Di Matteos Anfänge in Schweizer Provinz
Montag, 14. Mai 2012
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Auch in der Schweiz bleibt der Erfolg von Roberto Di Matteo nicht unbemerkt. Und so sehr man sich mit dem Trainer von Chelsea FC freut, so wenig ist man überrascht über "Robis" Taten.
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Er hat zwar 34 Länderspiele für Italien bestritten, seine Karriere vornehmlich in der Serie A und der Premier League verbracht, seine Wurzeln aber liegen in der Schweiz, in Schaffhausen genauer gesagt, dem nördlichsten Kanton des Landes.
Roberto Di Matteo, der bald 42-jährige Trainer des Chelsea FC, hat mit dem Einzug ins Finale der UEFA Champions League auch sein Geburtsland verzückt – vor allem jene, die seinen Weg genau kennen. Angefangen bei Domenico Sinardo, seinem Jugendtrainer beim FC Schaffhausen, der sich "riesig" für Di Matteo freut und für sich in Anspruch nimmt, dessen Karriere nicht unbedeutend beeinflusst zu haben.
"Der kleine Robi war mit Abstand der beste Spieler der Mannschaft. Aber er war körperlich schwach, weinte oft, wenn ihn die Gegenspieler foulten, und war immer wieder kurz davor aufzuhören. Ich habe ihm dann aber gezeigt, wie er sich verteidigen muss und gesagt: 'Robi, Ellbogen und Hintern raus!'" So habe er sich durchgebissen.
Ein anderer Förderer des heutigen Chelsea-Trainers ist Rolf Fringer, der künftige Chef des FC Zürich und Di Matteos erster Profitrainer in Schaffhausen. Dass sein ehemaliger Schützling auch auf höchstem internationalem Niveau mithalten könne, überrascht ihn nicht: "Schon als 20-Jähriger sprach er über Taktik und Systeme, und mit seiner Technik und seiner überragenden Spielintelligenz hatte er die Stars auch als junger Kerl im Griff. Er war schnell mein verlängerter Arm."
Auch 1992/93, als Fringer den FC Aarau mit Libero Di Matteo zum überraschenden Meistertitel führte. Der Bulgare Petar Aleksandrov, der damalige Aarauer Topskorer, sagt: "Di Matteo war unser Chefdenker."
Dennoch: "Vom jungen Spieler in Schaffhausen und Aarau in die italienische Nationalmannschaft – das war ein Riesenschritt", sagt Fringer, dem "Robi" daher als Paradebeispiel für einen gilt, der es schafft, das Unmögliche möglich zu machen: "Er tickt noch immer gleich: Er glaubt, man könne alles erreichen, wenn man nur wolle. Das hat man auch im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona gesehen."
Entscheidend für Di Matteos Erfolg sei jedoch, dass es ihm gelungen ist, die wichtigen Routiniers hinter sich zu bringen: "John Terry, Frank Lampard, Didier Drogba und Fernando Torres folgen ihm – das ist das Wichtigste", sagt Fringer. Und Aleksandrov ergänzt: "Solche Spieler überzeugst du vor allem mit Fachkompetenz, aber auch mit Menschlichkeit. Und Robi ist ein herausragender Mensch, dem es auch nicht an der nötigen Lockerheit fehlt."
Ryszard Komornicki, Kapitän der Aarauer Meistermannschaft, hat gerade hierfür ein Beispiel: "Trainer Fringer hatte uns aufgetragen, in der Sommerpause an unserer Fitness zu arbeiten. Als er Roberto fragte, was er so gemacht habe, erzählte dieser keck, dass er in den Ferien jeden Tag Boccia gespielt habe."
Für Komornicki ist daher klar: "Wenn er locker bleibt, kann er es noch sehr weit bringen." Wobei: Sehr viel weiter geht fast nicht mehr.