Was macht Arsenals-Gegner Östersund so stark?

Sie malen, tanzen und singen - diese eher unkonventionellen teambildenden Maßnahmen haben Östersund in die Runde der letzten 32 gegen Arsenal geführt.

©AFP/Getty Images

Nachdem man zunächst bereits Galatasaray in der zweiten Qualifikationsrunde ausgeschaltet hatte, sorgte Östersund in der UEFA Europa League auch danach für eine Überraschung nach der anderen. Jetzt steht man in der Runde der letzten 32 gegen Arsenal. UEFA.com hat das Phänomen aus Schweden genauer unter die Lupe genommen. 

Gegründet: 1996
Spitzname: ÖFK

Erfolge in UEFA-Wettbewerben
• Keine

Erfolge auf nationaler Ebene
• Schwedischer Pokal: 1 (2017)

Graham Potter hat den Klub nach Europa geführt
Graham Potter hat den Klub nach Europa geführt©AFP/Getty Images

• Der Klub ist - nach der Fusion mehrerer Vereine - gerade mal 20 Jahre alt und schaffte erst 2015 den Aufstieg in die erste Liga - mit Folgen: "Jetzt kommen viele Jungs und Mädchen in unsere Fußballschulen und viele davon tragen unser Trikot", freut sich Trainer Graham Potter.

Jamie Hopcutt (vorne) im Kopfballduell.
Jamie Hopcutt (vorne) im Kopfballduell.©AFP/Getty Images

• Der englische Trainer Potter hat bei den Schweden Wunder bewirkt. Als Spieler selbst nur in den unteren Ligen tätig, kam er 2011 zu Östersund und führte den Klub von der vierten in die erste Liga. Statt ein paar hundert Fans pilgern mittlerweile Woche für Woche Tausende Zuschauer in die Jämtkraft Arena. Obwohl er von der Einstellung der Leute zu seinem Team nicht begeistert war: "Meine Frau ging zum Arzt und sie wurde gefragt: "Was machen Sie hier? - Mein Mann hat hier einen Job bekommen. - Das ist toll, und als was genau? - Trainer bei Östersund - Ich würde nach Hause gehen, wenn ich Sie wäre."

• Potter hat einige unkonventionelle Ideen eingebracht. Unter anderem drängt er darauf, dass seine Spieler zusammen an kulturellen Projekten arbeiten. So haben sie zusammen ein Buch geschrieben, eine Kunstausstellung organisiert und zusammen das Ballett "Schwanensee" von Tschaikowski getanzt. Der englische Mittelfeldspieler Jamie Hopcutt meint dazu: "Das holt dich definitiv aus deiner Wohlfühlzone, hat uns aber auch als Team zusammengeschweißt."

Östersunds Spieler im Training
Östersunds Spieler im Training©AFP/Getty Images

• Östersund holte 2017 mit dem schwedischen Pokal seinen ersten großen Titel, im Finale wurde Nörrkoping mit 4:1 besiegt. Die Liga beendete man 2016 als Achter, aktuell ist das nördlichste Team Schwedens, trotz der zusätzlichen Belastung durch Europa, auf Platz fünf.

• Sie sorgten für die erste Sensation in Europa in der Saison 2017/18. Nachdem man in Schweden mit 2:0 gegen Galatasaray gewonnen hatte, gelang ihnen in Instanbul ein 1:1. "Die türkischen Fans haben uns mit Applaus verabschiedet."

Salisu Abdullahi Gero feiert ein Tor
Salisu Abdullahi Gero feiert ein Tor©Getty Images

• Im Kader der aktuellen Mannschaft stehen ein Spieler aus dem Irak, Syrien und einer von den Komoren. Der nigerianische Stürmer Salisu Abdullhi Gero erklärte gegenüber UEFA.com: "Ich denke, die Kultur hier schweißt uns als Familie zusammen. Wir haben eine tolle Stimmung im Team. Wir glauben an uns und ziehen alle an einem Strang."

• Die Schweden überstanden auch punktgleich mit Athletic Bilbao (elf Punkte) die Gruppe J der UEFA Europa League. Auch wenn die britische Presse schon seinen Namen handelt, hat Potter keine Eile, nach England zurückzukehren: "Ich habe hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen. Meine Familie hat Opfer gebracht, da wir von zu Hause weggezogen sind. Ich denke, hier in Östersund gibt es noch einiges zu tun. Wir wollen die Liga gewinnen und versuchen, in die Champions League zu kommen."

• Im Team gibt es mehrere Arsenal-Fans; bisher zeigte Verteidiger Ronald Mukiibi seine Begeisterung. Vor der Auslosung der Runde der letzten 32 beschrieb er die Gunners als "sein Team, seitdem ich klein war". Zudem würde er gerne Arsène Wenger persönlich treffen. Der 26-Jährige war von dem Los überwältigt: "Das ist verrückt. Ich treffe auf das Team, von dem ich mein ganzes Leben Fan war. Wer hätte das gedacht?" Und fügte hinzu: "Ich hatte gehofft, für Arsenal im Emirates aufzulaufen, aber jetzt spiele ich dort gegen sie. Das Leben hält mysteriöse Wendungen für einen bereit."

Oben