Pioniergeist soll bewahrt werden
Freitag, 6. November 2009Leitartikel von UEFA-Präsident Michel Platini in der aktuellen Ausgabe der offiziellen UEFA-Publikation uefadirect.
Die Zukunft zu planen heißt nicht, niemals zurückzuschauen. Im Gegenteil: Ein Blick in die Vergangenheit trägt oft dazu bei, sich nicht zu weit vom ursprünglich vorgesehenen Weg zu entfernen, und gegebenenfalls die Prioritäten neu zu ordnen.
Legitime Frage
So hat es durchaus seine Berechtigung, sich daran zu erinnern, dass die europäischen Klubwettbewerbe entstanden dank dem Enthusiasmus einiger Fußballbegeisterter, die sich die legitime Frage stellten, wer wohl der beste Klub in Europa sei - zu einer Zeit, da Vereine sich auf internationaler Ebene nur in Freundschaftsspielen miteinander messen konnten.
Phänomen
Die weitere Entwicklung dieser Wettbewerbe ist bekannt, ebenso die Erfolgsgeschichte, die in medialer Hinsicht mit ihnen verbunden ist. Entstanden sind "Events", die weit über ein reines Sportereignis hinausgehen und zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden sind. Vor diesem Hintergrund hat auch ein anderer Dreh- und Angelpunkt unserer heutigen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewonnen - der finanzielle Aspekt.
Fortbestand
Natürlich beklagt sich niemand über diesen Geldsegen, der an sich positiv zu bewerten ist, da er es ermöglicht, Profispieler zu bezahlen, die Sportanlagen und das spielerische Niveau zu verbessern und zum Fortbestand des Fußballs beizutragen.
Sportlicher Wettstreit
Leider ist über den finanziellen Aspekt zum Teil in Vergessenheit geraten, dass diese Wettbewerbe vor allem ein sportlicher Wettstreit sein sollen. Es kann nicht sein, dass für einige Klubs die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben zum "Muss" geworden ist, ohne dass ihr Budget zusammenbricht, und dass sie sich folglich hoch verschulden, um ihr Ziel zu erreichen - eine Spirale, die leicht in den Ruin führen kann.
Allgemeiner Wille
Noch weniger hinnehmbar ist es, dass manche Vereine, die nicht darauf hoffen können, ganz oben mitzuspielen, versuchen, aus ihrer Teilnahme an den europäischen Wettbewerben mittels illegaler Wetten und Spielabsprachen Profit zu schlagen. Nein - die finanziellen Ausschweifungen im Fußball können nicht toleriert werden, und das ist allen Akteuren bewusst, deren Vertreter im Strategischen Beirat für Berufsfußball für die Grundsätze des finanziellen Fairplay gestimmt haben, die ihnen unterbreitet wurden. Der allgemeine Wille ist kundgetan; nun geht es darum, die geeigneten Instrumente zu schaffen. Ziel dabei ist es nicht, in die Pionierzeit der europäischen Klubwettbewerbe zurückzufallen, sondern, den Geist dieser Epoche zu erhalten.
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