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Fußballkultur: Polen

Bei der UEFA EURO 2012 werden zahlreiche Fans nach Polen strömen, aber der Bau der neuen Stadien für die Endrunde hat bereits für mehr Unterstützung gesorgt und eine über 100-jährige Fußballtradition zementiert.

Fußballkultur: Polen

Polen, das eine über 100-jährige Fußballtradition aufweisen kann, hat eine lebendige Fankultur. Mit dem Bau der neuen Stadien hofft man darauf, dass im Vorfeld der UEFA EURO 2012 noch mehr Zuschauer zu den Spielen in der Ekstraklasa strömen.

Fankultur
Der Erfolg der polnischen Mannschaften im Europapokal und das lautstarke Auftreten der polnischen Fans bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 und der UEFA EURO 2008 haben für eine zunehmende internationale Wahrnehmung von Polens Fankultur gesorgt. Die einheimischen Fans sind scharf darauf, bei jedem Spiel eine große Show zu bieten, bei den meisten Partien wird 90 Minuten lang für Stimmung gesorgt - egal ob man gewinnt oder verliert. Die Zuschauer bringen Spruchbänder und Fahnen in die Stadien mit, die Fans der Heimmannschaften sind immer wieder darauf erpicht, ihre Kreativität mit neuen Choreographien für jedes Spiel zu zeigen.

Wichtige Derbys
Legia Warszawa gegen KKS Lech Poznań - das "Polnische Derby" bringt die beiden Mannschaften mit den meisten Fans zusammen

Wisła Kraków gegen MKS Cracovia Kraków - das große Spiel im historischen Krakau wird als Święta Wojna (Heiliger Krieg) bezeichnet

Ruch Chorzów gegen Górnik Zabrze - das Duell der beiden Topmannschaften aus Schlesien

ŁKS Łódź gegen RTS Widzew Łódź - das große Spiel in der Stadt Lodz, in der 1927 das erste Spiel in der polnischen Premier League ausgetragen wurde

KSP Polonia Warszawa gegen Legia Warszawa - das größte Duell in der Hauptstadt

Glücksbringer
Kazimierz Górski, der Polen in den goldenen 70ern trainiert hatte, hatte den wohl weitverbreitetsten Aberglauben in seinem Heimatland, indem er sich am Tag eines Spiels nicht rasiert hat. "Vielleicht liegt es daran, dass wir solch einen stressigen Job haben, dass wir so abergläubisch sind", sagte der frühere polnische Nationaltorhüter Jerzy Dudek, der selber ein paar Ticks hatte - er musste immer zuerst seinen linken Socken und seinen linken Handschuh anziehen, wenn er sich für eine Partie vorbereitete, und wenn er in der Liga ein Heimspiel gewinnen konnte, tauchte er bei der nächsten Begegnung in einem Anzug und mit Krawatte auf.

Lieder und Tänze
Die französische Nationalhymne "La Marseillaise" hat sich auf den polnischen Tribünen mit einer Vielfalt an neuen Texten als wandlungsfähiges Lied erwiesen. Die folgenden Lieder hört man üblicherweise:

"Nic się nie stało" (Das heißt nichts) - wird gesungen, um eine Mannschaft aufzubauen, nachdem sie ein Tor kassiert hat

"Idźcie do domu, my nie powiemy nikomu" (Geht heim, wir werden Niemandem etwas erzählen) - damit werden gegnerische Spieler und Fans während einer deftigen Pleite aufgezogen

"Gramy u siebie" (Wir spielen zu Hause) - wird von den gegnerischen Fans gesungen, wenn sie glauben, dass sie lauter sind als das Heimkontingent

"Jeszcze jeden, jeszcze jeden" (Eins mehr, eins mehr) - wird nach einem Torerfolg gesungen

"Druga strona odpowiada! Kto dziś wygra mecz? – Polska, kto? Polska, kto? Polska, do boju, do boju, do boju POLSKA"
(Erzählt uns da drüben! Wer wird das Spiel gewinnen? Polen, wer? Polen, wer? Polen, kämpft, kämpft, kämpfe POLEN) - wird bei Spielen der polnischen Nationalmannschaft auf den Tribünen rauf- und runtergesungen

Witz und Scharfsinn
"Es ist besser, einen schlechten Trainer mit viel Glück zu haben als einen guten ohne Glück" - Górski, Polens Trainer während der Blütezeit in den 70er Jahren

"Der Ball ist immer rund und auf jedem Spielfeld gibt es zwei Tore" - Górski mit Fußballweisheiten

"Wenig Ballbesitz, dafür aber cleveren, ist besser als viel bescheuerten" - Zbigniew Boniek, Polens früherer Superstar und Nationaltrainer

"Es gibt keine gehaltenen Elfmeter, nur schlecht geschossene" - Jan Tomaszewski, Polens Nationaltorhüter in den 70er Jahren

"Wenn man am Ende des ersten Durchgangs 0:3 hinten liegt, sollte man nicht an Wunder glauben, aber anfangen, an sich selbst zu glauben! Und man sollte im zweiten Durchgang viel Glück haben" - Dudek erklärt die Philosophie, wie Liverpool FC nach einem 0:3-Rückstand gegen den AC Milan ein 3:3-Remis holte und das Endspiel der UEFA Champions League 2005 im Elfmeterschießen gewinnen konnte

Was ist da bloß los?
In den 70er Jahren wurde oben auf einer der Haupttribünen im Heimstadion von Legia Warszawa eine Werbung für einen Rasierer platziert - eine vielleicht seltsame Entscheidung, wenn man an den Aberglauben in Sachen Fußball und Rasieren denkt. Ob Polsilver dadurch mehr Klingen verkaufen konnte, wird ein Geheimnis bleiben, doch die Werbung traf aus anderen Gründen ins Schwarze - die fanatischsten Fans des Klubs kamen in diesem Bereich zusammen, weshalb die Tribüne in Żyleta (die große Rasierklinge) umbenannt wurde. Auch heute noch ist es ein wichtiges Symbol für den Klub.