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Zidane erinnert sich an seinen goldenen Sommer 2000

Veröffentlicht: Montag, 5. März 2012, 9.29MEZ
Nach Frankreichs Triumph bei der FIFA-WM 1998 wurde Zinédine Zidanes Gesicht per Beamer auf die Fassade des Arc de Triomphe geworfen, doch laut eigener Aussage zeigte der Spielmacher bei der UEFA EURO 2000 bessere Leistungen.
von Matthew Spiro
Zidane erinnert sich an seinen goldenen Sommer 2000
Zinédine Zidane jubelt mit Nicolas Anelka über Frankreichs Halbfinalsieg gegen Portugal ©Getty Images
 
Veröffentlicht: Montag, 5. März 2012, 9.29MEZ

Zidane erinnert sich an seinen goldenen Sommer 2000

Nach Frankreichs Triumph bei der FIFA-WM 1998 wurde Zinédine Zidanes Gesicht per Beamer auf die Fassade des Arc de Triomphe geworfen, doch laut eigener Aussage zeigte der Spielmacher bei der UEFA EURO 2000 bessere Leistungen.

Am 12. Juli 1998 war in der französischen Hauptstadt eine Ikone geboren. Nur Augenblicke nachdem er Frankreich mit seinen zwei Toren gegen Brasilien zum FIFA-Weltmeister gemacht hatte, wurde Zinédine Zidanes Gesicht per Beamer auf die Fassade des Arc de Triomphe in Paris geworfen, sodass die dynamische Nummer 10 wie ein Gott auf die ausgelassenen Partys auf der Champs Elysées herabblicken konnte.

Dieser bescheidene, anspruchslose und brillante Fußballer algerischer Herkunft wurde zum Erfolgssymbol im multikulturellen Frankreich von heute und zum Held seines Volkes. Schon mit 26 tat sich der in Marseille geborene Mittelfeldregisseur hervor, und seine spielentscheidende Leistung gegen Brasilien ist zurecht in die Fußball-Geschichte eingegangen. Doch um ehrlich zu sein, war sein Gesamtbeitrag zum Turnier eher sporadisch, nachdem er im zweiten Spiel gegen Saudi-Arabien des Feldes verwiesen und für zwei Spiele gesperrt worden war.

Zwei Jahre später sah es schon anders aus. Bei der EM in Belgien und den Niederlanden drückte Zidane einem großen Turnier seinen Stempel auf, wie es seit Diego Maradona 1986 kein Spieler mehr geschafft hatte. Vom ersten Spiel gegen Dänemark bis hin zum Finale gegen Italien glänzte Zizou mit seinen Leistungen. Mit geschickten Hackentricks, faszinierenden Übersteigern, Tempo-Dribblings und meisterhaftem Spielverständnis spielte er seine Gegner schwindelig. "Ich habe an mich geglaubt", erinnert er sich. "Ich würde sagen, 2000 war eines der besten Jahre meiner Karriere. Ich war in guter körperlicher Verfassung und alles, was ich tat, gelang mir."

Frankreichs Nationalelf von 2000 strotzte nur so vor Stärke, da Youngsters wie Thierry Henry, Patrick Vieira und Nicolas Anelka die erfahrenen Spieler wie Marcel Desailly, Laurent Blanc und Didier Deschamps wunderbar ergänzten. Aber ihr Triumph wäre ohne Zidanes immensen Beitrag sehr wahrscheinlich nicht möglich gewesen. "Wir waren sehr zuversichtlich, aber ich finde, die EURO ist noch schwerer zu gewinnen als die WM", erklärt er. "Es gibt nur große Mannschaften. Bei einer WM hat man Zeit, in Schwung zu kommen, aber hier darf man sich keinen einzigen Fehler leisten."

Zidane muss sich in seiner Meinung bestätigt gefühlt haben, als Frankreich in eine Gruppe mit Dänemark, der Tschechischen Republik und den Niederlanden gelost wurde. "Es war eine wirklich schwere Gruppe", sagt er, "aber ich glaube, das war gut. Dadurch mussten wir sofort alles in die Waagschale werfen." Genau das tat Frankreich, als sie Dänemark mit 3:0 abfertigten, bevor sie die Tschechen 2:1 schlugen. "Wir deklassierten Dänemark, wenn ich mich recht erinnere. Wir sahen richtig gut aus, und Thierry Henry spielte hervorragend. Wir profilierten uns also von Beginn an."

