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Einen Schritt voraus bleiben

Stadion

Bei der jährlichen UEFA-EU-Sicherheitskonferenz in München haben Experten im Bereich der Stadionsicherheit die Bedeutung eines proaktiven Ansatzes und des Voraussehens von Sicherheitsproblemen betont.

Rund 360 Delegierte nahmen an der Sicherheitskonferenz in München teil.
Rund 360 Delegierte nahmen an der Sicherheitskonferenz in München teil. ©Sportsfile

Die Notwendigkeit, „einen Schritt voraus“ zu bleiben, war bei der UEFA-EU-Sicherheitskonferenz diese Woche in München das dominierende Motto. Rund 360 Akteure aus dem Bereich Stadionsicherheit setzten sich in Bayern mit der Frage auseinander, wie sichergestellt werden kann, dass Fußballspiele in einem sicheren und einladenden Umfeld stattfinden können.

Die Konferenz bot eine wichtige Plattform für Diskussionen und Informationsaustausch.
Die Konferenz bot eine wichtige Plattform für Diskussionen und Informationsaustausch.©Sportsfile

Bei der 17. Ausgabe der Konferenz kamen Vertreter der UEFA, der Europäischen Union, nationaler Fußballverbände, von Fußballvereinen sowie von Polizei und anderen Interessenträgern für eine Diskussion zu Sicherheitsfragen im Fußball zusammen.

Der Leitgedanke war, dass sämtliche verfügbaren Mittel eingesetzt werden müssen, um proaktiv auf die verschiedenen negativen Erscheinungen zu reagieren, welche die Sicherheit bei Fußballspielen gefährden können.

Michael van Praag spricht zu den Konferenzteilnehmern.
Michael van Praag spricht zu den Konferenzteilnehmern.©Sportsfile

„Trotz unserer Bemühungen kommt es weiterhin zu Sicherheitsvorfällen“, sagte Michael van Praag, Vorsitzender der UEFA-Kommission für Stadien und Sicherheit. „Diese Konferenz dient uns dazu, das Zepter in die Hand zu nehmen. Wir wollen mehr dafür tun, um Problemen vorzubeugen, und wenn sie doch auftreten, wollen wir entsprechend reagieren.“

Neben Gewaltvorfällen, die insbesondere außerhalb der Stadien vorkommen, gehören der Einsatz von Pyrotechnik und die damit verbundenen Risiken, das Eindringen von Zuschauern auf das Spielfeld und Vorfälle politischer Natur zu den vielfältigen wiederkehrenden Problemen.

Ein frühzeitiger Informationsaustausch, insbesondere über anreisende Fans, gilt als unerlässlich – ebenso wie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Sicherheitsakteure bei der Spielorganisation, ein vermehrtes Zurückgreifen auf die Erfahrung von Fangruppen und Fanbeauftragten in der Spielvorbereitung sowie eine stärkere Umsetzung der 2016 verabschiedeten Konvention des Europarats zu einem integrierten Sicherheits- und Dienstleistungsansatz bei Sportveranstaltungen.

Mit diesem Übereinkommen, das Mitglieds- und Nichtmitgliedsstaaten des Europarats zur Ratifizierung offensteht, sollen unter anderem die Sicherheit der Zuschauer innerhalb und außerhalb der Stadien gefördert, der Dialog zwischen der Polizei, lokalen Behörden, Fußballvereinen und Fans verbessert, die internationale Polizeikooperation verstärkt und Krawallen im Fußball anhand wirksamer Maßnahmen vorgebeugt und diese entsprechend bestraft werden.

Dick Berlijn, ehemaliger Kommandant der niederländischen Streitkräfte und heute Berater auf dem Gebiet der Datenanalyse, wies auf die Bedeutung der Überwachung sozialer Medien und eines proaktiven Vorgehens bei der Bekämpfung von Hooliganismus hin. Er erklärte, wie Hooligans und Ultras mithilfe sozialer Medien miteinander kommunizieren, und fügte hinzu, dass einem Vorfall jeweils mehrere Phasen vorausgingen.

