Wolfsburg zeigt Zähne beim Titelgewinn

Dass der Sieg vom deutschen Double-Sieger VfL Wolfsburg eher als Überraschung gilt, zeugt von der Stärke von Olympique Lyonnais. UEFA.com blickt auf die Saison 2012/13 zurück.

Nadine Kessler (VfL Wolfsburg)
©Getty Images

Nüchtern betrachtet, war der siebte Erfolg einer deutschen Mannschaft bei der zwölften Ausgabe der UEFA Women's Champions League reine Routine. Dennoch war der Sieg vom deutschen Double-Gewinner VfL Wolfsburg eine kleine Überraschung, was nicht zuletzt an der Stärke von Olympique Lyonnais liegt.

Lyon war im Finale an der Stamford Bridge der große Favorit auf den dritten Titel in Folge. In den letzten drei Jahren verloren sie unter Trainer Patrice Lair in der regulären Spielzeit keine einzige Partie, in der Liga wurde man zum siebten Mal in Folge Meister und gab keinen einzigen Punkt ab. Im Winter holte man zudem die amerikanische Nationalspielerin Megan Rapinoe, die eine Startruppe um den Großteil des Kaders der französischen Nationalmannschaft und um die schwedische Stürmerin Lotta Schelin komplettierte. Nach acht Spielen und einem Torverhältnis von 40:1 zog man somit souverän ins Finale ein.

In den letzten zwei Jahren setzt sich Lyon außerdem jeweils gegen eine deutsche Mannschaft durch. So gewann man in Fulham 2011 mit 2:0 gegen den 1. FFC Turbine Potsdam, ehe man den 1. FFC Frankfurt zwölf Monate später in München mit dem gleichen Ergebnis schlug. Für Wolfsburg, das in der Saison 2005/06 noch in der zweiten Liga aktiv war, war es das Europapokaldebüt und man wusste ebenfalls zu beeindrucken - beispielsweise gegen Arsenal LFC im Halbfinale.

Im Finale musste Wolfsburg dann wegen Sperren, Krankheit und Verletzungen auf zahlreiche Schlüsselspielerinnen verzichten - folglich dominierte Lyon die erste Halbzeit, erzielte aber keinen Treffer. 17 Minute vor dem Ende gab es nach einem Handspiel von Laura Georges Elfmeter, den Martina Müller - seit der Saison 2004/05 im Klub - eiskalt vorbei an Sarah Bouhaddi, die wie Lara Dickenmann, Wendie Renard, Amandine Henry und Louisa Necib ihr viertes Finale in Folge bestritt, in die Maschen beförderte.

Lena Goeßling wurde schließlich zur Spielerin des Spiels gewählt. "Sie haben uns enorm unter Druck gesetzt, aber wir wollten trotzdem gefährlich sein, vor allem über Konter", meinte Goeßling im Gespräch mit UEFA.com "Am Ende hat es sich ausgezahlt für uns."

Für Wolfsburg ein kometenhafter Aufstieg, wenn man bedenkt, dass man zwei Wochen vor dem Finale den ersten Titel überhaupt gewonnen hat - und am Ende war es dann gleich das Tripel. Doch die Bemühungen und Investitionen des Vereins seit 2011, als man beispielsweise die erfahrene Stürmerin Conny Pohlers verpflichtet, haben sich letztlich ausgezahlt.

Mit dem vierten ihrer sechs Tore im Wettbewerb erreichte Pohlers als erste Spielerin in einem UEFA-Vereinswettbewerb für Frauen die 40-Tore-Marke und überholte somit Hanna Ljungberg. Nachdem der Titel bereits 2005 mit Potsdam und drei Jahre später mit Frankfurt geholt werden konnte, ist Pohlers außerdem die erste Spielerin, die den Pokal mit drei unterschiedlichen Vereinen gewinnen konnte. Wolfsburg stellte außerdem die Rekord von Frankfurt (2002), Potsdam (2005) und dem FCR 2001 Duisburg (2009) ein, nachdem man gleich in der Debütsaison den Pokal holte - ein Rekord, den bislang nur deutsche Mannschaften geschafft haben.