Die Deutschen konnten das Hinspiel souverän mit 2:0 gewinnen, mussten sich nach 90 Minuten im Rückspiel jedoch mit dem gleichen Ergebnis geschlagen geben. Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen, wo Frankfurt mit 5:4 die Oberhand behielt. Paris Saint-Germain hatte auch so seine Probleme gegen KIF Örebro. In Schweden gab es ein 1:1 und im Rückspiel in Paris stand am Ende nur ein 0:0 - und das trotz einer Torschussbilanz nach Hin- und Rückspiel von 59:3. Es reichte aber dank der Auswärtstorregel für die nächste Runde.

Ebenfalls Probleme im Abschluss hatte das Team von Trainer Farid Benstiti im Viertelfinale gegen Barcelona. Paris spielte schnell, attraktiv, kombinierte gut und zeigte ein starkes Umschaltspiel, doch der einzige Treffer in diesem Duell fiel erst in der 86. Minute des Rückspiels. Cristiane erzielte das Tor und brachte die Französinnen so ins Halbfinale des Wettbewerbs.

Ähnlich ausgeglichen, zumindest was das Ergebnis anbetraf, ging es im Duell zwischen Frankfurt und dem FC Rosengård zu. In Schweden trafen die Deutschen auf einen Gegner, der hinten sehr diszipliniert agierte und gerade das Umschalten von Angriff auf Abwehr sehr gut beherrschte. So versuchte sich Frankfurt wiederholt an Fernschüssen, und die Entscheidung im Hinspiel brachte erst ein Elfmetertreffer von Dzenifer Marozsán.

Im Rückspiel in Deutschland ging es erneut sehr knapp zur Sache. Die Gäste agierten in einer 1-4-4-2-Aufstellung und machten dem Titelverteidiger das Leben wieder sehr schwer. Nach der regulären Spielzeit stand sogar ein 1:0-Erfolg für Rosengård zu Buche und so ging es ins Elfmeterschießen. Dort siegten die Frankfurterinnen erneut mit 5:4 und zogen ins Halbfinale ein.

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Brescia kam nicht mit Wolfsburgs hohem Pressing klar

In den beiden weiteren Viertelfinals war nicht ganz so viel Spannung angesagt. ACF Brescia Calcio Femminile hatte bis zum Viertelfinale nur einen einzigen Treffer kassiert, doch das Kurzpassspiel der Italienerinnen wurde von der hohen Verteidigungslinie der Wolfsburger und deren starkem Pressing komplett untergraben, und so war der Bundesligist zuhause klar überlegen. Als Brescia-Trainerin Milena Bertolini ihr Team von einer 1-3-5-2-Formation auf ein 1-4-3-3-System umstellte, waren Ralf Kellermanns Wolfsburger bereits 3:0 in Führung und brachten diesen Vorsprung auch über die Zeit. Im Rückspiel schossen beide Teams nur fünfmal auf das gegnerische Tor, am Ende stand es aber trotzdem wieder 3:0 für die Deutschen.

Gérard Prêcheurs Lyon zeigte sich sogar noch torfreudiger und überrannte Slavia Praha im Hinspiel trotz einer sehr defensiven 1-4-1-4-1-Formation der Tschechinnen mit 9:1 vor heimischer Kulisse. Lyon war auch im Rückspiel das bessere Team, kam aber nicht über ein 0:0 hinaus. Es war das einzige Spiel des späteren Turniersiegers, in dem man keinen eigenen Treffer erzielen konnte.

Verlernt hatte Lyon das Toreschießen aber nicht lange, denn im Halbfinalhinspiel vor 22 050 Zuschauern  einem Rekord für ein Europapokalspiel der Frauen, abgesehen von Endspielen  zeigte sich das Team wieder in bester Torlaune. In der vorangegangenen Saison musste man sich im Achtelfinale noch den Pariserinnen geschlagen geben, doch diesmal stand nach dem Hinspiel ein 7:0 auf der Anzeigetafel.

Für Paris-Trainer Benstiti war es ein völlig verkorkster Fußballabend. Zwei Schlüsselspielerinnen (Shirley Cruz Traña und Jessica Houara-d'Hommeaux) fehlten verletzt und zwei Abwehrspielerinnen sowie eine Mittelfeldspielerin (Laure Boulleau, Laura Georges und Kheira Hamraoui) mussten innerhalb der ersten 36 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Zu diesem Zeitpunkt lag Lyon bereits mit 2:0 in Führung, noch vor der Pause stand es dann bereits 5:0 für Lyon.

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Lyon war im rein französischen Halbfinale zu stark für Paris



Im Rückspiel ging es deutlich ruhiger zur Sache. Dank des 41. Europapokaltreffers von Lotta Schelin  ein neuer Rekord für einen einzelnen Klub  siegte Lyon abermals, allerdings nur knapp mit 1:0, und sorgte somit für das Aus des Vorjahresfinalisten, der damit in seinen letzten fünf Spielen des Wettbewerbs viermal ohne eigenen Treffer blieb.

Wolfsburg konnte ähnlich wie Lyon bereits im Halbfinalhinspiel die Weichen Richtung Endspiel stellen und machte mit Frankfurt im deutsch-deutschen Halbfinale kurzen Prozess. Kellermanns Team nutzte den von Frankfurt angebotenen Platz gerade über die Außenbahnen gnadenlos aus und erzielte schon vor der Pause drei Treffer. Nach der Pause ließ man noch einen weiteren Treffer folgen. Im Rückspiel hatte Frankfurt Probleme, gegen gut gestaffelte Wolfsburger überhaupt Wege in Richtung Tor zu finden, und musste sich am Ende durch den Kopfballtreffer von Marith Priessen erneut geschlagen geben. Damit stand die Wiederholung des Endspiels von 2013 fest  es sollte ein Finale zwischen zwei Teams werden, die in jeweils acht Spielen auf dem Weg nach Reggio Emilia zusammen 53 Tore erzielen konnten und beide nur zwei Treffer kassierten.

http://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2016/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale