
Die Lage bei der UEFA-U19-Europameisterschaft für Frauen wird vor den Halbfinals am Mittwoch immer heißer - nicht nur meteorologisch, sondern auch bildlich. Ein Hotel am Stadtrand von Minsk bildet dabei die Ausnahme, hier haben alle einen kühlen Kopf. uefa.com hat sich dort mit der rumänischen Schiedsrichterin Teodora Albon, der Schiedsrichterbeobachterin Ingrid Jonsson und Josef Marko, ebenfalls Schiedsrichterbeobachter und Mitglied der UEFA-Schiedsrichterkommission, getroffen, um mit ihnen über ihre Sicht des bisherigen Turnierverlaufs zu sprechen.
"Wie eine Familie"
Das neunte Team bei dieser Endrunde in Belarus besteht aus sechs Schiedsrichtern, acht Assistenten und zwei vierten Offiziellen aus dem Gastgeberland Belarus. Laut Teodora Albon hat sich die Gruppe von Beginn an gut verstanden. "Wir sind am Samstag vor Beginn der EM angekommen und die Leute hier haben gleich alles getan, damit wir uns wie zu Hause fühlen. Ich habe hier fast eine Woche zusammen mit den anderen Schiedsrichtern verbracht, wir fühlen uns wie eine Familie."
"Das Unerwartete"
Die 31-jährige Albon ist eine erfahrene Schiedsrichterin, sie hat sogar schon Spiele in der rumänischen ersten Liga der Männer geleitet. Trotzdem glaubt sie, dass so ein Turnier eine besondere Beachtung verdient. "Es ist ein großer Vorteil für mich, denn es ist nicht leicht, eine Schiedsrichterin in Rumänien zu sein - wir müssen beispielsweise den Fitnesstest der Männer bestehen", sagte sie. "Hier habe ich mehr Zeit, um ein Spiel zu lesen, um zu verstehen, was sie mit dem Ball machen wollen. Wir konzentrieren uns hier darauf, das Unerwartete zu erwarten, denn auf dieser Ebene kann es passieren, dass die Mädchen den Ball zu schnell verlieren und wir nicht die Zeit haben, um die beste Position zu finden."
Lernen für das Leben
Albons Fernziel ist es, an einer FIFA-Weltmeisterschaft für Frauen oder der UEFA Women's Champions League teilzunehmen. Sie glaubt, dass sie durch ihren Einsatz in Belarus zu einer besseren Schiedsrichterin wird. "Das ist ein erster Schritt für uns. Wir haben die Möglichkeit, voneinander und von unseren Beobachtern etwas über das Schiedsrichterwesen und das Leben zu lernen, denn wir sind immer noch sehr jung. Jedes Spiel ist eine neue Erfahrung, egal ob bei der U19 oder der Frauen-Champions-League. Ich nehme einfach nur die Ratschläge auf und arbeite weiter. Manchmal will man zu schnell nach oben, aber es ist wichtig, dass man zuerst die Erfahrung von dieser Ebene mitnimmt."
Schiedsrichterbeobachter
Neben der Unterstützung der Kollegen werden die Unparteiischen auch noch von zwei Beobachtern des Fußballverbands von Belarus sowie Ingrid Jonsson - sie leitete 1995 das Finale der Frauen-WM - und Josef Marko genau beaufsichtigt. "In dieser Gruppe herrscht eine gute Stimmung", meinte Jonsson gegenüber uefa.com. "Sie haben sich Anfang Juni fast alle in Frankfurt vorbereitet. Man konnte vom ersten Tag an erkennen, dass sie sich schon einmal gesehen hatten. Ich denke, das ist einer der Gründe für die gute Stimmung."
Respekt
Die Rolle der Beobachter ist von zentraler Bedeutung, wie Jonsson erklärte. "Zuerst machen wir während des Spiels unsere Beobachtungen, doch der wichtigste Punkt ist meiner Meinung die anschließende Nachbesprechung. Wir analysieren die DVD des Spiels und sprechen über die guten Sachen sowie über die Dinge, die verbessert werden können - aber nicht nur vor einer Schiedsrichterin, sondern vor der ganzen Gruppe. Wir versuchen, ihnen Ratschläge für die Zukunft zu geben, für das nächste Spiel - wir schlagen vor, nur an einem oder zwei wichtigen Punkten zu arbeiten." Markos Ratschlag ist ganz einfach: "Sie sind ein Team und das Team trifft die Entscheidungen. Priorität hat, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Danach ist es ihre wichtigste Aufgabe, die Gesundheit der Spieler zu schützen, für die besten Bedingungen auf dem Platz und für gegenseitigen Respekt zu sorgen - das ist der große Wahlspruch der UEFA."
Richtige Richtung
Marko glaubt, dass die Schiedsrichterinnen nicht nur in einer idealen Umgebung arbeiten, sondern auch etwas mit nach Hause nehmen werden. "Sie trainieren hier jeden Tag und wir haben unzählige Diskussionen, aus denen sie lernen können. Wir erwarten aber auch, dass sie ihre Erfahrungen nach Hause mitnehmen und dort mit anderen Schiedsrichtern ihres Verbands teilen." Für Jonsson ist das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung für weibliche Unparteiische. "Man kann seit 2001, als ich immer noch Assistentin war, in jeder Beziehung große Fortschritte erkennen. Alles ist viel professioneller geworden, und das ist nur der Anfang."
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