Frauenfußball weiter auf dem Vormarsch
Mittwoch, 3. März 2010
Artikel-Zusammenfassung
In der aktuellen Ausgabe der offiziellen UEFA-Publikation "The Women's Technician" steht der kontinuierliche Aufschwung des Frauenfußballs im Mittelpunkt.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
Im vergangenen Sommer hat Deutschland zum fünften Mal in Folge die UEFA-Europameisterschaft für Frauen gewonnen. In der offiziellen UEFA-Publikation "The Women's Technician" wird erklärt, warum die Finalrunde ein weiterer Beleg für die rasante Entwicklung des Frauenfußballs war.
In der aktuellen Ausgabe des Magazins wird berichtet, dass sich Vertreter aus 51 UEFA-Mitgliedsverbänden in Nyon zur ersten Nationaltrainer-Konferenz der Frauen versammelt haben. Bei diesem Treffen Ende November wurden Wissen und Erfahrungen ausgetauscht. Außerdem ging es um die Lehren der letzten EM-Finalrunde.
Mehr als sieben Millionen deutsche Zuschauer sahen im Fernsehen, wie ihre Landsfrauen den EM-Pokal in Finnland in die Höhe streckten. Die Konferenz-Teilnehmer waren sich darin einig, dass nicht nur die TV-Quoten stiegen, sondern auch das Niveau auf dem Spielfeld.
"Viele Mannschaften haben mich beeindruckt", sagte die deutsche Bundestrainerin Silvia Neid. "Die Spiele waren schneller. In meinen Augen war der Unterschied zur Endrunde 1997 in Bezug auf die Trainerarbeit, das Positionsspiel und die Taktik einfach unglaublich."
Andy Roxburgh, Technischer Direktor der UEFA, setzte die Liste fort. Auch das Torwartspiel, das Passspiel, die Chancenauswertung und die taktische Flexibilität seien besser geworden. "Die Topteams haben gezeigt, dass es auf die Formation ankommt", sagte er. "Eine disziplinierte Abwehr und ein Spielsystem, das ein flüssiges und kreatives Angriffsspiel ermöglicht, waren wichtig."
Die gut verteidigenden Abwehrreihen konnten aber nicht verhindern, dass in diesem Turnier im Durchschnitt drei Tore fielen. Dieser Wert liegt nur knapp unter dem von 2005, aber über denen der vorangegangenen Endrunden. Verbesserte Verteidigungen führten zu taktischen Innovationen durch die Trainer. Das Hauptaugenmerk lag dabei in schnellen Konterangriffen. "Wir waren sehr darum bemüht, den Ball im Mittelfeld zu erobern und dann schnell in die Spitze zu spielen", sagte Neid, deren Mannschaft zu den 22 Prozent Kontertoren der insgesamt 75 Treffer einige beisteuerte. "Dies effizient praktizieren zu können, war einer der Gründe für unseren Erfolg."
Bei den Standardsituationen waren die Frauen sogar noch effektiver. 27 Prozent der Tore entstanden aus ruhenden Bällen. Am meisten Tore - 40 Prozent - fielen nach Flanken. Der 6:2-Sieg Deutschlands über die Engländerinnen war die Krönung eines unterhaltsamen Turniers, das eine exzellente Werbung für den Frauenfußball darstellte. "Das ist für die Zukunft des Frauenfußballs von allergrößter Bedeutung", sagte die englische Nationaltrainerin Hope Powell während der Konferenz. "Denn nur so können mehr Mädchen für den Fußball gewonnen werden. Die Nationalverbände müssen davon überzeugt werden, dem Frauenfußball
mehr Bedeutung zuzumessen und mehr für seine Entwicklung zu tun."
Das Turnier spielt auch eine Rolle beim laufenden Forschungsprojekt der UEFA bezüglich Verletzungen. Dr. Mogens Kreutzfeldt und Karolina Kristenson präsentierten der Konferenz eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Die wichtigste Erkenntnis aus den Tagen von Finnland ist jedoch, dass die Deutschen weiterhin diejenigen sind, die es zu schlagen gilt. "Die deutschen Ersatzspielerinnen wären in anderen Teams Stammkräfte", meinte Powell. Ihr norwegischer Kollege Bjarne Berntsen, dessen Mannschaft sowohl in der Gruppenphase als auch im Halbfinale dem späteren Europameister unterlag, fügte hinzu: "Deutschland ist uns voraus, weil sie über erstklassige Spielerinnen und Trainerinnen verfügen."
Neid gab aber zu, dass den deutschen Frauen der Erfolg nicht leicht gefallen sei. "Ich hatte meine Höhen und Tiefen, wie die anderen Trainer auch", sagte sie. Sie fügte an, dass der Frauenfußball sich nicht auf den Erfolgen ausruhen dürfe. "Wir müssen der Ausbildung weiblicher Trainer viel Beachtung schenken - nicht nur für die Spitzenmannschaften, sondern auch in der Breite", betonte sie. "Wir riskieren, dass junge, motivierte Spielerinnen unter Trainern arbeiten, die das nötige taktische Know-how nicht mitbringen. Es gibt noch viel Verbesserungspotenzial."