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Russlands Semshov heiß auf den Juni

Mittelfeldspieler Igor Semshov möchte mit Russland bei der Endrunde im Sommer in die Spuren von Lev Yashin und Co. treten, die 1960 den Titel holten. Er kann das Turnier kaum erwarten.

Igor Semshov bestritt in der Qualifikation zur UEFA EURO 2012 sieben Spiele
Igor Semshov bestritt in der Qualifikation zur UEFA EURO 2012 sieben Spiele ©Alexander Safonov

Als die Sowjetunion 1960 die erste Nation wurde, die den Henri Delaunay-Pokal gewann, da kamen acht Spieler, die in der Startelf standen, aus der damals größten Republik, aus Russland. Sie erreichten bald zwei weitere Endspiele, aber spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte der neue, unabhängige Staat Probleme, an alte Zeiten anzuknüpfen. Aber dann erreichten sie 2008 das Halbfinale der UEFA-Europameisterschaft, was vielleicht der Startschuss zu einer neuen Erfolgsgeschichte in diesem Wettbewerb war.

"Ich wollte nicht aufhören”, erinnert sich Mittelfeldspieler Igor Semshov. "Normalerweise ist es genug, für eine Woche oder zehn Tage weg zu sein und dann heimzukommen, aber diesmal wünschte ich, dass das Turnier immer weitergehen würde. [Guus] Hiddink sorgte im Lager für eine großartige Atmosphäre, und ich denke oft zurück an diese Momente, als wir für einen Monat zusammen lebten, miteinander geredet und zusammen gespielt haben.

"Wir verloren das Auftaktspiel gegen Spanien [1:4], aber Hiddinks weise Worte halfen uns, weiterzumachen. Er zeigte uns unsere Fehler und wir haben daraus gelernt. Der Übergang von Guus zu Dick Advocaat war einfach, weil sie beide die gleiche Einstellung zum Leben und zum Umgang mit den Spielern haben."

Ein erfahrener Niederländer ging, der andere kam nach der verpassten Qualifikation für die FIFA-WM 2010, eine Wunde, die Semshov bei der Endrunde in diesem Sommer endgültig heilen will. "Ich denke, das hat schon unsere Qualifikation geschafft, aber das war für mich schon sehr schmerzvoll", sagte der Mittelfeldspieler des FC Dinamo Moskva. "Wir konnten bei der WM nur zuschauen, und wir mussten uns sagen, dass wir nicht eine der schlechtesten Mannschaften dort gewesen wären und eigentlich zu den besten gehört hätten."

Nun also das Zeitalter von Advocaat. In dessen Mannschaft kämpfen Vyacheslav Malafeev und Igor Akinfeev noch immer um den Stammplatz zwischen den Pfosten, während das Trio des PFC CSKA Moskva, bestehend aus Sergei Ignashevich und den Berezutski-Zwillingen im Abwehrbereich für Stabilität sorgt, und Andrey Arshavin sowie Roman Pavlyuchenko vorn gefährlich sind.

In der Gruppe A bekommt es Russland mit der Tschechischen Republik, Griechenland und Gastgeber Polen zu tun. "Das sind keine Topmannschaften, aber jede Gruppe hat ihre Schwierigkeiten", sagte Semshov. "In unserer haben die Mannschaften einen ähnlichen Spielstil. Ich denke, dass aus psychologischer Sicht jeder in dieser Gruppe hätte spielen wollen, aber es wird nicht einfach, denn es gibt keine schwachen Teams bei einer Europameisterschaft.“

In der Tat haben Außenseiter schon oft für eine Sensation gesorgt. Semshov saß auf der Bank, als bei der UEFA EURO 2004 in Portugal Russland die einzige Mannschaft war, die den späteren Titelträger Griechenland schlagen konnte, der krasser Außenseiter bei diesem Turnier war. Wenn sich beide Teams am 16. Juni erneut in Warschau gegenüberstanden, wird es das dritte Mal in Folge bei einer EURO sein; vor vier Jahren gewann Russland, als Semshov in der Startelf stand, mit 1:0.

"Bei Griechenland findet derzeit ein Generationenwechsel statt, sodass es schwierig ist zu sagen, was deren Ziel ist", fügte er hinzu. "Da gibt es Spieler, die schon in Portugal dabei waren, und da gibt es einige Neue. Aber seitdem Otto Rehhagel weg ist, hatte die Mannschaft Ideen und es gab Neuerungen. Sie haben sich für die letzte WM und die letzte EURO qualifiziert, sodass sie eher stark und voller Selbstvertrauen sind.“

"Die Tschechische Republik geht durch einen ähnlichen Wechsel, aber jede Mannschaft wird ihren eigenen Anführer haben, und die Rangliste bedeutet gar nichts. In einem Spiel mag manches nicht funktionieren oder wir können über unserem Potenzial spielen. Viele Leute wissen nicht, was man von Russland erwarten soll, das ist unser Vorteil.“

Und dann geht es noch gegen Polen, da werden sie sich ein Bild davon machen können, wie es ist, Gastgeber zu sein, denn das sind sie ja bei der WM 2018. Erstes Ziel ist es, die Gruppe A zu überstehen, aber gern kann es auch noch mehr sein. Und dabei denkt Semshov an Lev Yashin und seine Kollegen, die 1960 triumphierten.

"Jeder, der Fußball spielt, kann nur davon träumen, ob man ein kleiner Junger ist oder ein Erwachsener", sagte Semshov. "Nicht jeder kann bei einem solch großen Turnier den Stolz seines Landes verteidigen. Wir wissen, was uns erwartet.“