Vom Fliegenfänger zum Matchwinner

Noch vor vier Wochen galt er als größtes Problem des FC Bayern, doch seit Jupp Heynckes in München das Zepter schwingt, hat sich Torhüter Sven Ulreich zum Matchwinner entwickelt.

Javi Martinez bedankt sich bei Matchwinner Sven Ulreich
Javi Martinez bedankt sich bei Matchwinner Sven Ulreich ©Getty Images

Gewinner gibt es beim FC Bayern München viele, seit Jupp Heynckes Carlo Ancelotti auf der Trainerbank abgelöst hat, doch ein Spieler scheint in der Tat wie ausgewechselt. Vor exakt vier Wochen nach dem 0:3 in Paris und dem vorangegangenen Fehlgriff gegen Wolfsburg noch als Grashüpfer und Fliegenfänger verspottet, hat sich Torhüter Sven Ulreich seither viel Respekt verschafft und das nicht nur wegen seiner Elfmeterparade beim Pokal-Krimi in Leipzig.

"Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte, eine Runde weiterzukommen", freute sich der 29-Jährige anschließend und reichte das auf ihn herabprasselnde Lob gleich brav weiter. "Großes Kompliment an unseren Torwarttrainer, der die Elfmeter immer gut analysiert. Leider habe ich nur einen gehalten, aber der war entscheidend, weil unsere Jungs immer gut geschossen haben."

Elfmeter halten kann Sven Ulreich - hier im Supercup gegen den BVB
Elfmeter halten kann Sven Ulreich - hier im Supercup gegen den BVB©Getty Images

In die Reihe der Gratulanten reihte sich auch Manuel Neuer ein, der den Münchnern noch mindestens bis Ende Januar mit einem Mittelfußbruch fehlen dürfte. Auf Facebook postete er ein Bild von Ulreich und titelte dazu: "Elfmeterkiller - Titelbringer! Nach dem Supercup in Dortmund, nun im Pokalhit in Leipzig." Damit spielte Neuer auf Ulreichs Qualitäten im Elfmeterschießen an, die er bereits beim Superpokal-Triumph im August gegen die Dortmunder Sebastian Rode und Marc Bartra gezeigt hatte.

Zwischendurch schien der ehemalige Stuttgarter mit seiner Rolle als Neuer-Ersatz überfordert, doch seit Jupp Heynckes ihm gleich bei seinem Amtsantritt öffentlich den Rückengestärkt hat ("Sven Ulreich bleibt im Tor!"), spielt Ulreich mehr als nur solide und wurde in den vier Spielen gegen Freiburg, Celtic, den HSV und Leipzig nur einmal – per Elfmeter – bezwungen. "Sven hat nach den Spielen gegen Wolfsburg und Paris öffentlich viel abbekommen", nimmt ihn Joshua Kimmich in Schutz und betont, dass der Torhüter in der Mannschaft weit mehr Vertrauen genieße als bei Medien und Fans.

Der Tiefpunkt: Ulreich und die Bayern gehen in Paris unter
Der Tiefpunkt: Ulreich und die Bayern gehen in Paris unter©AFP/Getty Images

"Das war natürlich nicht einfach", blickt Ulreich auf diese scheinbar so weit zurückliegenden Tage zurück. "Wenn man einen Fehler macht, hat man das erst mal im Hinterkopf. Aber Fehler gehören zum Leben eines Torwarts dazu. Ich glaube, dass meine Spiele danach besser waren. Hoffentlich ist mein nächster Fehler noch weit entfernt."

Auch die Bayern-Oberen lassen keine Gelegenheit aus, ihrem einstigen Sorgenkind den Rücken zu stärken. "Er hat jetzt viel mehr Sicherheit und Stabilität, seit Jupp da ist", bescheinigt ihm zum Beispiel Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Ulreich selbst weiß um die Schwere der Aufgabe, den weltbesten Torhüter zu vertreten, lässt sich von der - teils gerechtfertigten, teils ungerechtfertigten - Kritik aber nicht aus der Ruhe bringen: "Manu ist der beste Torwart der Welt, deshalb ist es nicht leicht, ihn zu ersetzen", so Ulreich vor kurzem. "Wenn du ein Gegentor bekommst, weißt du, dass die Leute denken: 'Neuer hätte den gehalten'. In Stuttgart bekam man von der ersten Minute an Schüsse aufs Tor, das ist gut für einen Keeper. Bei den Bayern bekommt man vielleicht nur einen Ball aufs Tor, und den muss man halten, sonst gibt es Ärger."

Zumindest diese Sorge sollte Ulreich genommen sein, denn am Samstag gegen Leipzig dürfte er aller Voraussicht nach wieder alle Hände voll zu tun bekommen.