
In den letzten zehn Jahren hat die UEFA mit jungen, aufstrebenden Schiedsrichtern ein spezielles Training absolviert. Erfahrene Offizielle unterrichteten die Newcomer beim UEFA-Projekt "Talente und Mentoren", dessen Erfolg sich bei der FIFA-Weltmeisterschaft zeigte.
Der 38-jährige Howard Webb leitete das Endspiel am Sonntag. Er war der jüngste Schiedsrichter, der in den letzten 72 Jahren ein WM-Finale gepfiffen hatte. Der Engländer war einer von sieben der zehn europäischen Schiedsrichter in Südafrika, die von dem im Jahre 2000 gegründeten Projekt "Talente und Mentoren" profitiert haben. Insgesamt waren 156 Teilnehmer aus 50 UEFA Mitgliedsverbänden daran beteiligt. Auch Assistenten sind mittlerweile dabei.
Das letzte Mal trafen sich die Talente und deren Mentoren im Mai in Nyon. Josef Marko von der UEFA-Schiedsrichterkommission sprach mit UEFA.com: "Die Ausbilder arbeiten über ein bis zwei Jahre mit diesen jungen Schiedsrichtern. Sie kommen nicht nur zu ihren Spielen, sie haben auch ständigen Kontakt per E-Mail oder Skype. Die Unparteiischen schicken den Mentoren ihre letzten Auftritte auf DVD und diese geben ihnen dann ein Feedback zurück.
"Die nationalen Verbände laden die Mentoren in das Heimatland des aufstrebenden Referees ein. So können sie das Talent auf nationaler Ebene beurteilen und der Mentor spricht mit Mitgliedern der Schiedsrichterkommission. Manchmal sprechen sie auch mit der Familie. Das ist etwas sehr Besonderes. Wenn der Schiedsrichter viel Willen zeigt, kann er dank dieser Erfahrungen wachsen."
Unter den derzeitigen Talenten befindet sich auch Artyom Kuchin, der im Mai als erster Kasache bei einer Endrunde der UEFA-U17-Europameisterschaften eingesetzt wurde. Der 32-Jährige wird betreut vom ehemaligen internationalen Unparteiischen und UEFA-Schiedsrichter-Beobachter Jørn West Larsen aus Dänemark. Neben Kuchin nimmt auch dessen Landsmann Yevgeniy Belskiy, ein Schiedsrichter-Assistent, an dem Projekt teil.
"Dieses Projekt hilft mir dabei, mich zu verbessern", sagte Kuchin. "Der Unterschied zwischen der UEFA und unserem Verband ist natürlich sehr groß. Sollte ich einmal ein guter Schiedsrichter werden, wäre das für mich und meinen Verband sehr hilfreich. Denn mein Mentor wird mir Dinge beibringen, die ich auch in meinen Verband einbringen werde. Ich werde in das Land meines Mentors reisen und natürlich auch ihn in mein Land einladen. Das bedeutet mir sehr viel, weil [der Kasachische Fußballverband] erst seit 2002 Mitglied in der UEFA ist."
Kuchin tritt in einige große Fußstapfen, und Marko erklärt, dass sich in den letzten zehn Jahren das Talente-und-Mentoren-Programm enorm entwickelt hat. "Am Anfang gaben ihnen die Mentoren Ratschläge, betonten ihre Stärken und arbeiteten an ihren Schwächen", sagte er. "Nun füllen sie eine andere Rolle aus - sie sind Vorbilder. Vor einem Jahr war [der Schweizer Schiedsrichter] Massimo Busacca als Lektor da, heute arbeiten wir auch mit Assistenten zusammen."
"Heute ist es nicht so wichtig, wer eine Entscheidung trifft, sondern vielmehr, dass es die richtige Entscheidung ist. Da spielt es keine Rolle, ob es der Schiedsrichter, der Assistent, der vierte Offizielle oder sogar ein zusätzlicher Assistent ist. Ich bin nun schon seit 17 Jahren in der UEFA-Schiedsrichterkommission, und es ist gut, mit jungen Unparteiischen zu arbeiten. Auch ich kann von ihnen noch etwas lernen."
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