Mailand vor Obdachlosen-WM
Samstag, 5. September 2009Mailand ist für die 7. Weltmeisterschaft für Obdachlose bereit. Das von der UEFA unterstützte Turnier soll Obdachlosen mit Hilfe des Fußballsports zu einem besseren Leben verhelfen.
Start in Bar
Ungefähr 500 Spieler aus 48 Nationen von Kambodscha bis Ghana, von Deutschland bis Brasilien kommen nach Italien, um an der Obdachlosen-WM teilzunehmen. Mel Young, Präsident des Projekts, sprach mit uefa.com über die Entwicklung der Obdachlosen-WM, seit er mit seinem österreichischen Kollegen Harrold Schmidt in einer Bar in Südafrika die Idee zur WM ins Leben rief.
Entwicklung
"Wir beide lieben Fußball einfach, und ich sagte, dass unsere Obdachlosen-Mannschaft in Schottland Ähnlichkeit mit einer Fußballmannschaft habe. Harrold sagte das Gleiche über Österreich - deshalb haben wir beschlossen, ein Testspiel zu machen. Wir haben mit einem Bier darauf angestoßen und am Ende der Nacht erfanden wir die Weltmeisterschaft für Obdachlose, an der jeder teilnehmen kann", sagte Young, der seit 1993 mit Obdachlosen arbeitet. "Das erste Turnier 2003 mit 18 Ländern in Graz übertraf schon alle Erwartungen. Wir wollten eigentlich nur diese eine WM machen, aber dann war es so erfolgreich, dass wir entschieden haben, jedes Jahr eine zu veranstalten. Und nun wächst und wächst die WM weiter."
Soziale Veränderung
Mittlerweile ist das einwöchige Event ein weltweites Phänomen, das ungefähr 100 000 Zuschauer ins Mailänder Straßen-Fußball-Stadion, der Arena Civic im Sempione Park, locken wird. Mannschaften aus fünf Kontinenten werden um den Titel kämpfen, den letztes Jahr in Melbourne (Australien) das Team aus Afghanistan holen konnte. Young geht es aber weniger um sportliche Erfolge, sondern um die sozialer Art. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer, die an den Weltmeisterschaften teilgenommen haben, änderten ihr Leben daraufhin signifikant. So schafften es Menschen, sich von Drogen- oder Alkoholsucht zu lösen, eine eigene Unterkunft und Jobs zu finden oder eine Ausbildung zu machen. Manche schlossen wieder Kontakt zu vergessenen Bekanntschaften, andere wurden Trainer oder Spieler in halbprofessionellen Vereinen oder sozialen Einrichtungen.
Botschafter
"Man sieht, wie sie sich vor einem ändern, wenn sie aus dem Nichts kommen und dann plötzlich ihr Land repräsentieren", sagte er. "Sie sind fantastische Botschafter ihrer Länder. Wie sie die Nationalhymnen mitsingen, wie sie sich benehmen - darum geht es eigentlich im Sport. Es bedeutet ihnen verdammt viel, und ich sage ihnen immer, dass diese WM - egal ob Sieg oder letzter Platz - für immer in ihrem Lebenslauf stehen wird."
Hilfe von UEFA
Die UEFA unterstützt die Obdachlosen-WM von jeher. In den letzten Jahren hat die UEFA immer wieder Geldstrafen aus UEFA-Wettbewerben in humanitäre Projekte investiert. Soziale Projekte wie die WM für Obdachlose lassen sich dabei perfekt mit dem Fußball verbinden.
"Fantastischer Partner"
"Es war sehr wichtig, dass uns die UEFA von Anfang an unterstützt hat", sagte Young. "Es ist wichtiger, dass der Fußball nicht nur seine Superstars anerkennt. Ich denke, die UEFA versteht das und macht deshalb viel für den Breitensport und Projekte wie die RESPEKT-Kampagne oder die WM für Obdachlose. Sie sind für uns ein fantastischer Partner."
Hier erfahren sie mehr über die WM (englisch).
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