

Entschlossenes staatliches Handeln gegen Spielmanipulationen, der Kampf gegen Gewalt in den Stadien, die Einführung des finanziellen Fairplay sowie die Stärkung der Sportgerichtsbarkeit waren die vier Themen, die UEFA-Präsident Michel Platini in seiner Eröffnungsrede bei der 12. Konferenz der Sportminister des Europarates am Donnerstag in Belgrad ansprach.
Michel Platini forderte in seiner Rede eine internationale Konvention über Spielmanipulationen, die zum Strafbestand erklärt werden müssten, da sie die Zukunft des Sports gefährdeten. Der UEFA-Präsident plädierte für ein entschlossenes Eingreifen gegen die Gewalt in den Stadien und erklärte, warum die finanziellen Fairplay-Maßnahmen der UEFA das finanzielle Gleichgewicht in den Fußball zurückbringen werden.
Der UEFA-Präsident unterstrich auch die essenzielle Bedeutung des Nationalmannschaftsfußballs als Teil des kulturellen Erbes unseres Kontinents. Zudem erneuerte er seine Forderung, die Sportgerichtsbarkeit zu stärken.
"Im vergangenen September habe ich an dieser Stelle über ein Übel gesprochen, das die 'glorreiche Ungewissheit des Sports' zerstört: die Spielmanipulationen im Zusammenhang mit Online-Wetten", sagte der UEFA-Präsident in seiner Eröffnungsansprache. "Spielmanipulationen haben eine große Unsicherheit ausgelöst – ja sogar Angst. Ich spreche bewusst von Angst, denn hinter jedem manipulierten Spiel steckt das organisierte Verbrechen. Diese kriminellen Banden machen sich Gesetzeslücken zunutze und bemächtigen sich ganzer Wettbewerbe."
"Wir stehen vor einem Problem der öffentlichen Ordnung, dem mit den Mitteln der Sportverbände allein nicht beizukommen ist. Europa muss den Spielmanipulationen geschlossen entgegentreten. Ich bitte deshalb die Mitgliedstaaten des Europarats um sofortige Unterstützung: Spielmanipulationen müssen zu einem Straftatbestand gemacht werden. Spielmanipulationen müssen für gesetzeswidrig erklärt werden."
"Eines ist sicher: Der Macht dieser Kriminellen ist nur durch die Zusammenarbeit der Staaten Europas im Polizei-und Justizwesen beizukommen. Auch die Korruption kann nur auf diese Weise bekämpft werden. Ich bin davon überzeugt, dass das klügste Mittel zum Schutz der Integrität des Sports die internationale Zusammenarbeit ist. Deshalb plädiere ich für ein internationales Abkommen über Spielmanipulationen."
"Ein solches Abkommen wäre freilich nur ein Schritt - gleichwohl ein unverzichtbarer Schritt - auf dem Weg hin zu einem sauberen Sport, der unsere Entschlossenheit unter Beweis stellen würde."
Mit Blick auf die Gewalt in den Stadien erklärte Michel Platini, dass ihn der feste Wille antreibe, dieses negative Phänomen mit aller Entschlossenheit zu bekämpfen. "Viel zu lange dachten wir, dass es reichen würde, einen friedvollen Sport zu wollen. Viel zu lange dachten wir, dass wir die Gewalt überwunden hätten. Viel zu lange verschlossen wir die Augen – als ob Gewalt und Hooliganismus durch Schweigen, Wegsehen und Vergessen besiegt werden könnten."
"Deshalb haben wir uns mit dem Europarat auf eine Zusammenarbeit verständigt, um in all unseren Stadien für eine sichere und friedliche Atmosphäre zu sorgen. Grundlage für diese Kooperation wird das Übereinkommen von 1985 sein." Thema der Europäischen Konvention von 1985 ist die Gewalt durch Zuschauer bei Fußballspielen.
Hinsichtlich des finanziellen Fairplay, beschrieb der UEFA-Präsident die finanzielle Situation der Klubs als "sehr schlecht". Er legte dar, dass 2010 die europäischen Klubs über 1,6 Milliarden Euro Verluste angehäuft hätten. "Diese Zahlen zeigen die Instabilität des bestehenden Systems, das einige Vereine in riesige Spielcasinos verwandelt hat", erklärte er.
"Wir müssen im Fußball eine Haushaltsdisziplin einführen", sagte er. "Das Mittel der Wahl ist das finanzielle Fairplay, dessen Grundsätze in zwei uralten Weisheiten zusammengefasst werden können: 'Man sollte nicht über seine Verhältnisse leben' und 'bestimmte Grenzen dürfen nicht überschritten werden'. Eines ist klar: Die jetzige Situation ist unhaltbar. Deshalb werden wir etwas dagegen tun. Ich erwarte Eines von Ihnen: dass Sie das finanzielle Fairplay schützen. Beseitigen Sie die unklare Rechtslage und schaffen Sie einen sicheren Rechtsrahmen."
Michel Platini charakterisierte die Nationalmannschafts-Wettbewerbe als "Ausdruck der europäischen Identität. Ich würde sogar sagen, Teil des kulturellen Erbes unseres Kontinents. Und doch befinden sich die Nationalmannschafts-Wettbewerbe in einer schwierigen Phase. Ihre Daseinsberechtigung wird durch das Verhalten bestimmter Klubs, die ihre Spieler nicht für den Auftritt im Trikot ihres Landes freistellen wollen, in Zweifel gezogen."
"Ein Land hat ein Gesetz verabschiedet, das die Abstellung von Spielern für die Nationalmannschaft vorschreibt. Dieses Land ist Spanien. Diese Initiative beweist Eines - es gibt Lösungen für dieses Problem."
Der UEFA-Präsident schloss seine Rede mit dem Thema der Sportgerichtsbarkeit, denn die "ist inzwischen tagtäglich von Handlungen bedroht, die darauf abzielen, ihr ihre Zuständigkeit zu entziehen".
"Lassen wir also nicht zu, dass rein sportliche Streitigkeiten vor staatliche Gerichte gebracht werden. Was würde denn werden, frage ich Sie, wenn die Regeln in Madrid, Rom oder Brüssel unterschiedlich bewertet würden? Mir liegt viel daran, die für unsere Schiedsgerichtsbarkeit dringend benötigten Sicherheiten zu beschaffen."
Der UEFA-Präsident forderte eine konzertierte Zusammenarbeit zwischen dem Sport und den europäischen Behörden zum Wohle des europäischen Sports. "Ich sehe Tag für Tag, dass der Sport Millionen von Menschen Heimat, Perspektive und Identität bietet. Sollte dies alles in Europa verloren gehen, so ginge auch Europa verloren. Lassen Sie uns daher gemeinsam handeln. Handeln wir gemeinsam, um vernünftige Regeln für den Sport zu finden. Unsere gemeinsame Aufgabe ist der Kampf um den Fortbestand des Sports und das Europa von morgen."
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