Nah dran an der Wachablösung?

Der FC Bayern hängt gegen Leipzig in den Seilen, zeigt dann aber die besseren Nerven. Vor dem nächsten Schlagabtausch am Samstag befassen wir uns mit einigen Erkenntnissen des Pokalthrillers.

Starkes Spiel! Wir freuen uns auf das nächste Kräftemessen
Starkes Spiel! Wir freuen uns auf das nächste Kräftemessen ©Getty Images

Was für ein unterhaltsamer Pokalabend! Der FC Bayern ist eine Runde weiter, für Leipzig gibt es "nur" Lob und Anerkennung - so das Kurzfazit eines Spiels, das sich auf der Spektakelskala dem 5:4-Sieg der Bayern bei Leipzig in der Bundesliga letzte Saison annäherte.

Während sich die Fans auf die Zugabe am Samstagabend freuen, tüfteln die beiden Trainer, wie sie den Gegner beim Bundesligaspiel in München überraschen können.  Zu den Erkenntnissen des Pokalthrillers gehört, dass Leipzig dem Underdog-Status entwachsen ist und der Rekordmeister noch immer Probleme hat, Lösungen in der Offensive zu finden.

Außerdem fiel auf:

Harter Fight, bitterer K.o.: Timo Werner nach dem Elfmeterschießen
Harter Fight, bitterer K.o.: Timo Werner nach dem Elfmeterschießen©Getty Images

Kraftsparender Fußball ist den Leipzigern fremd. Es war hohe Kunst, wie RB die Gäste in der ersten Halbzeit aggressiv bearbeitete und sie immer wieder zu langen Bällen zwang. Kann Leipzig diese Intensität am Samstag nochmals abrufen?

Nach 120 Minuten (und davon mehr als die Hälfte in Unterzahl) Dauerstress ist auf beiden Seiten jetzt das Team hinter dem Team gefragt. Wer die Speicher schneller wieder auffüllt und die müden Beine gründlicher knetet, hat am Wochenende die besseren Karten.

Heynckes gewann nach seiner Rückkehr auch sein viertes Spiel
Heynckes gewann nach seiner Rückkehr auch sein viertes Spiel©Getty Images

Bayern behält den Jupp-Effekt. Alle vier Spiele unter Jupp Heynckes haben die Münchner gewonnen. Die Serie ist jedoch in akuter Gefahr, denn Leipzig kommt mit "Jetzt erst recht"-Motivation in die Arena. Man kann sich vorstellen, wie allein Timo Werner - Schütze des einzigen verschossenen Elfers - darauf brennen wird, den Mittwochabend vergessen zu machen.

Heynckes (Zitat nach dem Spiel: "Man muss gegen Leipzigs Konterspiel einen Plan haben und den hatten wir heute") fand zurecht Lob für seine Mannschaft, wird aber auch zugeben müssen, dass man über weite Strecken nicht das überlegene Team war. Ralph Hasenhüttls Plan war jedenfalls nicht viel schlechter.

Ahnte bei den meisten Elfern die richtige Ecke: Péter Gulácsi
Ahnte bei den meisten Elfern die richtige Ecke: Péter Gulácsi©Getty Images

Péter Gulácsi muss sich vor niemandem verstecken. Leipzigs Torwart flog im Verhältnis zu anderen Bundesliga-Keepern lange unter dem Radar. Gestern flog er vor allem in jeden Bayern-Abschluss hinein, zwischendurch hechtete er auch mal in einen "Unhaltbaren" oder er zog in einer Blitzreaktion die Hand nach oben, um so einen Rückstand zu verhindern. Ganz großes Kino des Ungarn!

Es hätte zum Abend gepasst, wenn der 27-Jährige im Elfmeterschießen zum RB-Matchwinner geworden wäre. Bei den souveränen Elfern der Bayern war aber auch Gulácsi machtlos.

Mittendrin: Kwasi 'Otschi' Wriedt deutete sein Potenzial als echte Alternative an
Mittendrin: Kwasi 'Otschi' Wriedt deutete sein Potenzial als echte Alternative an©Getty Images

Willkommen im Rampenlicht, Otschi! Kwasi Okyere Wriedt hat den Trainerwechsel an der Säbener Straße genutzt und sich von den FCB-Amateuren in den Profi-Kadern gespielt. Beeindruckend selbstbewusst ging der Deutsch-Ghanaer die ersten Minuten seines Debüts an.

Als er in der Verlängerung eingewechselt wurde, verlieh er den Gästen neue Impulse in der Offensive und wäre sein Kopfball in der 104. Minute fünf Zentimeter tiefer geflogen, hätte er sich wahrscheinlich auf sämtlichen Titelseiten wiedergefunden.