Der BVB wehrt sich

Selten dürfte ein Bundesliga-Spitzenreiter so viel öffentliche Schelte abbekommen haben, wie Borussia Dortmund nach dem dritten Spiel in Folge ohne Sieg. Jetzt schlugen die Verantwortlichen zurück...

Nuri Şahin und Neven Subotić gehörten in Frankfurt noch zu den besten Dortmundern
Nuri Şahin und Neven Subotić gehörten in Frankfurt noch zu den besten Dortmundern ©Getty Images

Selten dürfte ein Tabellenführer der Bundesliga so viel Kritik zu hören bekommen haben, wie Borussia Dortmund nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt – dem dritten sieglosen Spiel in Folge nach dem 2:3 gegen Leipzig und dem 1:1 bei APOEL. Bei so mancher Zeitungslektüre konnte man den Eindruck gewinnen, der BVB stünde kurz vor dem Abstieg.

"Wenn man sieht, wie die Fans die Mannschaft nach den Spielen gegen Leipzig und Frankfurt für ihren Fußball feiern, wird klar, dass im Verein in Gänze ein anderes Stimmungsbild herrscht", ärgert sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit dem Magazin Reviersport über die Medienschelte und legt noch nach: "Das ist krank. Für diese Berichterstattung fehlt mir teilweise das Verständnis."

Sportdirektor Michael Zorc nannte erste vorsichtige Zweifel an Trainer Peter Bosz gar "schizophren" und "lächerlich". Einzig der Niederländer bewahrt in dem ganzen Trubel einen kühlen Kopf. Auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalspiel in Magdeburg erklärte er, er empfände die Kritik als nicht übertrieben und widmete sich statt der Medienschelte lieber der Ursachenforschung.

"Ich habe auch in den Spielen, die wir gewonnen haben, viele Fehler gesehen", gestand er ein. "Ich muss ehrlich sagen, dass wir noch viele Sachen verbessern müssen, manchmal sind es aber auch nur Details, die fehlen. Vor ein paar Wochen hat Auba aus einer halben Chance ein Tor gemacht, jetzt hat er in Frankfurt eine große ausgelassen."

Zweifel am zu offensiven – sprich naiven – Spielstil seines Teams lässt der Coach nicht gelten. "Unsere Spielweise zu beobachten, hat Spaß gemacht, wenn man BVB-Fan ist, an unserem Spielstil werden wir nichts ändern."

Auffällig ist, dass der BVB wieder einmal von großem Verletzungspech heimgesucht wird, gerade in der Abwehr konnte Bosz keine zwei Mal dieselbe Aufstellung auf den Platz schicken, am Samstag debütierte sogar Mittelfeldspieler Julian Weigl in der Innenverteidigung neben Neven Subotić, der vor eineinhalb Jahren letztmals in der Startformation des BVB gestanden hatte, rechts verteidigte Marc Bartra, der diese Position ein einziges Mal beim FC Barcelona ausgefüllt hatte, links Jeremy Toljan, der sich normalerweise auf der anderen Seite deutlich wohler fühlt.

In Frankfurt sollte es einfach nicht sein...
In Frankfurt sollte es einfach nicht sein...©Getty Images

Hinzu kommen individuelle Fehler wie in Nikosia von Keeper Roman Bürki oder das Auslassen auch bester Tormöglichkeiten. Hier tat sich vor allem Pierre-Emerick Aubameyang hervor, der auch schon auf Zypern mehrfach den Siegtreffer auf dem Schlappen hatte. Eine schöpferische Pause für den Gabuner hält Bosz aber nicht für notwendig. "Braucht er eine Pause? Ich denke nicht. Er steht immer richtig, er ist topfit, das belegen seine Daten, er hilft dem Team beim Pressing, er muss nur wieder treffen…"

Am besten schon in Magdeburg, denn ein Sieg beim Drittliga-Zweiten würde sicher nicht alle, aber doch das eine oder andere Problem des BVB - immerhin des amtierenden DFB-Pokalsiegers - lösen.