Robbens #UCL-Reise: "Arjen hat's gemacht"

Im zweiten Teil unseres Rückblicks auf die bisherige Reise von Arjen Robben in der UEFA Champions League geht es um seine Höhen und Tiefen im Bayern-Trikot.

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Arjen Robben spielt mittlerweile seine neunte Saison beim FC Bayern. Dabei gab es am Anfang seiner Zeit in München eine negative Stimme in seinem Hinterkopf…

"Als ich Real Madrid verlassen habe, hat es sich ehrlicherweise wie ein Rückschritt angefühlt. Bayern war in den Jahren davor nicht so erfolgreich im Europapokal und ich wollte ja eigentlich auf dem allerhöchsten Niveau spielen. Ich wollte unbedingt die Champions League gewinnen."

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"Deshalb war Bayern eine schwierige Wahl für mich. Wenn man Real Madrid verlässt, dann weiß man, es gibt keinen Weg zurück. Aber ich musste und wollte diesen Schritt unbedingt machen. Und es hat sich gleich gut angefühlt. Louis van Gaal war Trainer hier und ich habe mich riesig darauf gefreut, mit ihm arbeiten zu können. Im Nachhinein lässt sich sagen: es war die beste Entscheidung meiner Karriere."

"Robbery" löst Angst und Schrecken aus

Auch aus Sicht des FC Bayern gab es sportlich wohl keine wichtigere Verpflichtung in den letzten zwei Jahrzehnten. Auch wenn es hin und wieder mit Franck Ribéry einige Reiberein gab, "Robbery" spielte regelmäßig die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig und führte den FC Bayern 2009/10 fast zurück auf den europäischen Thron. Dabei wäre man um ein Haar schon in der Gruppenphase gescheitert.

"Ja, wir haben es auf das letzte Spiel ankommen lassen damals. Wir mussten am sechsten Spieltag nach Turin und brauchten unbedingt einen Sieg. Das ist gegen Juventus nicht so einfach, aber wir haben es geschafft. In der Champions League gibt es immer wieder solche Momente. Es sind Kleinigkeiten, die am Ende für oder gegen Dich sprechen und das war ein unglaublich wichtiges Spiel für die gesamte Saison."

In der K.-o.-Phase dieser Spielzeit trumpfte Robben ganz groß auf. Seine Treffer waren aber nicht nur von enormer Bedeutung hinsichtlich "Tod oder Gladiolen", wie es van Gaal damals formulierte, es waren auch richtige Traumtore dabei.

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"Das war eine tolle Saison, aber ich weiß noch genau, dass wir einige enge Spiele hatten und nur dank der mehr geschossenen Auswärtstore weitergekommen sind. Es fing schon im Achtelfinale gegen Fiorentina an und auch gegen Manchester United war es so. In beiden Partien habe ich schöne Tore erzielt und zwar in Momenten, als wir eigentlich schon ausgeschieden waren."

2012 - wie konnte das schiefgehen?

Im Finale gegen Inter zahlte man jedoch Lehrgeld und im Endspiel zwei Jahre später war das Schicksal auf richtig brutale Art und Weise gegen den FC Bayern. Mehrere Monate hatte Bayern dem Traum vom "Finale dahoam" entgegengefiebert…

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  "Wir hatten dieses große Ziel, auch wenn uns klar war, dass es in der Champions League in jeder Runde schnell vorbei sein kann. Wir waren stark und hatten eine solide Saison. Im Halbfinale war es knapp gegen Real Madrid, aber wir haben sie bezwungen und durften zum Finale im eigenen Stadion spielen. Das war für jeden hier eine ganz besondere Sache."

"Ich weiß bis heute nicht, warum und wie wir dieses Endspiel verloren haben. Wir waren alle total überzeugt, dass wir den Pott holen. Es ist ein Mysterium, wie wir den Platz nicht als Gewinner verlassen haben."

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"Glück ist nicht das richtige Wort, aber Chelsea ist drei Mal dem Tod entkommen. Als wir das 1:0 gemacht haben, war ja nicht mehr viel Zeit. Dann habe ich noch einen Elfmeter verschossen und im Elfmeterschießen lagen wir vorne. Wir haben den Pokal aus den Händen gleiten lassen."

