Robbens letzte Mission

Vor wenigen Wochen noch Sinnbild der Münchner Krise, hat sich Arjen Robben unter Jupp Heynckes zum Inbegriff des "neuen" FC Bayern entwickelt, vielleicht auch, weil es seine letzte Saison im Bayern-Trikot sein könnte.

Arjen Robben nach dem Sieg in Dortmund
Arjen Robben nach dem Sieg in Dortmund ©Getty Images

"Wahnsinn, das ist nur Wahnsinn", staunte Arjen Robben, "mehr kannst du darüber nicht sagen, dafür gibt es eigentliche keine Wörter." Natürlich meinte der niederländische Flügelflitzer damit vor allem die spektakuläre Aufholjagd des FC Bayern München unter Jupp Heynckes, die am Samstag in einem hoch verdienten 3:1-Erfolg bei Borussia Dortmund gipftelte, aber man hätte diese Worte auch ohne Widerspruch auf Robben selbst münzen können.

Der 33-Jährige ist so etwas wie das Sinnbild des Aufschwungs der Bayern. Wirkte er vor einigen Wochen unter Carlo Ancelotti noch zutiefst frustriert, verärgert und grüblerisch, präsentiert er sich seit Wochen als absoluter Leader und Motivator.

"Arjen ist nicht nur ein Weltklassespieler, sondern auch ein Vorbild für viele Spieler aufgrund seiner Professionalität", lobt ihn auch sein Coach. "Ein großartiger Mannschafts-Spieler, der vorneweg geht und auch defensiv arbeitet. Er sprüht vor Tatendrang und Ehrgeiz, das spürt man auch außerhalb des Platzes."

Robbens triumphaler Abgang im Celtic Park
Robbens triumphaler Abgang im Celtic Park©Getty Images

Das Motiv dafür liegt auf der Hand und Robben selbst macht auch keinen Hehl daraus: "Ich bin 33, und ich möchte immer noch etwas erreichen." Das war eigentlich schon immer so, lange galt der Perfektionist aus Groningen als "Alleinikov", der gerne mal den Nebenmann übersah, wenn es dem persönlichen Ruhm diente, heute feiern ihn Mitspieler und Fans und manchmal – wie zuletzt in der Champions League bei Celtic Glasgow – auch die gegnerischen Anhänger.

Alle wissen, dass Robben auf einer Art Mission ist, er will in seinem womöglich letzten Jahr im Bayern-Trikot – sein Vertrag läuft im Sommer aus - noch einmal den ganz großen Erfolg, national wie international. "Vielleicht ist es meine letzte Saison? Kann sein!", so Robben. "Jetzt ist es so, dass wir irgendwann dran sind, Franck [Ribéry] und ich. Aber Alter spielt keine Rolle. Du bist gut, oder du bist nicht gut."

Und Robben ist gut, verdammt gut sogar, das zeigte er nicht nur bei seinem 93. Bundesligator - dem 1:0 in Dortmund – mit dem er zum erfolgreichsten niederländischen Torschützen der Bundesliga wurde und gleichzeitig zum erfolgreichsten ausländischen Torschützen in der Geschichte des FC Bayern. "Das ist wieder eine Bestätigung in dieser langen Zeit hier, 93 Tore sind natürlich nicht nichts", freute sich Robben nach dem Dortmund-Spiel, richtete aber noch am selben Abend den Blick schon wieder nach vorne: "Alle sind natürlich in Jubelstimmung. Alles ist überragend und super, aber wir müssen schon bodenständig und ruhig bleiben, es ist erst Anfang November. Wir alle wissen, dass wir es noch besser können." Erinnert ein bisschen an das legendäre "Weiter, immer weiter!" des Oliver Kahn.

"Dass in Arjen eine Kraft arbeitet, die ihn immer vorantreibt", erzählt denn auch Vater Hans Robben in der SZ, "war nicht mehr zu übersehen, als er acht, neun Jahre alt war." Und es ist heute noch viel weniger zu übersehen. Auch Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic wusste nach dem Sieg beim BVB: "Arjen zeigt seine Qualität in solch großen Spielen" und attestierte ihm "120 Prozent" Leistung.

Lob prasselte also von (fast) allen Seiten auf Robben herab, den jedoch macht etwas ganz anderes stolz. "Was mich am meisten freut: dass ich seit der neue Trainer hier ist, alle Spiele bis zur letzten Minute gespielt habe und noch immer fit bin. Deswegen brauche ich jetzt eine Pause. Die wird mir auch guttun. Mit 33 noch so fit – das ist das Schönste!"