Leipzig verabschiedet sich erhobenen Hauptes

Für RB Leipzig ist nach der Gruppenphase in der UEFA Champions League Schluss. Dennoch betonen Spieler und Trainer auch die positiven Aspekte. Jetzt wollen sie in der Europa League für Furore sorgen.

Es war noch einmal ein großes Fußballfest im Leipziger Stadion. Die Mannschaft zeigte begeisternden Offensiv-Fußball, und die Zuschauer in der ausverkauften Arena feierten ihre Spieler. Das ist das eine Gesicht von RB. Das andere ist das einer Mannschaft, die in ihrer ersten Saison in der UEFA Champions League Lehrgeld gegen cleverere Teams gezahlt hat. Auch insofern war die 1:2-Niederlage gegen Beşiktaş zum Abschluss ein Abbild der gesamten Gruppenphase.

"Wir haben es trotz unzähliger Chancen nicht geschafft, genügend Tore zu erzielen", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl. "Wir haben uns ordentlich präsentiert, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Es gibt eben solche Tage, an denen man viel richtig macht und dennoch mit leeren Händen dasteht." Seinem Team fehle es eben noch gegen die abgezockten Mannschaften in der Champions League an Erfahrung. "Wir hatten fußballerisch einiges aufzubieten. Aber es gehören eben noch andere Attribute dazu", sagte der Österreicher.

Gegen Beşiktaş hatte sein Team zahlreiche Chancen, scheiterte aber immer wieder an den eigenen Nerven oder an Gäste-Keeper Tolga Zengin. Der 34-Jährige brachte vor allem Leipzigs Stürmer Jean-Kévin Augustin, der überraschend den Vorzug vor Yussuf Poulsen erhalten hatte, und Timo Werner zur Verzweiflung. "Wir hatten heute Chancen für zwei Spiele, der gegnerische Keeper ist über sich hinausgewachsen. Wir haben alles versucht und sind erhobenen Hauptes ausgeschieden", fasste Kapitän Willi Orban das Spiel treffend zusammen.

Naby Keïta erzielte Leipzigs vorest letztes Tor in der Königsklasse
Naby Keïta erzielte Leipzigs vorest letztes Tor in der Königsklasse©AFP/Getty Images

Auch nach der frühen Führung der Gäste durch Álvaro Negredo arbeitete RB mit Hochdruck am Ausgleich. Der fiel durch Naby Keïta in der 87. Minute aber zu spät, wie Kevin Kampl anmerkte: "Wir hätten den Ausgleich früher machen müssen." Dass kurz vor Schluss noch der Siegtreffer für Beşiktaş durch Talisca fiel, speilte für den Ausgang der Gruppenphase keine Rolle mehr. Denn Leipzigs Fern-Rivale FC Porto führte zu diesem Zeitpunkt längst deutlich und gewann am Ende mit 5:2 gegen AS Monaco.

Wie man die Spiele in der Königsklasse für sich entscheidet, zeigte auch Besiktas eindrucksvoll. Ungeschlagen ist der türkische Meister geblieben und zog als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. "Ich möchte meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen", sagte Cenk Tosun im ZDF und blickte schon einmal auf das Achtelfinale voraus: "Einen Wunschgegner gibt es nicht, es sind die 16 besten Mannschaften. Wenn die Bayern kommen, dann ist das schön."

RB Leipzig wird indes versuchen, im kommenden Jahr einen neuen Angriff in der Königsklasse zu starten. Bis dahin können die Sachsen als Drittplatzierter ihrer Gruppe nun in der UEFA Europa League ihr internationales Profil schärfen. Auch dort werde man versuchen, "alles rauszuholen. Und dann werden wir sehen, was drin ist", sagte Marcel Halstenberg. Für die Leipziger Fans hofft der deutsche Nationalspieler dann "auf einen großen Kracher".

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