Ernst Happel - unvergessen und unerreicht

Auch 25 Jahre nach seinem Tod wird die österreichische Trainerlegende Ernst Happel noch immer verehrt: Wir erinnern an einen "Grantler" und "Wödmasta".

Mit dem Hamburger SV feierte Happel mit seine größten Erfolge
Mit dem Hamburger SV feierte Happel mit seine größten Erfolge ©Getty Images

Wenn am Dienstag, den 14. November in Wien das freundschaftliche Länderspiel Österreich gegen Uruguay in Wien angepfiffen wird, ist es nicht nur Franco Fodas erstes Spiel auf der Trainerbank der ÖFB-Auswahl: Es ist auch der Tag, an dem sich der Tod Ernst Happels zum 25. Mal jährt.

Die Spieler- und Trainerlegende, deren Name am Wiener Stadion prangt, überstrahlt bis heute Österreichs Fußballwelt. Bis kurz vor seiner Niederlage gegen den Krebs hatte Happel noch das Nationalteam betreut – ein 5:2-Sieg gegen Israel war sein letztes Spiel. Als Happel am 14. November 1992 seiner Erkrankung erlag und nur wenige Tage später in Wien beerdigt wurde, glich die Verabschiedung einem Staatsbegräbnis.

Der "Grantler" Happel, wie er oft bezeichnet wurde, war ein prototypischer Wiener. 1925 geboren, spielte er bald für Rapid, wo er noch heute abgöttisch verehrt wird. Unter anderem sechs Meistertitel, der Gewinn des Zentropapokals 1951 und insgesamt 240 Meisterschaftsspiele für Rapid brachten ihm den Beinamen "Zauberer" ein, da er als Stopper technisch und spielerisch unzählige Male aufzeigen konnte. So auch bei der Weltmeisterschaft 1954, als sich Österreich sensationell den dritten Platz im kleinen Finale gegen den amtierenden Weltmeister Uruguay sicherte.

Das Ernst-Happel-Stadion in Wien wurde nach der Trainerlegende benannt
Das Ernst-Happel-Stadion in Wien wurde nach der Trainerlegende benannt©Getty Images

Den Ur-Wiener zog es aber raus in die Welt. Erst spät in seiner Karriere sollte er in Österreich wieder Fuß fassen. Seine vielleicht größten Erfolge feierte er fernab seiner Heimat. Happel trainierte, nach einem Intermezzo als Fußballsektionsleiter bei Rapid, unmittelbar nach seinem Karriereende, bald in den Niederlanden. Nach ADO Den Haag, schließlich Feyenoord Rotterdam und erreichte dort größte Erfolge.

Ernst Happel war als Trainer der Zeit voraus, egal ob mit seinen Trainingsmethoden oder dem offensiven Spielansatz. Happel war ein Genie und das brachte ihm und seinen Spielern bei Feyenoord zwei Meistertitel, den Pokal der europäischen Meistervereine und den Weltpokal ein. Später sollte er sogar die niederländische Nationalmannschaft ins WM-Finale 1978 führen. In Österreich nannten sie ihn deshalb "Wödmasta", auch wenn das Finale gegen Argentinien mit 1:3 verloren ging.

Highlights: Der HSV gewinnt 1983 das Europapokal-Finale gegen Juventus mit 1:0
Highlights: Der HSV gewinnt 1983 das Europapokal-Finale gegen Juventus mit 1:0

Nach Stationen in Spanien und Belgien landete Happel schließlich 1981 beim Hamburger SV. Horst Hrubesch, Franz Beckenbauer und Co. hatten teilweise ihre Mühe mit den sehr direkten Anweisungen des Trainers und dem mürrischen Wesen des Menschen Happel, wussten aber, was sie an ihm hatten. Durch bedingungslosen Offensiv-Fußball erreichte Happel mit dem HSV bis 1987 unter anderem seinen zweiten Sieg im Landesmeister-Pokal, zwei deutsche Meisterschaften und den Gewinn des DFB-Pokals.

Franz Beckenbauer sagte nach Happels Tod über seinen Freund und Trainer: "Von seinem Fußballsachverstand her war Ernst Happel einer der größten Trainer aller Zeiten."

Mit Sprüchen wie "Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag" oder "Mir ist ein 5:4 lieber als ein 1:0" sowie unzähligen Duellen mit Journalisten hat Ernst Happel auch medial seine Spuren hinterlassen.

Vier Tage nach Ernst Happels Tod, am 18. November 1992, trafen Deutschland und Österreich in Nürnberg aufeinander. Das Duell der beiden Nationen, in denen Happel nachhaltig gewirkt hatte, endete mit 0:0. Im Gedenken an Ernst Happel lag 90 Minuten die Kappe der Trainer- und Spielerlegende auf der Trainerbank.

Ernst Happel und Horst Hrubesch - zwei Eckpfeiler des erfolgreichen HSV-Teams in den 1980er Jahren
Ernst Happel und Horst Hrubesch - zwei Eckpfeiler des erfolgreichen HSV-Teams in den 1980er Jahren©Getty Images