Der 13:0-Sieg der Deutschen gegen San Marino in Serravalle am 6. September 2006 bedeutete einen neuen Rekord für UEFA-Europameisterschaften, vierfacher Torschütze war damals Lukas Podolski.
Die Ukraine hat sich seit der Auflösung der Sowjetunion sowohl auf internationaler als auch auf Vereinsebene als ernst zu nehmende Fußballnation etabliert, doch auch schon davor war sie Sinnbild für exzellenten Fußball. Angefangen von dem leidenschaftlichen und legendären Trainer Valeriy Lobanovskiy bis hin zu den drei Gewinnern des Ballon d'Or war die Ukraine schon immer eine herausragende Fußballnation im Osten.
Dynamo dominiert
Obwohl die heutige Ära mit der Gründung des Ukrainischen Fußballverbands (FFU) als selbstständiger Verband am 6. März 1991 begann, konnte das gerade unabhängig gewordene Land nach dem Ende der sowjetischen Hegemonie auf eine reiche Tradition bauen. Die Ukraine war dank der Erfolge des FC Dynamo Kyiv, der die Vorherrschaft der Moskauer Klubs mit seinem ersten Titel in der sowjetischen Liga 1961 beendete, die dominierende Republik in der ehemaligen UdSSR. Die Bilo-Syni (Weiß-Blauen) gewannen in der Sowjetunion insgesamt 13 Meisterschaften sowie neun Pokale, die meisten davon während Lobanovskiys zwei Amtszeiten von 1974 bis 1990.
Lobanovskiy als Wegbereiter
Bekannt als "der Meister", war der innovative Trainer berühmt für seine wissenschaftlichen Ansätze und detaillierten Analysen von Statistiken und Strategien, die es ihm erlaubten, eine Anhäufung von guten, wenn nicht brillanten Einzelspielern zur einem Furcht erregenden Team zu formen. Stand er bei Dynamos erstem großen Titel 1961 noch selbst als Flügelspieler auf dem Platz, führte er den Klub als Trainer zu acht Meisterschaften, sechs Pokalsiegen sowie zum Gewinn des Pokals der Pokalsieger 1974/75 und 1985/86. Danach kam er mit der UdSSR bis in das Finale der UEFA-Europameisterschaft 1988 (mehr dazu später), ehe er von 1997 bis 2002 wieder zu Dynamo zurückkehrte und fünf ukrainische Meisterschaften sowie drei Pokalsiege feierte. Sein Tod im Jahr 2002 ließ das ganze Land trauern und tausende Menschen strömten auf die Straßen, als sich der Leichenwagen den Weg zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Baykove bahnte.
Shakhtar übernimmt das Kommando
Dynamo ist mit 13 Meisterschaften und neun Pokalsiegen seit der Unabhängigkeit der erfolgreichste Klub des Landes, und erreichte unter Lobanovskiy - wem sonst? - zudem das Halbfinale der UEFA Champions League 1998/99. Die erste ukrainische Meisterschaft gewann der SC Tavriya Simferopol von der Halbinsel Krim, doch danach war Dynamo neun Mal in Folge an der Reihe, ehe sich der FC Shakhtar Donetsk in der Saison 2001/02 den ersten seiner insgesamt sechs Titel holte. Die "Kumpel" haben ihren Dauerrivalen zuletzt auch in Europa übertrumpft, nachdem sie die Hauptstädter im Halbfinale des UEFA-Pokals 2008/09 besiegten, und sich am Ende den letzten Titel in diesem Wettbewerb sicherten.
Erfolg am Fließband
Shakhtars Erfolg ist nicht zuletzt auf die Integration einiger brasilianischer Talente zurückzuführen, doch auch die Ukraine brachte schon immer talentierte Spieler hervor. Mit Oleh Blokhin, Igor Belanov und Andriy Shevchenko - Europas Fußballer der Jahre 1975, 1986 und 2004 - gewannen bereits drei Spieler den Ballon d'Or. Und auch Spieler wie Yevhen Rudakov, Volodymyr Muntyan, Oleksiy Mykhaylychenko, Anatoliy Demyanenko, Volodymyr Bezsonov, Serhiy Rebrov und Anatoliy Tymoshchuk sorgten für den guten Ruf des ukrainischen Fußballs.
"Verkleidetes Dynamo Kyiv"
Vor der Unabhängigkeit bildeten vor allem die Spieler aus der Ukraine das Rückgrat der sowjetischen Nationalmannschaft. Die Republik erwies sich als wertvolle Ressource für die Nation, die 1960 die erste UEFA-Europameisterschaft gewinnen konnte, sowie drei weitere Male den zweiten Platz belegte. Für die Endrunde 1988 nominierte Lobanovskiy elf Spieler von seinem Klub, wobei die Bezeichnung "verkleidetes Dynamo Kyiv" entstand. Im Finale verlor die UdSSR dann jedoch gegen die Niederlande um Superstar Marco van Basten.
Bereit für die UEFA EURO 2012
Ähnliche Erfolge blieben allerdings aus, seit die Ukraine im April 1992 das erste Länderspiel - eine 1:3-Heimniederlage gegen Ungarn - bestritt. Die Fans des Landes erlebten schon viel Herzschmerz, nachdem der Nation nach Play-off-Niederlagen die Teilnahme an der UEFA EURO 2000 sowie an den FIFA-Weltmeisterschaften 1998, 2002 und 2010 verwehrt blieb. 2006 gelang dann endlich der Durchbruch und Blokhin führte die Mannschaft bei der WM in Deutschland als Trainer bis ins Viertelfinale. Nach vier Jahre Pause ist der ehemalige Angreifer von Dynamo zurück, und will bei der UEFA EURO 2012 ein weiteres Stück Geschichte im ukrainischen Fußball schreiben.
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