
Alle zwei oder vier Jahre gibt es einen Spieler, der alle anderen überragt und mit Galaleistungen brilliert, so dass man immer davon spricht, dass es "sein Turnier" war.
Vor vier Jahren in Österreich und der Schweiz war es Xavi Hernández, der für sein feines Passspiel gefeiert wurde, als Spanien nach vier Jahrzehnten mal wieder ein großes Turnier gewinnen konnte. Dieses Mal würde Andrea Pirlo in den höchsten Tönen gelobt werden, sollte er Italien im Endspiel der UEFA EURO 2012 zum Sieg gegen den Titelverteidiger führen.
Nach einer fantastischen Saison bei Juventus, in der er beim Meisterschaftsgewinn nur ein Spiel verpasste, avancierte Pirlo auch in Polen und der Ukraine zum führenden Kopf im Spiel der Azzurri. Der klassische Regisseur lenkte Italiens Spiel in einer etwas zurückgezogenen Position hinter drei Mittelfeldspielern.
Ein feines Freistoßtor gegen Kroatien, einige Assists und drei Auszeichnungen zum Carlsberg Mann des Spiels - mehr als jeder andere Spieler - bedeuten, dass er derjenige sein wird, auf den seine Teamkollegen sowie Trainer Cesare Prandelli am Sonntagabend schauen werden.
"Unser zentrales Mittelfeld hat viel Qualität. Wir rennen viel und setzen den Gegner unter Druck, und mit Andrea Pirlo haben wir einen Spieler, der etwas Besonderes mit dem Ball veranstalten kann", sagte Prandelli auf der Abschlusspressekonferenz vor dem Finale. "Die anderen Mittelfeldspieler schaffen häufig einfach nur Freiräume für ihn und geben ihm den Ball, damit er das Spiel kontrollieren kann."
Aber auch Xavi könnte im Olympiastadion von Kyiw wieder eine bedeutende Rolle spielen. Der Mittelfeldspieler vom FC Barcelona brachte die meisten Pässe aller Akteure des Turniers an einen Mitspieler - insgesamt 455, das sind 101 Zuspiele mehr als von Pirlo. Beide Spieler haben die FIFA-Weltmeisterschaft gewonnen, aber Xavi könnte Geschichte schreiben, da noch nie ein Spieler in zwei gewonnenen EURO-Endspielen aufgelaufen ist. "Wir haben großartige Dinge erreicht", sagte Xavi, der mit seinen 32 Jahren acht Monate jünger als Pirlo ist. "Wir können uns glücklich schätzen, über solch eine großartige Generation von Fußballern zu verfügen."
"Wir wollen weiterhin Geschichte schreiben und wir haben eine weitere Chance. Wir wollen es genießen und können uns glücklich schätzen, weil wir bereits unser zweites [EURO] Endspiel bestreiten. Wir wollen allen zeigen, dass diese Mannschaft immer noch hungrig auf Erfolge ist und wir guten Fußball spielen."
Für Xavi startete Spaniens Erfolgszyklus mit dem Amtsantritt von Vicente del Bosques Vorgänger. "Luis [Aragonés] war der Wendepunkt", sagte Xavi nach der UEFA EURO 2008. "Er ging das Risiko ein, auf kleinere Spieler zu setzen. Das begann mit ihm; er setzte auf [Andrés] Iniesta, [Santi] Cazorla, Cesc Fàbregas, [David] Silva und [David] Villa."
"Wir wollen spektakuläre Spiele zeigen. Fußballer wie Pirlo und Spieler der spanischen sowie italienischen Mannschaft haben einen ähnlichen Stil, deshalb bin ich sehr glücklich, dass die Tendenz dahin geht, dass wieder mehr Angriffsfußball gespielt wird." Da kann man wohl kaum widersprechen.
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