Es war wohl kaum überraschend, dass er nach der 2:3-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen die Niederlande, als er geschont wurde, im Viertelfinale gegen Spanien seine bis dahin beste Leistung zeigte. "Was mich angeht, hat hier das Turnier so richtig angefangen", sagte Zidane, der die Abwehr der Spanier nach 32 Minuten mit seinem grandiosen Freistoß endlich überwand. "Die Gruppenspiele waren schwer, aber wir wurden nie so gefordert wie gegen Spanien." Nach Gaizka Mendietas Elfmetertor erzielte Youri Djorkaeff einen brillanten Siegtreffer. "Wir wussten, dass wir alles geben mussten, und das machten wir. Das Spiel gegen Spanien zeigte uns, wo wir standen, und von dem Moment an spürten wir, dass wir zu Großartigem fähig waren."

Als leidenschaftlicher Olympique-de-Marseille-Fan war Zidane unter den Zuschauern im Stade Vélodrome, der Spielstätte seines Vereins, als Michel Platini Frankreich bei der EURO 84 im Halbfinale gegen Portugal zum Sieg schoss. Davon war er tief beeindruckt – nicht zuletzt, weil das Spiel an seinem 12. Geburtstag stattfand – und diese Erinnerungen sind ihm im Vorfeld des Spiels gegen Portugal in Brüssel 16 Jahre später wieder präsent.

"Vor Spielen verließ ich immer die Kabine und beschäftigte mich ein wenig allein mit dem Ball. Da kamen Erinnerungen auf und ich dachte: 'Wow, vor 16 Jahren habe ich im Vélodrome Frankreichs Sieg über Portugal gesehen. Jetzt habe ich die Chance, das zu tun, was sie damals taten, als ich ihnen als Fan zusah'."

Zidane erfüllte die Rolle von Platini mit Perfektion. Er war im Stade Roi Baudouin im Grunde nicht zu verteidigen. Mühelos bestritt er seine Zweikämpfe und leitete einen Angriff nach dem anderen ein. Er wurde zwar 1998 Europas Fußballer des Jahres, doch hier schien Zidane auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu sein. Die Franzosen gerieten durch ein Tor von Nuno Gomes früh in Rückstand, doch Henry traf zum Ausgleich, bevor das Spiel drei Minuten vor Ende der Verlängerung entschieden wurde: Sylvain Wiltords Schuss traf Abel Xaviers Arm, und es wurde auf Handelfmeter entschieden.

Die Proteste der Portugiesen zögerten die Ausführung des Strafstoßes hinaus und die Spannung wurde fast unerträglich. Ein Mann blieb jedoch völlig ruhig. "Es dauerte ein bisschen, ehe es nach dem Handspiel zur Ausführung des Elfmeters kam", erinnert sich Zidane. "Es gab mir Zeit, Atem zu schöpfen und mich zu sammeln. Ich wusste, dass ein Tor unsere Finalteilnahme bedeutete [wegen der Golden-Goal-Regel]. Ich fühlte mich gut. Ich habe nicht an mir gezweifelt. Ich wusste, was ich tun wollte, und tat es." Mit einem Schuss, der platzierter nicht hätte sein könne, zirkelte er den Elfmeter in die obere Torecke.

Mehr Drama folgte im Finale, als Frankreich wieder in Rückstand geriet. Diesmal war es Marco Delvecchio, der Italien in der 55. Minute in Führung brachte. Zidane erinnert sich, dass sie "eine lange Zeit nicht ins Spiel kamen", aber nach Wiltords Treffer in der vierten Minute der Nachspielzeit hatte er wenig Zweifel an Frankreichs Sieg. "Wir sagten uns, dass wir gewinnen würden, wenn wir ausglichen. In der Verlängerung spielte nur ein Team. So war das." David Trezeguet sorgte schließlich für die Vollendung.

Anders als 1998 und 2006 traf Zidane in diesem speziellen Spiel nicht. Dennoch hat das Fußballgenie das Turnier auf unvergessliche Art und Weise geprägt.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus dem offiziellen Vorbericht zur UEFA EURO 2012. Klicken Sie hier, um zu bestellen.

Letzte Aktualisierung: 04.02.14 12.33MEZ

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