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Weg ins Endspiel

Weg ins Endspiel
Paris schaltete auf dem Weg ins Endspiel Wolfsburg und Lyon aus ©Sportsfile

Weg ins Endspiel

Der Weg nach Berlin begann im August 2014, als in der Anfangsphase der 14. Auflage des Wettbewerbs, der 2001/02 als UEFA-Frauen-Pokal geboren und 2009/10 zur UEFA Women's Champions League wurde, in acht Gruppen zu je vier Mannschaften die Qualifikationsrunde in Form von Miniturnieren ausgetragen wurde. In den 48 ausgetragenen Partien fielen 218 Treffer, was einem Durchschnitt von 4,54 Toren pro Spiel entspricht. Die acht Gruppensieger sowie die beiden besten Gruppenzweiten qualifizierten sich für die Auslosung der ersten K.-o.-Runde mit 32 Mannschaften. Von den Teams, die sich in der Qualifikationsrunde durchsetzten, zog Glasgow City FC bis ins Viertelfinale ein.

In der ersten K.-o.-Runde gab es mehrere ��berraschungen und enge Entscheidungen. Gintra Universitetas aus Litauen setzte sich gegen AC Sparta Praha im Elfmeterschießen durch. Der österreichische Vertreter SV Neulengbach benötigte die Verlängerung, um MTK Hungària FC auszuschalten; auch Glasgow City schaffte den Einzug in die nächste Runde gegen den polnischen Verein KKPK Medyk Konin erst in der Verlängerung; genauso wie Brøndby IF gegen Apollon LFC aus Zypern. Im Rückblick war auch das 2:2-Remis zwischen BIIK-Kazygurt und dem 1. FFC Frankfurt in Kasachstan eine Riesenüberraschung, zumal der deutsche Klub bis zum Endspiel in Berlin keinen weiteren Gegentreffer hinnehmen musste. Auf der anderen Seite waren 37 Torschüsse im Vergleich zu den sieben der Heimmannschaft ein deutliches Zeichen für das Angriffspotenzial der Truppe von Colin Bell.

©UEFA.com

Bristol setzte sich gegen Barcelona durch

In der folgenden Runde war ein 3:0-Heimsieg von WFC Zvezda 2005 – Finalist 2009 – gegen Linköpings FC sicherlich keine Überraschung, ganz im Gegensatz zur 0:5-Hinspielpleite der Russen in Schweden. Bristol Academy zeigte beim 2:1-Gesamtsieg mit neun Torschüssen gegen den FC Barcelona (der vier Mal so oft auf das gegnerische Gehäuse feuerte), wie Teams in zunehmendem Maße darauf vorbereitet sind, einem vermeintlich überlegenen Gegner mit taktischem Widerstand gegenüberzutreten. Aber das heißeste Duell im Achtelfinale war die rein französische Angelegenheit zwischen Paris Saint-Germain und dem viermaligen Finalisten Olympique Lyonnais. Nach einem 1:1-Remis in der Hauptstadt ging Lyon als Favorit ins Rückspiel, aber während einer von Lyons 18 Torschüssen nur am Aluminium landete, reichten Paris zwei Versuche, um ein Tor zu erzielen: Fatmire Alushis Treffer genügte Paris, um die nächste Runde zu erreichen.

Dank einer hervorragenden Teamorganisation und einer starken Arbeitsmoral kassierte Glasgow City im Viertelfinal-Hinspiel gegen Paris nur eine 0:2-Heimpleite – auf der anderen Seite sahen die Schottinnen nur selten den Ball. Im Prinzenpark ließ Glasgows Trainer Eddie Wolecki seine Truppe im ersten Durchgang tief verteidigen. Aber als nach der Pause die Kräfte nachließen, setzte es vier Gegentreffer – zwei davon vom Elfmeterpunkt. Auch Bristol Academy war im Duell gegen Frankfurt dazu gezwungen, kompakt zu verteidigen, im Mittelfeld zu pressen und die Stürmerin direkt in Szene zu setzen, kassierte jedoch im Verlauf der beiden Partien ein Dutzend Gegentreffer – acht davon nach der Pause.

©Getty Images

Brøndby triumphierte in einem engen Viertelfinale

In den anderen beiden Duellen ging es jedoch weitaus enger zu. Linköping war gegen Brøndby im Hinspiel in Schweden die dominante Truppe und traf zweimal das Gestänge. Das Heimteam baute geduldig von hinten heraus auf, nutzte die ganze Breite des Platzes, setzte die gegnerische Abwehr mit guten Läufen von Stürmerin Stina Blackstenius unter Druck, gab doppelt so viele Torschüsse wie die Gäste ab ... und drückte mit einem Eigentor von Spielführerin Charlotte Rohlin den Selbstzerstörungsschalter. Martin Sjögrens Team dominierte auch das Rückspiel in Dänemark mit hohem Pressing, schnellen Kontern und permanenten Versuchen, den tödlichen Pass zu spielen, aber nach einem frühen Gegentor hatten die Schwedinnen nur eine Antwort durch Mariann Knudsen parat.

