Trainer des Siegers

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"Wir haben uns völlig verausgabt"

"Ich möchte nicht in Schönheit sterben. Ich möchte Tore schießen." Das ist die Fußballphilosophie von Colin Bell, der den auf Ballbesitz angelegten Stil des FC Bayern München, des FC Barcelona oder der Nationalmannschaften von Deutschland oder Spanien bewundert. Er ermutigt seine Spielerinnen, Videos von Spielen dieser vier Mannschaften anzuschauen und es den Männern gleichzumachen. "Ich frage sie, welche Art von Pässen sie nicht spielen können, die die Männer können. Meistens stimmen sie mir zu, dass es keine gibt."

Gleichzeitig aber lehnt Bell reinen Ballbesitzfußball ab. "Das muss Sinn machen", sagt er. "Ich möchte Tore erzielen, und Frankfurts Stil ist beeinflusst von einem starken Wunsch, Tore zu schießen. Das Spiel ist ein Kampf mit einer Menge Leidenschaft, mit vielen Läufen, einer Menge Arbeit. Aber es geht ultimativ um Tore. Die Leute wollen Tore sehen. Das lockt sie in die Stadien."

Jeder, der den 1. FFC Frankfurt auf dem Weg nach Berlin beobachtet hat, hat 42 Tore gesehen: zwei, die im ersten Spiel in Kasachstan kassiert wurden, und 40, die im Netz der Gegner landeten. Auf dem Weg ins Finale kam Frankfurt zu acht Siegen, einem Remis und 229 Torschüssen. Von den elf Toren, die aus dem Spiel heraus fielen und zugleich zu den besten der K.-o.-Runden gewählt wurden, wurden sieben von Spielerinnen der hessischen Mannschaft erzielt.

In Berlin wurde Colin Bell der erste englische Trainer, der die UEFA Champions League gewann (für Männer oder Frauen), eine Ehre, die er als "unglaublich" und "einen Traum" beschreibt. Aber zugleich war dies zweifellos ein englisch-deutscher Erfolg. Das Finale in Berlin fand fast genau 33 Jahre, nachdem Bell seinen Heimatklub Leicester City FC verlassen hatte, statt. Er wechselte zum VfL Hamm und begann in Deutschland, wo er seine Diplome erwarb und seine gesamte Trainerkarriere verbrachte, ein neues Leben. Er begann 1989 bei TuS Koblenz, um 22 Jahre später in der Bundesliga anzuheuern, als er Chefcoach des SC 07 Bad Neuenahr wurde. 2013 übernahm Bell in Frankfurt die Regie.

Seine Trainerkarriere wurde von diversen Seiten beeinflusst. Ersten Eindruck auf ihn machte Jock Wallace, der mürrische Schotte bei Leicester, der später sogar in Spanien bei Sevilla FC tätig war. In Deutschland bezeichnet er Horst-Dieter Strich als "harten Trainer und großen Techniker". Der war sein Chef, als er in Mainz spielte. Und dann ist da noch Lorenz-Günther Köstner, unter dem er Assistenztrainer beim 1. FC Köln war. Köstner ist für Bell ein "großartiger Mann, Spitzencoach und einer der am meisten unterschätzten Trainer in Deutschland". In Mainz traf er auch mit Jürgen Klopp zusammen, und an der Seite von Uwe Rapolder in Mannheim lernte er "taktische Feinheiten".

Daraus resultierte der Glaube an die "Dominanz durch Ballbesitz und das Aufziehen eines sehr guten Passspiels. Ich glaube, dass das etwas ist, was im Frauenfußball weiter entwickelt werden kann. Man muss eine Menge Bewegung ins Spiel bringen, die Räume effizient nutzen und wissen, wann und wo man sich darauf konzentrieren muss, sichere Pässe zu spielen".

In Berlin ließen er und sein Kollege auf der anderen Seite, Farid Benstiti, technisch anspruchsvollen Fußball spielen. Letztgenannter wird sicher noch mehr Raum für Verbesserungen sehen, wie geschehen in der zweiten Hälfte, als Paris Saint-Germain und Frankfurt sich nahezu gleichwertig präsentierten. Nach den Worten von Bell war die Notwendigkeit für Änderungen nicht so groß. "Wir haben das Spiel eng gemacht", sagte er nach der Partie. "Wir haben Vorteile daraus gezogen, dass wir eine zusätzliche Spielerin im Mittelfeld hatten. Vorn waren wir sehr lebendig, wir stellten sicher, dass Paris uns nicht dominieren konnte und die Verbindung zu [Marie-Laure] Delie gekappt wurde. Wir haben vor allem taktisch alles richtig gemacht, unsere Einstellung war einfach nur fantastisch und wir haben uns völlig verausgabt."

http://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2015/technical-report/winning-coach/index.html#siegreicher+trainer