Bayern ohne Lewangoalski

Der FC Bayern muss beim schweren Spiel in Glasgow auf seinen Topstürmer Robert Lewandowski verzichten. Wir versuchen herauszufinden, welche taktischen und transferpolitischen Konsequenzen dies haben könnte.

Robert Lewandowski wird den Bayern bei Celtic fehlen
Robert Lewandowski wird den Bayern bei Celtic fehlen ©Getty Images

Es hatte sich schon am Samstag angedeutet, dass der FC Bayern bei Celtic Probleme in der Offensive bekommen könnte. Als Robert Lewandowski nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Leipzig sichtlich angeschlagen vom Platz humpelte, dachte so mancher Bayern-Fan mit Grausen an die letzte Saison zurück, als die Münchner vor allem "dank" der Schulterverletzung ihres Topstürmers in der UEFA Champions League so früh wie lange nicht mehr auf der Strecke geblieben waren.

Auch wenn der Pole kurz darauf erklärte, es sei nicht so schlimm, er habe nur eine Art Krampf im Oberschenkel verspürt, gingen die Münchner auf Nummer sicher und ließen ihren 10-Tore-Stürmer am Montag zuhause, während sich der Rest der Truppe gen Glasgow aufmachte.

Ohne ihn geht's zur Zeit beim FC Bayern nicht
Ohne ihn geht's zur Zeit beim FC Bayern nicht©Getty Images

"Wenn wir gegen Real Madrid gespielt hätten, wäre er mitgefahren", beruhigte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die entsetzten Fans. "Der Trainer will nichts riskieren. Er hat schon das Spiel am Samstag [in Dortmund] im Hinterkopf, das für uns sehr wichtig ist. Da wird Robert auf dem Platz stehen."

Stellt sich nun die Frage, wie die Münchner im Hexenkessel des Celtic Park ohne ihren einzigen zuverlässigen Torschützen auskommen wollen, zumal mit Thomas Müller und Franck Ribéry ja zwei weitere Offensivspieler verletzt fehlen und das in Leipzig auffällige Nachwuchstalent Kwasi Okyere Wriedt für die Königsklasse nicht gemeldet ist.

Der auf Lewandowskis Platz im Sonderflug LH2570 nach Schottland sitzende Manuel Wintzheimer dürfte kaum die Lösung sein, der 18-jährige Stürmer aus der Regionalligamannschaft darf sich wohl keine großen Hoffnungen auf einen Einsatz machen, auch wenn Rummenigge erklärte: "Klar haben wir ein paar verletzte Offensivspieler. Der Trainer lässt sich da aber immer wieder Dinge einfallen, die am Ende des Tages erfolgreich sind."

Dies bestätigt auch der Blick auf die bisherige Bilanz des neuen Bayern-Trainers, der in der Bundesliga vier Mal ohne Gegentor siegreich blieb und mit seinem Team im DFB-Pokal in Leipzig triumphierte – jeweils allerdings mit Lewandowski.

Seine Versuche mit Thiago, Arjen Robben oder Arturo Vidal in vorderster Spitze sahen am Samstag so wenig erfolgversprechend aus, dass auch Jérôme Boateng die Stirn gerunzelt hatte. "Eigentlich Wahnsinn, dass wir nur einen Stürmer haben", klagte der Nationalspieler und gab zu, dass die Situation "besorgniserregend" sei.

Vor dieser Saison hatten sich die Bayern - noch unter Carlo Ancelotti - bewusst gegen einen Backup für Lewandowski entschieden, nun hat ein Umdenken eingesetzt. "Wir schauen uns um", verspricht Sportdirektor Hasan Salihamidžić und erhält dabei unverhoffte Unterstützung von Lewandowski selbst. "Es wäre gut, wenn ich ein bisschen mehr Ruhe bekommen könnte", wünschte sich der 29-Jährige am Samstag. Kein Spieler könne "die ganze Saison 90 Minuten spielen. Diese Saison ist wirklich schwer."

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So wie sicher auch das Spiel in Glasgow, für das sich wenigstens der zuletzt angeschlagene Kingsley Coman zurückgemeldet hat. "Es wäre schön, wenn wir die drei Punkte holen, dann wären wir schon für das Achtelfinale qualifiziert", hofft Rummenigge. Auch Lewandowski würde sich zuhause sicher freuen, würde ihm das doch den einen oder anderen zusätzlichen freien Tag unter der Woche bescheren.