Schwedens anderer Vertreter FC Rosengård hatte das Pech, im Viertelfinale auf Titelverteidiger VfL Wolfsburg zu treffen. Aber Markus Tillys Team, das attraktiven Offensivfußball spielte, mit einer Marta, die auf der linken Seite für die magischen Momente sorgte, und mit schnellem Umschalten auf ein 1-4-5-1-Defensivsystem, schaffte es, das Gegenmittel für Wolfsburgs Powerplay zu finden, und reiste mit einem 1:1-Remis im Gepäck wieder nach Hause. Im Rückspiel spielte Anita Asante eine wichtige ordnende Rolle als defensive Mittelfeldspielerin in einer 1-4-1-3-2-Formation, so dass die Schwedinnen die von hohem Tempo geprägte Partie von Zeit zu Zeit dominierten. Nach einem frühen Gegentreffer drehte Rosengård das Spiel, aber als Wolfsburg zu Beginn des zweiten Durchgangs den 2:2-Ausgleich erzielte, konnten die Schwedinnen nicht mehr zurückschlagen; agierten beim letzten Pass zu überhastet; und waren nicht in der Lage, so effektiv wie im ersten Durchgang den Schalter wieder umzulegen. Folglich stand am Ende ein 3:3-Remis und das Ausscheiden aufgrund der Auswärtstorregel.

Video: Paris überrascht Wolfsburg

Wolfsburgs Belohnung war ein Halbfinale gegen Paris, doch das Hinspiel in Deutschland avancierte zu einer frustrierenden Erfahrung für Ralf Kellermann und seine Spielerinnen. Nach gutem Start übernahm Paris dank seiner Technik die Spielkontrolle und machte mit seinen athletischen Fähigkeiten die Räume für die Angriffsspielerinnen des Heimteams eng. Nach zwei Gegentreffern in der ersten halben Stunde ließ der Titelverteidiger die Energie und die Inspiration vermissen, eine Antwort zu finden. Das Rückspiel in Paris verlief ähnlich. Das Heimteam verteidigte tief, um den Vorsprung zu verwalten, und setzte auf schnelle Konter. Nach einem Sololauf bei einem dieser Gegenangriffe gelang Farid Benstitis Team sogar der Führungstreffer. Wolfsburg versuchte es beharrlich über die Flügel mit seiner ursprünglichen 1-3-4-3-Formation, wobei oft fünf Spielerinnen die vorderste Angriffslinie bildeten, mit konstanten Positionswechseln und nur zwei Spielerinnen, die das defensive Spielfelddrittel absicherten. Es war ein ziemlich ruhiger Abend für Paris, bis die letzten 20 Minuten anbrachen, denn dank zweier Treffer aus der Distanz – der erste abgefälscht – schnupperte Wolfsburg wieder am Finaleinzug. Die Gäste belagerten in der Schlussphase den Pariser Strafraum, der dritte Treffer blieb ihnen jedoch verwehrt, weshalb der Champion von 2013 und 2014 die Chance auf den Titelhattrick verpasste.

Aber Deutschland hatte noch ein weiteres Eisen im Feuer. Das andere Duell stand in krassem Widerspruch zu der Intensität und der Wettbewerbsstärke, die man normalerweise mit einem Halbfinale verbindet. Im Hinspiel setzte Brøndbys Per Nielsen wie Frankfurt auf eine 1-3-5-2-Formation, doch die Gäste aus Dänemark hatten auf den Außenpositionen große Probleme mit den Deutschen. Ein früher Elfmetertreffer war das Vorspiel für sechs weitere Tore der Heimmannschaft, allein vier davon erzielte Célia Šašic. Im Rückspiel kehrte Nielsen zu einer 1-4-2-3-1-Formation zurück. Das dänische Team versuchte, konstruktiv von hinten heraus aufzubauen und Wolfsburg mit Pässen durch die Mitte oder auf die Flügel zu attackieren. Sie vertrauten ihrer Philosophie, defensive Probleme mit technischen Fertigkeiten zu lösen – lagen jedoch bereits zur Pause 0:5 hinten und mussten sich mit einem Rekordgesamtergebnis von 0:13 geschlagen geben. Šašic und Verónica Boquete waren im Rückspiel jeweils dreimal erfolgreich. Paris zog erstmals ins Endspiel ein – und bekam es in Berlin erneut mit einem deutschen Gegner zu tun.

https://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2015/technical-report/road-to-the-final/index.html#weg+endspiel