Es war die wohl bitterste Niederlage in der Karriere von Robben, gleichzeitig war sie aber auch extrem wertvoll und lehrreich.

Ein neuer Anlauf

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"Wenn man zwei Mal im Finale steht und beide verliert, dann ist das sehr schmerzhaft und so will man nicht in den Geschichtsbüchern enden. Wir waren fest entschlossen, es im nächsten Jahr erneut anzupacken, auch weil wir 2012 alle anderen Titel verpasst haben."

"Ab dem Tag nach dem Endspiel in München hat man gespürt, wie sich jeder ins Zeug hängt, um Wiedergutmachung zu betreiben. Das war einzigartig."

Die Entschlossenheit spiegelte sich auf dem Platz wider. Bayern legte eine furiose K.-o.-Runde hin, schaltete mit bärenstarken Leistungen drei Hochkaräter (Arsenal, Juventus und Barcelona) aus, um sich in Wembley einen Showdown mit Borussia Dortmund zu liefern.

Der Rest ist bekannt und noch heute singen die Bayern-Fans ein Lied über diesen Abend - mit Robben als Protagonisten. Aber wie war es damals eigentlich emotional für ihn - überwog die Erleichterung, nicht schon wieder verloren zu haben, oder konnte man der Freude freien Lauf lassen?

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"Puh, es war eigentlich eine Mischung aus beidem. Vor allem hat sich immer wieder der Gedanke in den Vordergrund gedrängt: 'Du hast es endlich geschafft. Jetzt hast Du dein ultimatives Ziel als Spieler und als Mannschaft erreicht.' Es sind eigentlich alle Emotionen an die Oberfläche gekommen, denn von so einem Moment hatte ich lange geträumt."

So dramatisch, wie der Traum schließlich Realität wurde, hätte ihn sich Robben aber wohl kaum ausmalen können. Mehrfach fand er bei Großchancen in BVB-Keeper Roman Weidenfeller seinen Meister, bis in der letzten Minute beim Stand von 1:1 sein großer Moment kam.

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Sekunden für die Ewigkeit

"Es war ein langer Ball, den Franck gut kontrolliert hat. In meinem Kopf habe ich nur gedacht: 'Du musst jetzt zum Sprint ansetzen.' Ich wusste irgendwie, dass er den Ball in meinen Laufweg bringen würde und exakt so kam es dann auch. Er hat ihn mit der Hacke weitergespielt, genau so, wie ich es antizipiert habe."

"Ich war wild entschlossen und deshalb konnte ich die Aktion auch zu Ende bringen. Vor mir stand nur noch Weidenfeller und mein erster Instinkt war, den Ball an seiner rechten Seite vorbeizuschieben. Aber in dem Bruchteil einer Sekunde ist er diese Bewegung mitgegangen, also habe ich ihn in die andere Ecke gelenkt und er hatte keine Chance. Es war ein Kullerball, aber es hat gereicht."

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Während die BVB-Fankurve völlig verstummte, genoss Robben den Moment mit dem Bayern-Anhang auf seine Art. Er war der Held des Abends, doch bevor die Fans das Lied mit der Zeile "der Arjen hat's gemacht" erschufen, war die Welt nicht ganz so heil. Für Robben alles Schnee von gestern:

"Eigentlich war die Beziehung vom ersten Tag an gut. Ich habe mich von Anfang an hier wohl gefühlt. Gleich in meinem ersten Spiel habe ich zwei Tore gemacht und seitdem ist dieser Verein meine Heimat geworden."

100 #UCL-Spiele

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Nicht viele Spieler schaffen es, sich beim Rekordmeister über so viele Jahre als Leistungsträger zu etablieren. Robben hat es in beeindruckender Art und Weise hinbekommen. Am dritten Spieltag der laufenden Saison knackte der Niederländer den Meilenstein von 100 Champions-League-Spielen.

"Das ist eine fantastische Errungenschaft für mich. Nach dem Spiel gegen Celtic habe ich darüber nachgedacht und überlegt, dass es schon sehr viel mehr sein könnten, wenn ich nicht so oft verletzt gewesen wäre. Aber ich bin stolz darauf, dass ich über so viele Jahre in der Champions League spielen durfte."

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