Soziale Medien seien hilfreich dabei, Netzwerke aufzudecken, so Berlijn – sie dienten auch der Überwachung von Einzelpersonen und der Identifizierung von Anführern und ihrer Pläne. Es sei einfacher, in einer frühen Phase einzugreifen, als auf einen Vorfall reagieren zu müssen. Die sozialen Medien seien eine wichtige Informationsquelle im Hinblick auf mögliche Geschehnisse und das Treffen geeigneter Maßnahmen.

Bei Podiumsdiskussionen konnten Themen vertieft werden.
Bei Podiumsdiskussionen konnten Themen vertieft werden.©Sportsfile

Bei der Konferenz wurde auch der Ruf nach effizienten Ausschlussverfahren laut, die dazu dienen, Unruhestiftern einen Schritt voraus zu sein. Aus Sicht der UEFA ist es unerlässlich, die Personen zu identifizieren und auszuschließen, deren einziges Ziel darin besteht, den Fußball als Plattform dafür zu missbrauchen, Unruhe zu stiften. 

In Anbetracht der Tatsache, dass es in Europa weiterhin zu ernsthaften Gewaltvorfällen und anderen Fehlverhalten kommt, kamen die Delegierten zum Schluss, dass die Verhinderung von Problemen in den Stadien dann am erfolgreichsten ist, wenn Unruhestifter gar nicht erst in die Stadien gelangen – solche Personen müssen vom Fußball ausgeschlossen werden.

Ein weiterer Appell war der nach einer Einführung strenger Gesetze in mehr Ländern – zum Beispiel im Hinblick auf Personen mit Stadionverbot im eigenen Land, die aber in andere Länder reisen können, wo sie keinem solchen Verbot unterliegen; damit werden Probleme von einem Land ins andere exportiert.

Der begehrte Pokal der UEFA Champions League war ebenfalls vor Ort.
Der begehrte Pokal der UEFA Champions League war ebenfalls vor Ort.©Sportsfile

Die Konferenz, die jeweils vor Saisonbeginn der UEFA-Klubwettbewerbe stattfindet, untermauerte die Entschlossenheit der UEFA, die verschiedenen negativen Erscheinungen zu beseitigen, die bei Spielen ein Risiko darstellen und das Spielerlebnis der Zuschauer stark beeinträchtigen können. 

Die UEFA hat für den Zeitraum von 2017 bis 2021 eine umfassende Sicherheitsstrategie entwickelt, für die sie beträchtliche Mittel aufwendet und damit ihre 55 Mitgliedsverbände in deren Arbeit im Bereich der Sicherheit maßgeblich unterstützt.

„Das UEFA-Exekutivkomitee hat Geld bereitgestellt, um die Nationalverbände dabei zu unterstützen, ihre Kapazitäten zu verbessern“, so Michael van Praag. „In diesem Zuge haben wir in den vergangenen zwölf Monaten ein Programm mit Konferenzen, Expertenseminaren, Fachtagungen und anderen Schulungen auf den Weg gebracht.“

Ziel der UEFA-Strategie ist es, der großen Mehrheit der Fans ein ausgewogenes Gesamtkonzept in Sachen Sicherheit und Service zu bieten. Der europäische Fußball-Dachverband nutzte die Tagung in München, um seinen Ruf nach einem gesamteuropäischen Ansatz in Sicherheitsfragen zu bekräftigen, der Regierungen, lokale Behörden, die Polizei, Sicherheitskräfte, Fußballorganisationen, Fans und lokale Gemeinden einschließt.

„Wir stehen am Anfang des zweiten Jahres des Programms“, erklärte Michael van Praag vor den Konferenzteilnehmern. „Ich rufe Sie alle dazu auf, gemeinsam voranzuschreiten, damit wir den Problemen, die uns alle betreffen, einen Schritt voraus sind.“