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UEFA-Präsident trifft EU-Sportminister

Präsident

UEFA-Präsident Michel Platini sprach bei einer Rede vor den Sportministern der Europäischen Union in Krakow/Polen über die Herausforderungen für die UEFA und den europäischen Fußball.

Adam Giersz gemeinsam mit Michel Platini in Krakau
Adam Giersz gemeinsam mit Michel Platini in Krakau ©Cyfrasport

UEFA-Präsident Michel Platini hat die europäischen Regierungen dazu aufgerufen, den europäischen Fußball beim Schutz der Schlüsselwerte zu unterstützen und den negativen Herausforderungen, welche in Zukunft das Wohlergehen des Sports gefährden, entgegenzutreten.

In einer Ansprache bei einem informalen Treffen der Sportminister der Europäischen Union (EU) in Krakow/Polen - wo der unbezahlbare Dialog zwischen der UEFA und den politischen Behörden Europas fortgesetzt wurde - hob Michel Platini den Kampf gegen Spielmanipulation, UEFAs Maßnahmen zum finanziellen Fairplay und die wichtige Rolle der Nationalmannschaften innerhalb der Fußball-Landschaft hervor. Er rief die Regierungen dazu auf, angemessene Maßnahmen zu ergreifen und der UEFA insbesondere bei der Erschaffung einer Basis für eine positive Zukunft zu helfen.

Michel Platini erwähnte zuerst UEFAs Sorgen hinsichtlich der Spielmanipulationen. "Das, was dem europäischen Sport heute Sorgen bereitet, ist ein Übel, ein moralisches Übel, ein tiefgreifendes und zugleich ungreifbares Übel. Daher möchte und muss ich, sehr verehrte Damen und Herren Minister, Sie zum Handeln auffordern, und zwar angesichts einer grundlegenden Herausforderung: dem Kampf gegen Spielmanipulationen."

"Ich bezeichne die Situation als untolerierbar, da mittlerweile keine Woche vergeht, ohne dass man von Spielmanipulationen hört – und dies, so möchte ich betonen, im Zusammenhang mit sogenannten "Sport"wetten. Diese Machenschaften sind selbstredend eine Bedrohung für die Integrität der Wettbewerbe, und vor allem erschüttern sie bestimmte Werte, die wir alle – davon bin ich überzeugt – als grundlegende Werte einer modernen Gesellschaft betrachten."

"Selbstverständlich haben die UEFA und der Sport dieser Entwicklung nicht einfach tatenlos zugesehen.Im Gegenteil, wir haben unsere Anstrengungen verdoppelt, Unternehmungsgeist an den Tag gelegt und auch, so möchte ich behaupten, Mut bewiesen im Versuch, die Manipulation von Spielergebnissen im Zusammenhang mit Wetten zu unterbinden", so der UEFA-Präsident weiter. "Doch Sie müssen verstehen, dass dieses Übel unsere Kapazitäten übersteigt. Weshalb? Aus einem ebenso einfachen wie Besorgnis erregenden Grund: weil Spielmanipulationen zur bevorzugten Domäne des organisierten Verbrechens geworden sind."

"Spielmanipulationen stellen eine klare Bedrohung für die öffentliche Ordnung dar, weshalb hier auch ein Eingreifen der öffentlichen Behörden gefragt ist. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem ein strategisches Handeln erforderlich ist. Daher erkläre ich heute vor Ihnen, dass der europäische Sport eine Strategie braucht, die einerseits den Sportbetrug zu einem Straftatbestand macht und andererseits die Eigentumsrechte von Veranstaltern an ihren Wettbewerben anerkennt."

"Ich bitte Sie hier nicht um ein Sonderrecht. Ich bitte Sie lediglich um die gerechte Anerkennung eines Rechts: das Recht des europäischen Fußballs, sich davor schützen zu können, zum Opfer – wenn nicht zum Sklaven – von Online-Wetten und des organisierten Verbrechens zu werden."

Michel Platini befasste sich dann mit UEFAs Maßnahmen zum finanziellen Fairplay. "Dieses Konzept beruht auf einer simplen, jedoch sehr lobenswerten Philosophie: Die Klubs sollen nicht mehr Geld ausgeben, als sie haben. Die Wirtschaftskrise, die gegenwärtig unseren Kontinent heimsucht, hat dieser Philosophie zusätzliche Relevanz verliehen. Es stellt sich vielleicht die Frage, weshalb man nicht weiter die Augen vor den Ausgaben der Klubs verschliessen soll. Dies sollte man ganz einfach deshalb nicht tun, weil die aktuelle Situation äßerst bedenklich ist: Im vergangenen Jahr haben die Profivereine Verluste in Höhe von gut 1,2 Milliarden Euro angehäuft."

"Die Situation ist deshalb bedenklich, weil die Gerechtigkeit mit Füßen getreten, um nicht zu sagen ad absurdum geführt wird. Wenn die Klubs immer mehr Verluste anhäufen, um Stars zu verpflichten, wenn sie auf Kredit Titel kaufen, wenn die Spieler von ihren Arbeitgebern nicht mehr bezahlt werden, dann gleiten wir ins Chaos und in die Anarchie ab und es kann so nicht mehr weitergehen. Ich bitte Sie um Ihre formelle Unterstützung, um das finanzielle Fairplay in der moralischen Ordnung des heutigen – und künftigen – Fußballs verankern zu können.

Hinsichtlich der Rolle der Nationalmannschaften sagte der UEFA-Präsident: "Das europäische Sportmodell beruht auf offenen Wettbewerben und der Koexistenz der Klubs und Nationalmannschaften. Ich durfte selber feststellen, wie sehr die großen Nationalmannschaftswettbewerbe das kulturelle Erbe Europas bereichern. Dennoch ist heute die Gefahr groß, dass Spieler nicht mehr freigestellt werden, wenn sie für ihre Nationalmannschaft aufgeboten werden, um die Ehre und die Werte ihres Landes zu verteidigen. Diese Situation beschäftigt mich mittlerweile so stark, dass ich die Einführung von Regeln für nötig halte, um den Fortbestand der Nationalmannschaften zu wahren.

Michel Platini beendete seine Rede mit einer positiven Botschaft an die Minister: "Selbst wenn es den Anschein macht, dass sich der Sport in unruhigen Gewässern bewegt, so zeigt mir Ihre Anwesenheit, dass der Sport vor allen Dingen ein unvergleichliches Erziehungsinstrument in unserer Gesellschaft ist: Respekt für den Gegner, Solidarität, Offenheit für Vielfalt und Integration sind nur einige der Werte, die der Sport vermittelt und die – insbesondere bei Jugendlichen – zur Bildung einer aktiven und vorbildlichen europäischen Gesellschaft beitragen."

"In meinen Augen, und in den Augen von mehr als einer halben Milliarde unserer Mitbürger, ist der Sport ein Hoffnungsträger. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass wir uns gemeinsam für seine Werte einsetzen, deren Schutz zweifelsfrei zu einem offeneren, friedlicheren und mehr denn je Solidarität verkörpernden Europa führen wird."

"Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, Ihnen aufzuzeigen, dass die Zukunft des europäischen Sports auf konkrete Initiativen angewiesen ist, bei denen die Grundsätze der Exzellenz, der Beteiligung, der Demokratie, der Transparenz und der Verantwortung im Vordergrund stehen – alles Grundsätze, welche auch die UEFA charakterisieren. Diese Werte und ihre tagtägliche Förderung auf unserem Kontinent liegen mir umso mehr am Herzen, als man sie auch in der europäischen Idee von Robert Schuman wiederfindet. Sie können uns also vertrauen und gemeinsam mit uns handeln, insbesondere indem Sie dem gesamten Sport die Rechtssicherheit geben, auf die er so sehr angewiesen ist - auch im Kampf gegen Spielmanipulationen."

Klicken Sie hier, um die vollständige Rede des UEFA-Präsidenten zu lesen.

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